Herbst

Aromatische Erdbeeren

Aromatische Erdbeeren

Nach der Ernte ist vor der Ernte. Bis September ist Zeit, neue Erdbeeren (Fragaria x ananassa) zu pflanzen oder die Ausläufer der vorhandenen Erdbeeren abzunehmen und neu aufzupflanzen.

Bei der Verjüngung des Erdbeerbeetes stellt sich auch gleich die Frage, welche Sorten man wählen soll. Denn nicht alle Sorten schmecken so gut wie sie aussehen. Viele moderne Sorten sind vor allem auf hohen Ertrag hin gezüchtet, ihr Geschmack ist aber eher mäßig. Dafür sind sie druckfest und lassen sich einfach transportieren, was für die professionellen Erdbeerproduzenten natürlich ein wichtiges Argument ist.
Als das geschmacksmäßige Nonplusultra gilt die historische Sorte 'Mieze Schindler'. Ihre dunkelroten mittelgroßen Früchte haben ein unvergleichliches, an Walderdbeeren erinnerndes Aroma. Kolportiert wird über diese Sorte aber auch, dass sie praktisch schon auf dem Weg vom Beet in die Küche matschig wird. Ein anderer Klassiker, 'Senga Sengana', kam Anfang der Fünfzigerjahre des letzten Jahrhunderts auf den Markt, zunächst vor allem für den professionellen Obstanbau. Schnell eroberte sie aber auch die Hausgärten und wird heute noch häufig angebaut. Ihr Manko ist ihre Empfindlichkeit für Fruchtfäule, vor allem bei ungünstigem Wetter, ihr Geschmack ist gut und erdbeertypisch, jedenfalls wenn sie vollreif geerntet wird.

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'Herzle' schmeckt nicht nur ausgezeichnet, sie sieht auch zum Anbeißen aus

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Neue Mieze', die würdige Nachfolgerin der legendären 'Mieze Schindler'

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Mit einem Hauch von Walderdbeeraroma: Hummi Praline

 

Das Geheimnis des echten Erdbeergeschmacks

Dem Aroma der Erdbeere ist Dr. Detlef Ulrich vom Julius Kühn-Institut in Quedlinburg seit Jahren auf der Spur. „Die eine Formel für das Erdbeeraroma gibt es nicht“, stellt er klar. Was man im Internet als chemische Formel finden könne, sei lediglich das künstlich hergestellte Erdbeeraroma, das man in Joghurt und in Drops finden könne, aber leider nicht in der Erdbeere selbst. Da sei die Sache komplizierter.

Bei den ersten Versuchen der sogenannten molekularen Dekodierung des Erdbeeraromas in den Zwanzigerjahren wurden die Aromastoffe aus der Wilderdbeere Fragaria moschata, einer besonders aromatischen Art, herausgearbeitet und analysiert. Im Diagramm erkennt man Art und Verteilung der einzelnen Aromastoffe, wobei es sich dabei um mehrere Hundert verschiedene handelt. „Das Erdbeeraroma ist also sehr komplex. Die einzelnen Substanzen schmecken und riechen überhaupt nicht nach Erdbeere, erst im Zusammenspiel entsteht das typische Bouquet“, erläutert Ulrich.
„Von den inzwischen etwa 900 bekannten Substanzen sind etwa 30 sogenannte Schlüsselsubstanzen, die besonders intensiv auf unsere Sinne wirken. Und davon sind einige Bestandteile für geschulte Probanden beschreibbar, zum Beispiel: grüne Blätter, Gummibärchen, Karamell, Veilchen-Jasmin, Pfirsich und Moschus.“ Bei alten Sorten ließ sich auch noch ein weiteres Aroma finden, nämlich das süßlich-blumige Aroma nach Akazie, das die meisten als typisches Walderdbeeraroma bezeichnen. Für dieses Aroma ist ganz wesentlich die Substanz Methylanthranilat verantwortlich, die man allerdings bei der Analyse moderner Hochleistungssorten überhaupt nicht mehr findet.
Bei der alten Sorte 'Mieze Schindler' hingegen kann man sie in hohem Maße nachweisen, ebenso wie das Gummibärchenaroma, das bei den meisten modernen Sorten auch fehlt. Offensichtlich sind uns bei der Züchtung von Hochleistungserdbeeren einige wesentliche Substanzen für das Aroma verloren gegangen. Die einseitige Züchtung auf hohen Ertrag und feste Haut ging zu Lasten des Geschmacks. Da die erwünschten Transporteigenschaften negativ mit dem Aroma korrespondieren, ist das Dilemma nicht so einfach lösbar. Für Privatanbau und Direktabsatz hingegen sind neue Sorten selektiert worden, die mit einem ausgeprägten Aroma punkten.

 

image270«  Möglichst gut durchgefärbtes Fruchtfleisch ist ein Zeichen für aromatische, vollreife Früchte

Moderne Sorten mit Aroma

IMit einem Aroma, das dem der 'Mieze Schindler' zumindest recht nahe kommt, überzeugt die 'Neue Mieze'. Im Gegensatz zur alten Sorte ist sie selbstfruchtend und benötigt keine zweite Sorte zur Befruchtung. Ihre Früchte sind nicht so empfindlich und besitzen eine schöne dunkelrote Farbe. Dazu ist ihr Ertrag auch noch höher als bei der „Alten Mieze“. Wahrscheinlich werden beim Pflücken bereits die meisten Früchte gleich weggenascht, an sonsten überzeugt ihr intensives Aroma auch in Marmelade oder auf der Torte. Eine ebenfalls tief dunkelrote Sorte ist 'Hummi Aroma Auslese', deren Reife mit Anfang Juni sehr früh liegt. Die mittelgroßen Früchte haben eine etwas abgeplattete Form mit auffallend gelben Nüsschen und sind sehr saftig mit einem frischen intensiven Aroma. Durch ihren lockeren offenen Wuchs macht die Fruchtfäule bei ihr keinerlei Probleme. Für Romantiker ist 'Herzle' die richtige Sorte. Wie der Name vermuten lässt, sind die Früchte dieser mittelfrüh reifenden dunkelroten Sorte herzförmig. Aber nicht nur die Form spricht die Sinne an, auch das Aroma mit seiner intensiven Süße. In Richtung Walderdbeeren geht das Aroma von 'Hummi Praline', einer mittelspät reifenden Sorte mit dunkelroten, konischen bis rundlichen Früchten. Zu den sehr spät reifenden Sorten gehört die gesunde starkwüchsige 'Florence', die leuchtend rote spitzkegelige Früchte ausbildet. Und die derzeit späteste Sorte ist 'Malwina', die mit großen aber trotzdem sehr aromatischen, leuchtendroten Früchten und einem gleichmäßig dunkel gefärbten Fruchtfleisch punktet. Aus amerikanischer Züchtung ist seit kurzem 'Honeoye' auf dem Markt, eine sehr frühe Sorte mit recht großen stumpfkegeligen Früchten.
Bei allen vorgestellten Sorten mit gutem Aroma sind die Früchte eher dunkelrot. Was man gemeinhin als Erdbeerrot bezeichnet, ist ja eher ein helles Rot, und das scheint kein Merkmal für besonders aromatische Früchte zu sein. Ein weiterer Aspekt, der offen- sichtlich mit gutem Aroma einhergeht, ist das gut durchgefärbte rote Fruchtfleisch, das bei allen Sorten zu beobachten ist.
Neben den einmaltragenden Erdbeeren, bei denen man zur Reifezeit eine „richtige“ Ernte einfahren kann, sind immertragende Sorten beliebt. Sie eignen sich aber eher als Naschfrüchte, von denen man dafür von Juni bis zum Frost etwas hat. Zu dieser Gruppe gehören zum Beispiel 'Hummi Meraldo', 'Ostara' oder die historische, wieder entdeckte Sorte 'Mara de Bois'. Auch die kleinfrüchtigen Auslesen der Wald-Erdbeere (Fragaria vesca) fruchten über mehrere Monate, und diese gibt es nicht nur mit roten, sondern auch mit ungewöhnlichen weißen Früchten. Empfehlenswerte Sorten sind 'Schwarze Hubertus', 'Golden Alexandria' (mit grüngelbem Laub, durch Samen vermehrbar), 'Waldfee' oder 'Florika', auch als Erdbeerwiese im Handel.

image272«  Erdbeeren werden bei den Produzenten heute meist durch In Vito vermehrt. Auf diese Weise wird virenfreies Material garantiert

Gute Pflege

Erdbeeren wachsen am liebsten auf humosen, lockeren und gleichmäßig feuchten Böden. Bei Trockenheit sollte ausreichend gewässert werden, sonst leidet die Qualität der Früchte. Schwere Böden können mit Sand verbessert werden. Gedüngt wird direkt nach der Ernte, am besten mit organischem Beerendünger. Verwendeter Kompost muss gut abgelagert sein. Im Frühling wird nicht gedüngt. Am besten schneidet man nach der Ernte die Blätter ab und wartet mit der Düngung, bis sich frisches Laub gebildet hat. Sobald die Pflanzen blühen, ist es sinnvoll, rundum mit Stroh oder trockenem Rasenschnitt zu mulchen, damit die Früchte „im Trockenen“ liegen. Das hilft gegen Fäulnis und Schnecken.
Die beste Pflanzzeit ist nach der Ernte bis September. Beim Einpflanzen darauf achten, dass das Herz der Pflanze über der Erde liegt, der Abstand zwischen den einzelnen Pflanzen sollte 20 bis 30 cm betragen, der Reihenabstand mindestens 50 cm. Nach 3 bis 4 Jahren werden die Pflanzen ersetzt, entweder durch neu gekaufte Pflanzen oder eben durch abgetrennte Ausläufer der vorhandenen.

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Die aromatischen Walderdbeeren können auch unter lichten Gehölzen gepflanzt werden

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Es gibt auch weißfrüchtige Erdbeeren, hier 'Weiße Fee'. Sie sind milder im Geschmack

 

Katharina Adams

Quelle:
Dieser Artikel ist in den Verbandszeitschriften „Unser Garten“, „Der Hessische Obst- und Gartenbau“ und „Ratgeber für den Gartenliebhaber“ (August/2017) erschienen. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Unser Garten Verlag GmbH, Kulturzentrum Bettinger Mühle, Hüttersdorfer Straße 29, 66389 Schmelz, Telefon 06887 / 90 32 99 9, Telefax 06887 / 90 32 99 8,
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