Sommer

Süßkirschen: köstliche Früchte

Duft und Würze konservieren

« Fest, glänzend, guter Geschmack und selbstfruchtbar: 'Grace Star', hier 1 Woche vor der Vollreife

Kirschen wünschen einen sonnigen Standort, humose, durchlässige, jedoch nicht zu schwere und keine staunassen Böden.

 

 

Schwachwüchsige Unterlagen: ein Muss

Acr12472040750080 2647210« Klein gehaltene Kirschbäume auf schwachen Unterlagen mit Spindelerziehung tragen schon früh

Inzwischen Standard geworden sind Bäume, die einen schwachen Wuchs ausbilden, z. B. auf Veredlungsunterlagen der GiSelAklone 5 und 3, sowie der nur vereinzelt erhältlichen Weiroot 720. Durch Spindelerziehung werden die als Busch angezogenen Bäume zudem im Wuchs gebremst: flach gestellte, nicht eingekürzte Seitentriebe beruhigen das Triebwachstum. Nach 6 bis 7 Jahren können die Spindelbäume durch Ableiten der zu hohen Mittelachse und zu breiter Kronen auf je etwa 2,5 m reduziert werden. Ein Schnitt zur/nach der Ernte bremst den Neuaustrieb und fördert die Heilung größerer Schnittwunden. Ein derart klein gehaltener Spindelbaum oder eine als Fächerspalier erzogene Kirsche erleichtert Schnitt, Pflege, Ernte und Einnetzung gegen Schädlinge.

Acr124720407500801461516

'Summit' mit sehr großen und geschmackvollen Kirschen

Acr12472040750080120998

‘Kordia‘ eine dunkle, aromatische Herzkirsche

Säulenkirschen bevorzugen?

Acr12472040750080 1546418Auf kurze Zapfen geschnittene Seitentriebe von Säulenkirschen »

Anders als bei den sehr kurzen Seitentrieben (= Fruchtspieße) ausbildenden und niedrig wachsenden Säulenäpfel handelt es sich bei den sogenannten „Säulenkirschen“ um spezielle kompakt wachsende Erwerbssorten, die lediglich ohne Seitentriebe angezogen werden.
Da sie „normalerweise“ längere Seitentriebe bilden, müssten diese Sorten, meist aus dem kanadischen Zuchtprogramm wie 'Celeste', 'Samba', 'Skeena' (fälschlicherweise als Säulenkirschen 'Claudia', 'Sara', 'Helena' im Handel), sowie ‘Sylvia‘ regelmäßig und mehrfach auf kurze Stummel zurückgeschnitten bzw. pinziert werden.
Durch Nichtanschnitt des Mitteltriebes können sie sehr hoch werden, weil die Seitentriebe als Wuchsbremse fehlen. Erfahrungen zeigen, dass die Spindelerziehung der Lieblingssorte auf schwacher Unterlage besser geeignet ist, einen gut fruchtenden, kleinen Baum im Garten zu halten.

Acr124720407500801182320

Auf kurze Zapfen geschnittene Seitentriebe von Säulenkirschen

Acr12472040750080474812

Große, festfleischige, glänzende und geschmackvolle 'Samba'-Kirschen

Befruchtungshinweise

Kirschen sind zweifelsohne ein wichtiges Nährgehölz für Wild und Honigbienen, Hummeln und andere Insekten. Im Gegensatz zu den meisten Sauerkirschen sind Süßkirschen weitgehend selbstunfruchtbar. Ihre Blüten benötigen den Pollen einer anderen Sorte, die nicht nur in der Blütezeit übereinstimmen, sondern auch in ihrer Genetik passen muss. Als Bestäuber kommen andere Kirschsorten aus Nachbargrundstücken, das Einveredeln einer Befruchtersorte in einen Kirschbaum ebenso in Frage wie das Pflanzen einer 2.Kirschensorte im eigenen Garten, die durch Schnitt kompakt gehalten wird. Als „weit und breit“ einziger Kirschbaum müsste die Wahl auf eine der inzwischen erhältlichen selbstfruchtbaren Sorten wie 'Celeste', 'Stella', 'Sweet heart', 'Lapins', 'Sunburst', 'Early Star', 'Grace Star' etc. fallen. Sie weisen jedoch auch Nachteile auf.

Sorten für den Haus- und Kleingarten

Hier spielt der Befall madiger Früchte, ausgelöst durch die Eiablage der Kirschfruchtfliege, eine zentrale Rolle. Frühsorten bis zur Kirschenwoche 3 bis 4 (je nach Region von Anfang bis Mitte Juni oder auch von Mitte bis Ende Juni) bleiben meist madenfrei. In 20 Jahren gab es in der Lehranstalt Veitshöchheim einen einzigen Befall an Frühsorten. In dieser Zeit ist jedoch der Schaden durch Vogelfraß äußerst hoch. Frühsorten müssen mit Vogelschutznetzen abgedeckt werden. Vogelscheuchen diverser Arten bringen kaum Abhilfe.
Empfehlenswert sind Frühsorten wie 'Burlat' (Standard, auch im Erwerbsanbau, mit meist guten Erträgen und Fruchtqualitäten), 'Merchant' (weniger verbreitet, guter Geschmack), 'Souvenir de Charmes'. Die neue 'Bellise' trägt frühzeitig, hoch und regelmäßig, in guter Qualität, kann ggf. bei Überreife Madenbefall aufweisen. In Ostdeutschland sind Pillnitzer Züchtungen wie 'Naprumi' oder 'Nanni' stärker vertreten. Ältere Varietäten wie 'Kassins Frühe', 'Johanna', 'Frühe Rote Mecken heimer' entsprechen nicht mehr dem Zeitgeist. Als selbstfruchtbare Frühsorten eignen sich 'Celeste', 'Sweet Early' und 'Early Star' vor allem für trockene Regionen, da sie bezüglich Platzen sensibel sind. In der mittleren und späten Reifezeit (ab Kirschenwoche 4 bis 5) wären die qualitativ sehr hochwertigen Sorten wie 'Samba', 'Summit', 'Sylvia', 'Kordia' oder 'Regina' erste Wahl. Sie sind zum Teil deutlich besser als die früher üblichen 'Hedelfinger', 'Große Schwarze Knorpel' und die sensible 'Schneiders Späte Knorpel'. Leider fallen sie alle in den Zeitraum, wo ihre geschmackvollen Früchte sehr wahrscheinlich mit einem wurmigen Mitbewohner belegt sind. Von den selbstfruchtbaren Sorten der mittleren und späteren Reifezeit erweist sich 'Grace Star' weniger anfällig für Platzen und Fruchtmonilia als 'Sunburst', 'Lapins' oder 'Skeena'. Durch den oft starken Überbehang leiden Fruchtgröße und qualität von 'Sweetheart'.

Problem: Kirschfrucht und nun auch Kirschessigfliege?

Acr12472040750080 2709122 « Durch Ableiten des Mitteltriebes auf 2,50 m kann der Baum klein und schmal gehalten werden

Bei der Wahl von mittleren und späten Sorten sollten engmaschige Insektenschutznetze zum Einsatz kommen. Bereits zur abgehenden Blüte im Mai können sie im Durchmesser der Baumkrone über dem Boden (ohne bzw. mit kurzem Aufwuchs) ausgelegt werden. Diese relativ einfache Maßnahme hindert die im Boden des Kronenbereiches befindlichen, schlüpfenden Fliegen an dem Einwandern in den Kirschbaum. Allerdings ist ein Zuflug aus Nachbargärten damit nicht abgewehrt. Dieser wird mit dem Einnetzen des gesamten Baumes etwa 3 bis 4 Wochen vor der Reife zum Zeitpunkt des Umfärbens der unreifen Früchte von grün nach gelb erreicht. Bitte beachten Sie, dass das Netz am Stamm zusammengeknotet wird. Diese Abwehrmöglichkeit ist nur bei klein gehaltenen Bäumen oder einem Wandspalier praktikabel. Allerdings schützt das Netz zugleich vor Vögeln und bei engen Maschenweiten von 0,8 mm auch vor Kirschessigfliegen. Die mehrjährige und mehrfache Nutzung (auch gegen Gemüsefliegen) relativiert die Anschaffungskosten.
Beleimte Gelbtafeln zum Abfangen der Kirschfruchtfliege können helfen, wenn in der Nähe keine weiteren Kirschbäume stehen und wenn mehrere Tafeln in der Krone ausgebracht werden. Denn sie üben auch einen Anreiz (Zuflug) aus Nachbargärten aus, was einen zusätzlichen Befall auslösen kann. Außerdem können auch Nützlinge „auf den Leim“ gehen.
Die kleinere Kirschessigfliege tritt meist verstärkt ab Mitte Juli bzw. Anfang August je nach Region auf. Frühe und mittlere Sorten bleiben vielfach verschont, vor allem wenn die Witterung trocken oder sehr heiß ist. Spätkirschen können insbesondere bei Überreife und in nicht abgeernteten Partien mit mehreren, kleinen Maden belegt sein. Es empfiehlt sich, knapp reif und Wirtspflanzen stets komplett zu ernten. Erste Erfahrungen zeigen, dass dieser „Fiesling“ nicht überall die Süßkirschen heimsucht, hingegen verstärkt die später reifenden Sauerkirschen.

 

Hubert Siegler, Bayerische Gartenakademie

Acr12472040750080 1108514

Kleine Kirschbäume erleichtern das Einnetzen mit Schutznetzen, hier gegen Vögel

Tipp

Unter www.lwg.bayern.de finden Sie Hinweise zur Spindelerziehung von Kirschbäumen (Infoschrift Nr. 3159) und zum Umgang dem invasiven Schädling Kirschessigfliege (Infoschrift Nr.3363).

Quelle:
Dieser Artikel ist in den Verbandszeitschriften „Unser Garten“, „Der Hessische Obst- und Gartenbau“ und „Ratgeber für den Gartenliebhaber“ (Juni/2018) erschienen.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Unser Garten Verlag GmbH, Kulturzentrum Bettinger Mühle, Hüttersdorfer Straße 29, 66389 Schmelz, Telefon 06887 / 90 32 99 9, Telefax 06887 / 90 32 99 8,
www.unsergarten-verlag.de

VGiD Verband der Gartenbauvereine in Deutschland e.V.

Dachorganisation der Obst- und Gartenbauvereine in Deutschland. Der Verband der Gartenbauvereine in Deutschland setzt sich für die Erhaltung der Gartenkultur und die Pflege der Kulturlandschaft ein. Er ist ein wichtiger Fürsprecher des Freizeitgartenbaus und Partner der Freizeitgärtner.

Kontakt

Kulturzentrum Bettinger Mühle
Hüttersdorfer Straße 29
66839 Schmelz

06887/90 32 99 9
sal-rlp@gartenbauvereine.de