Herbst

Honig der Erde

Honig der Erde

Honig der Erde: Urgesunde Möhren

« Orangefarbene Karotten gibt es erst seit 300 Jahren. Die seit 3000 Jahren verbreiteten Urmöhren waren weißlich oder violett.

Ein Glück, dass fast jeder Möhren mag. Das appetitlich aussehende, leicht handhabbare, roh und gekocht angenehm schmeckende Gemüse tut Leib und Seele gut. Ausgehend von seinen wertvollen Inhaltsstoffen gehört die Möhre genauso zum „täglichen Brot“ wie Apfel und Walnuss. „Honig der Erde“ heißen die urgesunden Möhren also zu Recht.

Große Vielfalt

So vielfältig wie ihre Namengebung ist das Erscheinungsbild und erst recht die förderliche Wirkung auf unser Wohlbefinden. Je nach Region spricht man von Mohrrübe, Gelber Möhre, Gelber Rübe, Speiserübe, Karotte oder Feldrübe. Bezogen auf die heute bekannten orangefarbenen Sorten sind Möhren ein „junges Gemüse“: Die orangeroten Möhren kamen erst Ende des 17. Jahrhunderts in den Niederlanden auf. Ihre seit dem Altertum verbreiteten Vorfahren waren weiß, hellgelb, intensiv rot oder braunrot bis violett. Die leuchtend orangefarbenen Möhren zählen zu den am meisten verzehrten Gemüsearten in Deutschland. Früher waren aufwendige Gartenmieten oder Sandkisten im Keller nötig, um sich auch den Winter über mit dieser unentbehrlichen Rübe zu versorgen. Heute werden meist nur noch Möhren zum frisch Naschen im Garten gezogen und der Rest zugekauft. Grund ist die recht schwierige Kultur. Sie gelingt nur auf leichtem, tiefgründigen Boden oder mithilfe von aufgeschütteten Erddämmen. Während der gesamten Vegetationszeit muss zudem ein Gemüseschutznetz aufliegen, will man nicht chemischen Pflanzenschutz betreiben. Ernte und Lagerung sind gleichfalls mühsam. Ein Blick auf die Inhaltsstoffe überzeugt jedoch: Ob selbst gezogen oder frisch zugekauft – Möhren gehören täglich auf den Speisezettel.

 

 

Moehren 2 Auf schweren Böden entstehen oft beinige Möhren »

Karotin-Vielfalt

Die lateinische Bezeichnung Daucus carota ist Namensgeber für den wichtigsten Inhaltsstoff der Möhre: die Stoffgruppe der Karotinoide. Hiervon leitet sich auch die Bezeichnung Karotte ab. Diese sekundären Pflanzenstoffe umfassen über 600 Verbindungen. Die bekanntesten zwei sind Beta (= ß)-Karotin und das Lykopin der Tomate. Es handelt sich um gelbe und orangerote Pflanzenfarbstoffe, die auch in zahlreichen Blattgemüsen vorkommen, dort allerdings vom grünen Chlorophyll verdeckt sind. Höchstwerte bietet Grünkohl mit 35 mg/100 g, gefolgt von vollreifem Paprika mit 28 mg; grüner Paprika enthält weniger als 1 mg Karotinoide. Auf Platz 3 der Karotinoid-Hitliste steht Petersilie mit 25 mg, es folgen Spinat mit 17 und Speisekürbis mit 10 mg. Die Möhre lässt sich in diese Rangliste nur schwer einstufen, da die Gehalte je nach Sorte, Reife und Anbaubedingungen enorm schwanken. Die Durchschnittswerte liegenbei 10 mg, die Schwankungsbreite reicht von 5 bis 50 mg bei sehr intensiv gefärbten Selektionen.

Moehren 4 « Mit Urmöhren gekreuzte Sorten enthalten mehr gelbe und zudem besondere rote Farbstoffe

Augen-Vitamin

Der Gesamtgehalt an Karotinoid-Verbindungen sagt noch nichts aus über den Anteil an ß-Karotin. Er ist bei der Möhre mit über 50 % besonders hoch. Aus 60 der 600 bekannten Karotinoide, darunter ß-Karotin, kann der Organismus Vitamin A herstellen. Wer viel Zeit am Fernseher, Computer, Handy verbringt, muss besonders gut auf die Vitamin-AVersorgung achten, da hierbei enorm viel Sehpurpur verbraucht wird. Zu dessen Synthese benötigt der Organismus dieses „Augen-Vitamin“. Es gibt einen nachweislichen Zusammenhang zwischen der aktuellen Sehschärfe der Augen (Tagesform) und dem Vitamin-AGehalt im Blut. A steht aber nicht nur für Auge. Dieses Vitamin spielt auch eine zentrale Rolle für die Gesundheit der Schleimhäute, die Bildung von Knorpel und Knochenzellen, kräftiges Zahnfleisch, gesunde Haut und vitales Haar.

Zellschutzstoff

Karotinoide zählen zu den effektivsten Antioxidanzien. Sie unterbinden das Zerstörungswerk der freien Radikale und schützen so vor diesen hochreaktiven Molekülen, die etwa durch UV-Strahlung entstehen. Freie Radikale schädigen den Zellkern, die Folge sind unkontrollierte Zellteilungen (Tumore). Karotinoide hemmen aber nicht nur Krebs, sie schützen auch vor Grauem Star und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die ebenfalls bei ungehindertem Wirken von freien Radikalen verstärkt auftreten. Sie kurbeln darüber hinaus das Immunsystem an, indem sie die Anzahl der Abwehrzellen im Blut erhöhen und zudem ihre Aggressivität und damit Effizienz verstärken.

Kur für Kinder

Die in den Möhren enthaltenen ätherischen Öle (10 mg/100 g) ergeben nicht nur den typischen Möhrengeschmack, sie wirken auch gegen verschiedene Bakterienkrankheiten wie bakterieller Säuglingsdurchfall (Enteritis). Der hohe Pektingehalt wirkt zusätzlich regulierend bei Verdauungsstörungen von Säuglingen. Pektine binden zudem Giftstoffe. Früher wurden bei Kleinkindern Madenwürmer mit einer zweitägigen Möhrendiät erfolgreich kuriert. Dieser wertvolle Gesundheitsschutz lässt sich auch für Erwachsene nebenbei in Suppen und Soßen mitliefern: beim Zubereiten ganz einfach einen Teil des Wassers durch Möhrensaft ersetzen.

Noch mehr Farbe

Züchter in USA haben um 1980 heutige orangefarbene Sorten mit violetten Urmöhren gekreuzt. Neben der ersten zugelassenen intensiv dunkelroten Züchtung ‘Beta Sweet’ kamen weitere violette Sorten wie ‘Purple Haze’ und ‘Purple Rain’ auf den Markt. Inhaltsstoffanalysen bescheinigen ihnen nicht nur mehr Gesundmacher, sie schmecken auch saftiger und süßer. Der ß-Karotin-Gehalt ist über ein Drittel höher, und die violett färbenden Anthocyane wirken antioxidativ, hemmen Tumore und beugen Herzinfarkten vor. Diese violettroten Sorten mit dem orangefarbenen Kern werden am besten ungeschält roh geknabbert: als Ganzes, geraspelt als Salat oder als Stick mit Quark-Dip. Gekocht sehen die dunkelroten Möhrensorten wenig appetitanregend bräunlich aus. Kocht man anderes Gemüse wie Erbsen mit, färben diese sich graubraun.

Moehren 3

Roh und gekocht

Roh gekaut tut die Möhre zunächst einmal den Zähnen, aber auch dem übrigen Verdauungsapparat gut. Die vielen Ballaststoffe regen die Darmtätigkeit an. Die Karotinoide sind fest in die Zellwände eingebunden. Aus rohen Möhren kann der Organismus je nach Zerkauungsgrad nur 1 bis 20 % erschließen. Erhitzen und starkes Zerkleinern steigern die Karotin-Ausnutzung auf 40 bis 60 %. Da es sich um fettlösliche Pflanzeninhaltsstoffe handelt, sollte man gleichzeitig Milch, Käse, Nüsse oder etwas Pflanzenöl zu sich nehmen. H.B.

Moehren 5 1 Möhren sind anspruchsvolle Gartenkulturen – ideal ist Dammanbau
2 Rote Möhrensorte ‘Beta Sweet’
3 Gesundheitsexperten empfehlen, täglich 5 mg ß-Karotin zu essen
4 Violette Möhren haben auch dunkler gefärbte Blüten (l.)

 
Quelle:
Dieser Artikel ist in den Verbandszeitschriften „Obst & Garten“ (August/2016) erschienen. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Verlages Eugen Ulmer, Wollgrasweg 41, 70599 Stuttgart, www.ulmer.de / www.oug.de.
Fotos: Buchter

VGiD Verband der Gartenbauvereine in Deutschland e.V.

Dachorganisation der Obst- und Gartenbauvereine in Deutschland. Der Verband der Gartenbauvereine in Deutschland setzt sich für die Erhaltung der Gartenkultur und die Pflege der Kulturlandschaft ein. Er ist ein wichtiger Fürsprecher des Freizeitgartenbaus und Partner der Freizeitgärtner.

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