Herbst

Beerensortiment mit Pfiff

Schwarze Johannisbeere: Bona setzt Massstäbe!

« Schwarze Johannisbeere: Bona setzt Massstäbe!

"Die Wahl der richtigen Obstsorte ist für viele Haus- und Kleingärtner nicht immer einfach. Auch bei liebgewonnenen Sorten können sich Enttäuschungen einstellen."

"Sortenwahl: Basis für erfolgreiches Gärtnern!"

"Falsche, im Extremfall „No-Na- me“-Sorten insbesondere von branchenfremden Anbietern, führen zu Misserfolg und weniger Interesse am Obstanbau" "– „Frust statt Lust“. Und das ist bei Dauerkulturen wie Obst besonders gravierend.  Andererseits kamen  in den letzten Jahren zahlreiche robuste Varietäten in den Handel, die erfolg- reich im Garten angebaut werden können – „Lust  statt Frust“. Beispiele  dafür sind Mehltaufeste Stachel- und Johannisbeeren, Herbsthimbeeren (ein- jährige  Kultur) contra Rutenkrankheit in Sommerhimbeeren oder Pilzfeste Tafeltrauben. Neben den bewährten Sorten werden diese Neuheiten  heute  verstärkt   empfohlen.   Die Empfehlungen   beruhen  auf mehrjährige  Erfahrungen  an der Bayerischen Landesanstalt für  Weinbau  und Gartenbau (LWG) Veitshöchheim.  Ein typisches Beispiel: Johannisbeere 'Heros'  war jedes  Jahr mit Stachelbeermehltau  befallen. Der Strauch kränkelte, war weit weniger wüchsig  und hat in" "12   Jahren keine gesunden" "Früchte  gebracht. Unmittelbar daneben standen verschiedene Sorten, die nicht mit Stachel- beermehltau befallen waren und sich wüchsig,  robust und vor allem mit einwandfreien Beeren zeigten. Gesunde Früchte kann  man eben nur von gesunden Gehölzen ernten." "Der Appell zur Sortenwahl kann daher nur lauten: Bevor Sie jedes Jahr „Schiffbruch“ mit kranken Sorten erleiden und viel Geld für Pflanzenschutzmittel ausgeben,  wählen Sie lieber robuste Sorten, die Ihnen Erfolg bescheren! Auch wenn Neuheiten  meist mehr kosten (u. a. durch Sortenschutzgebühr) als ältere Sorten, so sind" "dies über 15 bis 20 Jahre gesehen" "lediglich „peanuts“."

"Zudem beeinflussen kulturtechnische Maßnahmen wie fachgerechter, jährlicher Schnitt, Standortwahl,  angemessene Düngung und Bewässerung sowie rechtzeitiger Pflanzenschutz  die Fruchtqualität.  Damit sind nicht nur" "äußere Merkmale wie Fruchtgröße" "und Ertragshöhe gemeint, sondern auch innere Qualitätsparameter wie Gehalt  an Zucker, Säuren, Vitaminen,  Mineralstoffen und diversen „ sekundären Pflanzeninhaltsstoffen“." "„Robuste“ Sorten müssen aber auch qualitativ, insbesondere geschmacklich,  überzeugen, damit sie ihre Berechtigung behalten, falls Resistenzen durchbrochen werden."

"Die hier aufgeführten Sortenempfehlungen basieren auf jahrelanger Prüfung und Beobachtung an der LWG Veitshöchheim, sowie Verkostungen und Geschmackstests.  Die empfohlenen  Sorten besitzen  ein hohes Qualitätsniveau und wurden aus einem sehr umfangreichen Sortiment ausgewählt."

 

stachelbeereStachelbeere Invicta als
eintriebige Spindel »

Rote Johannisbeeren

'Jonkher van Tets': Ende Juni/ Anfang Juli; bewährte Frühsorte. Gut für Mischungen mit Erd- und Himbeeren. Je nach Reifegrad mehr Säure. Kürzere Fruchtstiele und Trauben. Durch frühe Blüte mehr gefährdet für Frost, d. h. Verrieseln der Traube. Intensiver Schnitt (Auslichten!) fördert die Fruchtqualität, die am jungen Holz stets besser ist.

  • 'Rolan' und 'Rotet': beide Mitte Juli; robust (bezüglich Mehltau, Blattfallkrankheit). Gute Erträge und Fruchtqualitäten, lange Trauben, lange Stiele: daher gut zu pflücken.

  • 'Rovada': Ende Juli bis Anfang August; ebenso robust, sehr lange Traube, große Einzelbeeren, platzfest; lange Fruchtstiele. Konnte mehrfach bis Anfang September bei dann geringerem Säuregehalt am Strauch verbleiben, sodass die vitaminreiche Naschsaison verlängert werden kann.

Schwarze Johannisbeeren

  • 'Titania': Mitte Juli; wüchsig, ertragreich, robust! Günstige Inhaltsstoffe (Säure, Farbstoffe), bestens für Verarbeitung. Dies gilt auch für

  • 'Ometa‘: Mitte Juli; etwas süßere Frucht als ‚Titania‘.

  • 'Bona': Ende Juni; robust; sehr große, mild schmeckende Beeren in Super-Qualität – sowohl als Tafelfrucht als auch für die Verarbeitung. Ähnlich süßliche Sorten sind: 'Big Ben', 'Supernova', 'Kier Royal'.

  • 'Big Ben' war der Shootingstar 2015 unter den schwarzen Johannisbeeren: Reife früh (vor/mit 'J.v.Tets'), die größte Frucht aller Sorten, mild-süß. Beeren sind einzeln zu pflücken.

Da Jostabeeren im Garten vielfach Probleme bereitet (starker Wuchs, dann zu viel Schnitt, weniger Ertrag), können diese milden Johannisbeersorten eine Alternative zu Josta sein.

Stachelbeere

Die Resistenz gegen den Amerikanischen Stachelbeermehltau ist durchbrochen. Dennoch sind Sortenunterschiede vorhanden. Auf hoch anfällige ältere Varietäten wie 'RoteTriumph' bzw. 'Weiße Triumph', 'Grüne Kugel' bzw. 'Rote Kugel', 'Achilles'… unbedingt verzichten und „mehltaufeste Sorten“ wählen.

  • 'Invicta': Anfang bis Mitte Juli; gelbgrün, groß, ertragreich; bessere Fruchtqualität als 'Hinnomäki'

  • 'Remarka': Anfang bis Mitte Juli; groß, mittlere Erträge, weinrot, etwas milder. Alternativ auch 'Rokula'.

  • 'Redeva': Ende Juli; sehr ertragreich, daher etwas kleinere bis mittelgroße Frucht, vollreif dunkelrot. Bei uns von allen Sorten am wenigsten Mehltau.

rovadaRovada kann bis Mitte/Ende August am Strauch verbleiben »

Neu: Fast stachellose, rotfruchtige, relativ mehltaufeste Sorten wie 'Captivator', 'Spinefree'. Leider nur mittelgroße Früchte mit schwächerem Aroma. Die qualitativ bessere 'Pax' ist stark anfällig für Mehltau und somit nicht empfehlenswert.

Hinweis: der Mehltaubefall hängt stark vom Befallsdruck in den einzelnen Gärten ab. Auch an heißen, trockenen Plätzen tritt dieser Pilzbefall stärker auf. Befallene Triebe stets und rechtzeitig wegschneiden; ggf. Schwefel zum Austrieb bis zur Blüte spritzen. Anschließend helfen auch Stärkungsmittel und Mittel mit dem Wirkstoff Kaliumhydrogencarbonat.

Kulturheidelbeere

Es sind viele geschmacklich gute Sorten vorhanden ('Duke', 'Patriot', 'Reka', 'Elizabeth',…). Entscheidend: saurer Boden. In kalkhaltigen Regionen am besten in große Kübel in Rhododendronerde pflanzen; sauer düngen (z.B. Rhododendron- oder Zitrusdünger); mit Regenwasser gießen! Für besseren Ertrag zwei Sorten pflanzen.

kulturheidelbeere« Kulturheidelbeeren benötigen sauren Boden

Himbeere

Die Probleme mit Ratenkrankheiten haben sich verstärkt: hierbei sterben bei den Sommersorten die fruchtenden Ruten noch vor der Ernte ab. Daher anstelle der anfälligen Sommersorten auf herbsttragende Sorten mit einjähriger Kultur ausweichen. Sie sind robust, makelfrei, ertragreich (ab Mitte August bis Mitte/Ende Oktober), haben mittelgroße Früchte mit ansprechendem Geschmack. Den Bestand im Februar (vor dem Austrieb) komplett bodennah abschneiden (= einjährige Kultur) und nicht zu viele Neuruten belassen.

Herbsttragende Sorten

(ab Mitte August bis Mitte/Ende Oktober reifend):
  • 'Autumn Bliss': Bewährte Hauptsorte.

  • 'Polka', 'Himbo-Top' schmecken aromatischer, sind auch etwas größer. Sie widerlegen das Vorurteil, dass „Herbsthimbeeren“ nicht schmecken.

Neue Ergänzungssorte: 'Aromaqueen': geschmacklich gut, jedoch weicher. Daher öfter durchpflügen.

 

kiwibeerenDie stachelbeergroßen, glattschaligen Kiwibeeren (hier Fresh Jumbo) gewinnen an Beliebtheit »

Sommertragende Sorten:

Unabdingbar sind lichte Bestände (abgetragene und überzählige Ruten gleich nach der Ernte, sowie stets befallene Ruten entfernen) und bei Neuanlage auf Wechselflächen achten. Nicht auf schwere, verdichtete Böden pflanzen, ggf. Dammpflanzung.

  • 'Elida': Ab Ende Juni; gute Qualität, kürzere Ruten, kaum „Stacheln“

  • 'Meeker': Ende Juni/ Anfang Juli; mittelgroß, fest, wüchsig (lange Ruten)

  • 'Schönemann': Anfang-Mitte Juli; positive Qualität und Ertrag, wenn keine Probleme mit Wurzelkrankheiten am Standort auftreten.

  • 'Glen Ample': Anfang-Mitte Juli; die mittelgroßen, rundlichen, geschmackvollen Früchte sind mittelfest: daher 2 x je Woche beernten.

  • 'Tula Magic': etwas robuster als die Muttersorte

  • 'Tulameen': Ebenfalls gut im Geschmack. Remontiert stark, d.h. sie trägt auch im Spätherbst an den Spitzen der neu gebildeten Ruten: doppelter Erntesegen. 'Tulameen', die im Geschmack meist jährlich am besten abschneidet, ist als sensible Sorte für Haus- und Kleingarten abzulehnen. Wenige, dafür starke Ruten, sind anfälliger für Wachstums- und Frostrisse mit sekundärem Befall an Schaderregern. Eine gewisse Schadensminderung kann durch das sog. „Rutenmanagement“ erfolgen: Rückschnitt zu starker Neutriebe (bei etwa 30 bis 40 cm Wuchshöhe) auf 2 Augen: die daraus resultierenden 2 Neutriebe wachsen schwächer.

herbsthimbeeren 01« Drahtgeflecht sorgt auf einfache Weise bei Herbsthimbeeren für Stabilität

Erdbeere

  • Erdbeerwiese Eobust und pflegeleicht: ausläuferbildender, langlebiger Bodendecker.
    Mit 'Florika': zwar kleine, dafür aromatische Früchte.

  • „Konventionelle“ Sorten: maximal 2-jähriger Bestand; Wechselflächen (neue Beete) wählen! Ausläufer rechtzeitig entfernen, Stroh schon zur Blüte unterlegen.

  • Früh/mittelfrüh: 'Clery', 'Daroyal', 'Darselect', ' Honeoye', 'Kent', 'Korona'

  • Mittelspät/spät: 'Polka', 'Sonata', 'Salsa', 'Symphony', 'Florence'

  • Aromatische Liebhabersorte, jedoch weich: 'Mieze Schindler'

  • Mehrmalstragend: 'Everest', 'Seascape', 'Mara des Bois', 'Ostara'.

Werden wie „einmal tragende“ Sorten angebaut, nur sollten die ersten Blüten der mehrmals tragenden Sorten ausgebrochen werden, damit sie eine qualitativ gute Ernte im Juli/August bringen.

herbsthimbeeren 02Polka – eine der 3 besten Herbsthimbeersorten »

Brombeere

Auf geschmacklich mäßige, dornenlose Sorten wie 'Thornless Hull', 'Thornless Evergreen', 'Thornfree', 'Black Satin', 'Jumbo' unbedingt verzichten! Sie haben das Image der Brombeeren geschädigt („dornenlose Sorten schmecken nicht!“). Da gibt es Besseres!

  • 'Loch Ness': Als bislang geschmacklich gute dornenlose Sorte etabliert. „Konventionelle“ Sorte mit längeren Ruten (über 3 m); Reife ab Anfang/Mitte Juli. Noch früher (und daher wegen möglicherweise geringerer Befallsgefahr mit Kirschessigfliege), ab Ende Juni, reift

  • 'Loch Tay': da sie schwächere Ranken ausbildet, sollten nur 3 Tragruten belassen werden. An überzähligen bzw. zu schwachen Trieben leidet die Fruchtgröße.

  • Neu: Kompakte, aufrecht wachsende Sorten mit ca. 2,5 m langen Ruten. Diese als Fächer-Erziehung bei engen Pflanzabständen von 1,25 bis 1,50 m platzsparend möglich.

  • 'Navaho': Reife ab Ende Juli, dornenlos; Frucht groß, süß-säuerlich mit gutem Geschmack. Winterfeste Sorte mit Zierwert: große, leicht roséfarbene Blüte.

  • 'Asterina': Neuheit mit sehr großen, süßen Beeren („Zuckerbrombeere“), ab Mitte/Ende Juli bis Anfang September – der Shootingstar der letzten Jahre.

Hinweis: Aromatisch sind nur voll ausgereifte Früchte! Sie müssen sich beim Pflücken ablösen lassen ohne zu reißen.

Mini-Kiwi (Actinidia arguta) = Kiwibeere

Robuste, äußerst winterfrostharte Kletterpflanze, glattschalig, Verzehr mit Schale! Zweihäusig (männliche und weibliche Pflanzen). Da Kiwibeeren nachreifen, können sie bereits knapp reif gepflückt werden, was einem möglichen Befall durch Kirschessigfliegenlarven entgegenwirken kann.

  • 'Weiki' (=„Bayernkiwi“) oder 'Maki', beide gegen Mitte Oktober; stachelbeergroße, rundliche Frucht, süß-aromatisch, meist mit rötlichbraunem Blush auf der Schale.

  • 'Ambrosia': Anfang Oktober; mittelgroß, länglich, grasgrüne Schale.

  • 'Isaai': Vorteil: kompakter Wuchs, früher Ertragsbeginn, selbstfruchtbar! Somit ertragreich, jedoch kleine Früchte, die bei Überbehang im Geschmack nachlassen. Benötigt wegen später Reifezeit gut ausreifende, warme Plätze. Vielversprechende, über viele Jahre selektierte neue Sorten wie 'Red Jumbo', 'Fresh Jumbo', 'Super Jumbo' sind seit 2014 im Handel. Bei 'Fresh Jumbo' sorgte die Muttersorte „Honigbeere“ für Süße, guten Geschmack und hohen Ertrag, u. a. auch durch eine frostfeste Blüte.

Pilztolerante Tafeltrauben (Hausreben)

Wegen Echten und z. T. Falschen Mehltau wenig(er) anfällig. Sonniger Standort, mehrfache Laubarbeiten und Ausdünnen überzähliger Jungtrauben Ende Juni/ Anfang Juli (spätestens bei Erbsengroße) sind unabdingbar!

Weiße Sorten mit gutem Geschmack:

  • 'Birstaler Muskat' (Anfang/Mitte September) ertragreich, süß mit Muskatgeschmack, jedoch störende Kerne.

  • 'Garant': fast ähnlich gut im Geschmack mit dem Vorteil weniger dominanter Kerne!

  • 'Frumoasa Alba': Mitte/Ende September; große Traube; feinfruchtig mit Muskatnote, große Beeren lassen die Kerne weniger spüren. In regenreichen Sommern kann Falscher Mehltau auftreten.

Blaue Sorten:

  • 'Muskat bleu': fein-aromatisch, sehr robust und winterfest, Reife Anfang/Mitte September bis Anfang Oktober. Ertragreiche Sorte mit Spitzengeschmack, jedoch störender Kerne.

  • 'Ontario': Traube und Beeren groß, kernarm, festfleischig mit fruchtig-süßem Geschmack und guter Robustheit. Reifezeit: Mitte/ Ende September bis Mitte Oktober. Schöne Rotfärbung des Herbstlaubes bringt zusätzlichen Zierwert in den Garten!

venus« Kernlose 'Venus' ist auch als 'Sweetie' im Handel

Bei den kernlosen Sorten gilt es gewisse Abstriche (Beerengröße, Robustheit) zu machen: 'New York' (= 'Lakemont‘) grüngelb, süß-fruchtig, sehr kleine Beeren. Nicht so pilzfest wie vielfach dargestellt. Traube neigt zum Verreisen. 'Venus' (blau) und 'Vanessa' (rosé): Ende August bis Mitte September; süß-fruchtig, z. T. mit kräftigem Erdbeerton. Die robuste 'Venus' zeigt ein kürzeres Erntefenster: wird bei Überreife weich und blumig-süß.

Hubert Siedler

 

 

Zusammenstellung: Maike Wilstermann-Hildebrand

Quelle:
Dieser Artikel ist in den Verbandszeitschriften „Unser Garten“, „Der Hessische Obst- und Gartenbau“ und „Ratgeber für den Gartenliebhaber“ (04/2016) erschienen. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Unser Garten Verlag GmbH, Kulturzentrum Bettinger Mühle, Hüttersdorfer Straße 29, 66389 Schmelz, Telefon 06887 / 90 32 99 9, Telefax 06887 / 90 32 99 8,
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VGiD Verband der Gartenbauvereine in Deutschland e.V.

Dachorganisation der Obst- und Gartenbauvereine in Deutschland. Der Verband der Gartenbauvereine in Deutschland setzt sich für die Erhaltung der Gartenkultur und die Pflege der Kulturlandschaft ein. Er ist ein wichtiger Fürsprecher des Freizeitgartenbaus und Partner der Freizeitgärtner.

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