Herbst

Birnen im Haus- und Kleingarten

'Bosc Flaschenbirne' als Spalier an einer Südwand: Birnen mögen es warm

'Bosc Flaschenbirne' als Spalier an einer Südwand: Birnen mögen es warm.

Birnen sind seit jeher im Garten vertreten, gelten sie doch als „deliziöse“ Frucht! Im Anbau dieser besonderen, wärmeliebenden Frucht sind gewisse Spielregeln einzuhalten. Auch in der Sortenwahl hat sich einiges getan.

Standort

Als wärmeliebende Kultur stellt sie höhere Ansprüche als der Apfel. Und je edler und je später reifend die Sorte, desto sorgfältiger die Wahl: Es kommen nur gute, voll ausreifende Lagen in Betracht. So gedeihen frühe und mittlere Sorten an vielen Standorten; späte, mit Pflückreife im Oktober, nur an geschützten, voll sonnigen Stellen, besonders im Weinbauklima. Mostbirnen und ältere Sorten hingegen auch noch im Bergland, vorzugsweise an geschützten Standorten. Frostgefährdete Lagen, Talsenken, moorige/staunasse Böden scheiden aus! In kühlen Gegenden bildet sich meist weniger Zucker und Aroma aus, aber auch mehr Steinzellen (= harte, griesige„Körnchen“) in den Früchten. In strengen Wintern (Klimawandel!), besonders bei späten Frösten nach vorherigen Wärmephasen beispeilsweise im März, können Schäden im Holz, wie Frostrisse an Stämmen, und in den geschlossenen Knospen auftreten.


An den weniger günstigen Standorten können Spaliere an Südwänden oder vor Mauern, welche Wärme speichern und volle Sonne erhalten, die raueren Bedingungen von Höhenlagen ausgleichen. So sind Birnenspaliere im Alpen(vor)land und in Mittelgebirgen/Bergländern vielfach anzutreffen.

In Grenzlagen unbedingt mittlere bis starke Unterlagen wählen, da sie robuster, frostfester als die schwächer wachsenden Quittenunterlagen sind (mittelstark: OHF-Unterlagen, stark: Sämlinge, für Halb- und Hochstämme, Busch, Spalier). Geringere Standortansprüche stellen viele Lokalsorten und Mostbirnen. Von den Tafelsorten gelten 'Gellerts Butterbirne', 'Gute Graue' und 'Herzogin Elsa' als weniger anspruchsvoll. Desweiteren für gut ausreifende Standorte auch 'Madame Verté', 'Pastorenbirne', 'Gräfin von Paris' oder neuere Sorten wie 'Harrow Sweet', 'Uta', 'Highland', 'Novemberbirne' und 'Condo'.

Birnen12 Jahre alter 'AlexanderLucas' Birnbaum: Durch Spindelerziehung auf schwacher Unterlage wie Quitte A bleibt der Baum recht klein.

Boden

Birnen wünschen durchlässige Böden ohne Staunässe, möglichst humos und nährstoffreich. Der pH-Wert sollte im neutralen bis leicht sauren Bereich liegen. Auf kalkreichen Böden bei pH-Werten über 7 können Eisenchlorosen entstehen, insbesondere bei Bäumen auf Quittenunterlagen. Auch schwere, vernässte Böden können zu Chlorosen führen.

Bäume auf schwächeren Unterlagen wie Quitte C, A, Adams, BA29 etc. benötigen in Trockenphasen, insbesondere auf leichten Böden, 1 bis 2 Mal wöchentlich gut 20 Liter Wasser („durchdringende“ Wassergabe).


Bewuchsfreie Baumscheiben halten Feuchtigkeit und Bodengare. Im Frühjahr sollte die Baumschaube
mit Mulch bedeckt werden. Im Herbst sollte die Mulchschicht wieder beiseite geräument werden,
um Mäuse nicht zusätzlichen anzulocken oder ihnen Schutz zu bieten.

Düngung

Gartenböden sind mit Phosphor meist ausreichend oder gar über versorgt. So können reine  Stickstoffdünger zum Einsatz kommen. Mit Hornmehl und Hornspänen kann organisch gedüngt werden. Mineralisch kann mit Düngern wie Schwefelsaures Ammoniak oder Kalkammonsalpeter gearbeitet werden. Alternativ kann Phosphorarmer jedoch Kali-betonter Volldünger verwendet  werden. Pro Baum reichen meist 60 bis 70 Gramm derartiger Dünger ab Ende März/Anfang April aus (am besten auf der Baumscheibe). Wird Kompost oder Stallmist verabreicht, sind die Zusatzdünger deutlich oder ganz einzuschränken. Stickstoffhaltige Dünger sollten ab August nicht mehr verabreicht werden. Sie verzögern den Triebabschluss / Holzausreife, was die Winterfrostgefahr erhöht.

Spaliere sind beliebt

Spalierarten und -gerüste gibt es in vielen Formen. Ein Abstand von ca. 15 bis 25 cm zur Wand ist sinnvoll, um eine gute Durchlüftung zu erreichen. Freistehende Spaliere sind in sehr warmen Gegenden anzuraten um dem Hitzestau an Mauern zu entgehen. Spaliere lassen sich auf relativ einfache Weise auch durch kurzzeitige Vliesauflage gegen Blütenfroste oder durch Netze gegen Vogel- und Wespenfraß schützen. Einfacher zu erstellen sind freie Spaliere. 3 bis 3,5 m lange Pfosten in 4 bis 5 m Abstand, 70 bis 80 cm tief einschlagen, daran 4 Drähte spannen (von 50 bis 200 cm Höhe) und die Birnbäume (Spindel bzw. Äste an den Drähten befestigen.

Bewährte Sorten für den Garten (mehr erfahren)

Frei stehende Spaliere können auch als Sichtschutz oder Abgrenzung im Garten dienen. Wandspaliere sind Gestaltungselemente mit besonderem Charakter: Kunstformen mit sehr langer Tradition.

Unterlagen für Birnen

Schwache Unterlagen wie Quitte A, C, Adams, BA 29 eignen sich für Spindelerziehung, aber auch für (kleinere) Spaliere mit begrenzter Lebensdauer von 20 bis 30 Jahren. Mittelstarke Unterlagen wie Pyrodwarf oder OHF 333 können sowohl für Spindelerziehung als auch für Meter- und Halbstamm mit Rundkronenerziehung (3 bis 4 Leitäste) verwendet werden, sowie für Spaliere mit längerer Lebensdauer (30 bis 40 Jahre). Die für Kleingärten abzulehnenden Sämlinge wachsen (sehr) stark, kommen spät in Ertrag und bedürfen eines höheren Schnittaufwandes. Sie finden Verwendung als Halb- und Hochstamm mit Rundkronenerziehung, aber auch großflächige Spaliere an Hauswänden. Bei guter Pflege können Bäume auf Sämlingsunterlage ein Alter von 70 bis 100 Jahren erreichen und mehr! Schwache und mittelstarke Unterlagen, mit Spindelerziehung fruchten ab dem 2. Standjahr und eher regelmäßig. Stärkere Unterlagen als Rundkrone tragen später, meist erst ab dem 5. bis 7. Standjahr und auch erher unregelmäßig.

  • Birne_Vereinsdechant

    Vereinsdechant

  • Birne_Hortensia

    Hortensia' bringt Farbe ins Sortiment

  • Birne_Condo

    Condo

  • Birne_Harrow_Sweet

    Harrow Sweet

  • Birne_Novemberbirne

    Novemberbirne

  • Birne_Uta

    Uta

    ...

Sorten

Bei der Wahl müssen neben Reifezeit, Fruchteigenschaften und Robustheit auch die Befruchtungseignung berücksichtigt werden. Dies sollte in Kleingartenanlagen mit vielfach verschiedenen Sorten kein Problem sein. Gute Befruchtersorten sind 'Williams Christ', 'Vereinsdechant', 'Conference', 'Bosc Flaschenbirne', 'Clapps Liebling' und 'Gellerts Butterbirne'. Im Prinzip stimmen die Blütenzeiten meist ausreichend überein, nur 'Alexander Lucas' und 'Verdi' blühen etwas früher. 'Alexander Lucas' und 'Gute Graue' sind triploid, sie können andere Sorten nicht befruchten. Eine Besonderheit bei Birnen ist die Parthenocarpie einiger Sorten wie 'Conference': Hier können sich (samenlose) Früchte ohne Befruchtung ausbilden.

Pflückreife

Frühe und mittlere Sorten werden in der Regel schnell teigig und mehlig. Sie sollten eher knapp reif gepflückt werden, wenn die Grundfarbe der Schale von grün nach gelbgrün umfärbt. Voll ausgereifte Früchte (voll gelb) sind nur für Sofortverzehr geeignet und auch nur kurz lagerfähig.

Hinweis

Gegen Birnengitterrost sind keine resistenten Sorten vorhanden (und auch nicht in Sicht). Der Befallsgrad hängt vom Vorhandensein und dem Abstand zu den Zwischenwirten ab. Zwischenwirte sind diverse halbhohe Wacholderarten. In Haus- und Kleingärten ist daher mit starkem Befall zu rechnen. In Streuobstanlagen, die entfernt von Siedlungen liegen, tritt Birnengitterrost oft weniger stark auf. Das führt dann vielfach zu der fehlerhaften Einschätzung, dass die älteren Streuobstsorten nicht befallen würden. Entgegen dieser Aussagen können ältere Sorten gleichermaßen wie Neuzüchtungen geschädigt werden. Das konnte in einem Streuobstbestand der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau Veitshöchheim ebenso wie durch eigene Erfahrungen des Verfassers aufgezeigt werden. Bei einem trockenen Frühjahr wie 2010 oder 2011 tritt Gitterrost in  geringerem Maße auf; in Jahren mit hohen Niederschlägen ab Mitte April und Mai – so wie 2013 – jedoch verstärkt.

Hubert Siegler

Zusammenstellung: Dr. Helga Buchter-Weisbrodt

Quelle:
Dieser Artikel ist in den Verbandszeitschriften „Unser Garten“, „Der Hessische Obst- und Gartenbau“ und „Ratgeber für den Gartenliebhaber“ (11/2015) erschienen. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Unser Garten Verlag GmbH, Kulturzentrum Bettinger Mühle, Hüttersdorfer Straße 29, 66389 Schmelz, Telefon 06887 / 90 32 99 9, Telefax 06887 / 90 32 99 8,
www.unsergarten-verlag.de

VGiD Verband der Gartenbauvereine in Deutschland e.V.

Dachorganisation der Obst- und Gartenbauvereine in Deutschland. Der Verband der Gartenbauvereine in Deutschland setzt sich für die Erhaltung der Gartenkultur und die Pflege der Kulturlandschaft ein. Er ist ein wichtiger Fürsprecher des Freizeitgartenbaus und Partner der Freizeitgärtner.

Kontakt

Kulturzentrum Bettinger Mühle
Hüttersdorfer Straße 29
66839 Schmelz

06887/90 32 99 9
sal-rlp@gartenbauvereine.de