Herbst

Natur des Jahres 2015

Schmetterling des Jahres: Rotes Ordensband

Schmetterling des Jahres
Rotes Ordensband

Foto: M. Hoffmann

In vielen Gegenden Deutschlands verschwindet der Schmetterling aus der Familie der Eulenfalter fast unbemerkt. Sie leiden unter dem Rückgang von Auenwäldern sowie feuchten Laub- und Mischwäldern, in denen Weiden und Pappeln häufig vorkommen, da die Raupen der Roten Ordensbänder sich von Weiden- und Pappelblättern ernähren. Rote Ordensbänder sind von Mitte Juli bis Anfang Oktober nachts unterwegs.

Doch manchmal, vor allem wenn es schwül und warm ist, kann man die Nachtfalter auch tagsüber und in der Abenddämmerung beobachten. Mit einer Flügelspannweite von bis zu 80 Millimetern gehören sie zu den größten Ordensbändern.

natur 2015 230 1Arzneipflanze des Jahres
Echtes Johanniskraut

Foto: H. Will

Echtes Johanniskraut ist eine Heilpflanze. JohanniskrautprÄparate sind gegen leichte bis mittelschwere Depressionen wirksam. Auch für sogenannte psychovegetative Störungen, Angstzustände und nervöser Unruhe ist Johanniskraut zugelassen. Als Tee oder Öl kommt Johanniskraut in der Pflanzenheilkunde zum Einsatz. Das Öl kann äußerlichangewendetwerden, um etwa Schnitt- und Schürfwunden zu behandeln, innerlich zum Beispiel bei Magen-Darmschleimhaut-Entzündungen.

Ganz unproblematisch ist das Gewächs aber nicht. Johanniskraut verstärkt im Körper die Wirkung eines Enzyms, das von entscheidender Bedeutung beim Abbau von Arzneimitteln ist. In Kombination mit anderen Medikamenten kann das dazu führen, dass die anderen Mittel kaum noch wirken. Das gilt zum Beispiel für die Anti-Baby-Pille. Hoch dosierte Johanniskrautmittel sind daher seit 2003 apothekenpflichtig.

Das Echte Johanniskraut ist ausdauernd und erreicht meist eine Höhe zwischen 15 und 30 cm, kann aber auch bis zu einem Meter hoch wachsen. Der aufrechte Stängel ist durchgehend zweikantig und innen mit Mark gefüllt (nicht hohl). Damit unterscheidet sich das Echte Johanniskraut von anderen Johanniskrautarten.

natur 2015 230 2Heilpflanze des Jahres
Zwiebel

Foto: M. Vogel

Die Zwiebel ist eine der beliebtesten Gemüsearten Deutschlands. Was aber nur Wenige wissen: die Zwiebel ist auch eine vielseitige Heilpflanze und somit eine alltagsrelevante Arznei. Durch die Benennung zur Heilpflanze des Jahres sollen die vielfältigen heilenden Effekte der heimischen Pflanze stärker in den Blickpunkt gerückt werden.

Gesundheitsunterstützend kann die Zwiebel bereits als Bestandteil der Nahrung sein, denn sie wirkt z. B. verdauungsfördernd, entzündungshemmend und sie stärkt das Immunsystem. Selbst die wertvollen Inhaltsstoffe ihrer Schalen können genutzt werden, wenn man sie beim Zubereiten von Suppen in einem Filterbeutel mitkocht. Alte Hausmittel wie Zwiebelsirup bei Husten, Zwiebelwickel bei Ohrenschmerzen, Zwiebelsaft gegen Haarausfall oder zur Linderung bei Insektenstichen sollten wieder mehr Beachtung finden.

natur 2015 230 3Kaktus des Jahres
Muttertagskaktus

Foto: H. Rudzinski

Die Deutsche Kakteen-Gesellschaft würdigt mit ihrer Entscheidung für den blühfreudigen Warzenkaktus Mammillaria zeilmanniana eine populäre Art, die in letzter Zeit wieder öfter kultiviert wird. Der Muttertagskaktus verdankt seine deutsche Bezeichnung der Blütezeit und seiner Beliebtheit als Geschenk zum entsprechenden Anlass, ist äußerst einfach in der Pflege und erfreut auch Kakteen-Einsteiger ab Ende April mit einem violettroten, seltener weißen Blütenkranz rund um den Scheitel.

Mit erst kugelig, später länglich wachsenden dunkelgrünen Körpern, weißen, haarartigen Rand- und rötlichen Mitteldornen macht der Muttertagskaktus auch außerhalb der Blütezeit einen attraktiven, „wolligen“ Eindruck. Mam- millaria zeilmanniana wächst entweder platzsparend einzeln oder seitlich sprossend, sodass sie im Alter dekorative Polster bildet.

natur 2015 230 4Bambus des Jahres
Fargesia Denudata

Fargesia denudata ist ein gut wintergrüner, horstig wachsender Bambus, der bis zu -20 °C winterhart ist. Er kommt im südlichen Gansu und nördlichen Sichuan, China, auf 1900 bis 3200 m vor. Dort wächst er im Unterholz in Tannen- und Fichten-Wäldern. Die Neigung zu dauerhaftem Blattrollen im Winter ist im Vergleich zu anderen Fargesien deutlich reduziert. Am Naturstandort wächst Fargesia denudata an sonnigen Standorten zwar besser als im Schatten, in Mitteleuropa kann aber wegen der vergleichsweise hohen Sommertemperaturen ein halbschattiger oder gar schattiger Standort Vorteile haben. Die Pflanze wird 3 bis 5 m hoch, hat einen gefälligen Habitus und eignet sich gut als Solitär, aber auch als Hecke. Hier kann wegen des überhängenden Wuchses regelmäßiger Schnitt nötig sein.

 

natur 2015 230 5Blume des Jahres
Gewöhnlicher Teufelsabbiss

Foto: U. Steinhäuser

Die Farbenpracht der hübschen hellblau, violett bis rosa gefärbten Blüten des Gewöhnlichen Teufelsabbisses begleitet uns ab Juli durch den Spätsommer. Größere Bestände der Art kommen derzeit im südlichen Teil der Bundesrepublik beispielsweise in den Alpen, im Schwarzwald und im Odenwald vor. In den nördlichen Bundesländern ist der Gewöhnliche Teufelsabbiss hingegen nur noch an wenigen Stellen zu finden. Der Gewöhnliche Teufelsabbiss fühlt sich in mageren, feuchten sowie mäßig warmen offenen Landschaften besonders wohl und kommt in Höhenlagen von bis zu 1300 Metern vor. Die Art bietet Nahrung für viele Insektenarten. Beispielsweise dient sie den Raupen des Goldenen Scheckenfalters, einem europaweit geschützten und äußerst bedrohten Tagfalter, als Nahrung. Mit der Wahl des Teufelsabbisses zur Blume des Jahres wirbt die Loki Schmidt Stiftung für einen schonenden Umgang mit unseren mageren und feuchten baumfreien Landschaften.

Natur des Jahres 2015 im Überblick

Arzneipflanze Echtes Johanniskraut Studienkreis „Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ an der Universität Würzburg
Bambus Fargesia denudata Europäische Bambusgesellschaft Sektion Deutschland, www.bambus-deutschland.de
Baum Feldahorn Kuratorium „Baum des Jahres“, www.baum-des-jahres.de
Blume Gewöhnliche Teufelsabbiss Stiftung Naturschutz Hamburg, www.stiftung-naturschutz-hh.de
Boden Waldboden Deutsche Bodenkundliche Gesellschaft (DBG) und der Bundesverband Boden (BVB), www.dbges.de; www.bvboden.de
Fisch Donaulachs Verband Deutscher Sportfischer e.V. (VDSF), www.vdsf.de
Flechte Gelbfrüchtige Schwefelflechte Bryologisch-lichenologische Arbeitsgemeinschaft für Mitteleuropa BLAM e.V., www.blam-hp.eu
Flusslandschaft Argen Naturfreunde Deutschland (NFD) und Deutscher Anglerverband (DAV), www.naturfreunde.de; www.anglerverband.com
Gefährdete Nutztierrasse: Deutsches Karakulschaf Gesellschaft zur Erhaltung gefährdeter Haustierrassen e.V., www.g-e-h.de
Gemüse Chili + Paprika Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt e.V. (VEN), www.nutzpflanzenvielfalt.de
Gestein Gneis Berufsverband deutscher Geowissenschaftler (BDG), Deutsche Gesellschaft für Geowissenschaftler (DGG) www.gestein-des-jahres.de
Heilpflanze Gemüsezwiebel Paracelsus e. V. (NHV Theophrastus) www.nhv-theophrastus.de
Höhlentier Keller-Glanzschnecke Arachnologische Gesellschaft e.V. (AraGes), www.arages.de
Insekt Silbergrüner Bläuling Kuratorium „Insekt des Jahres“, Julius-Kühn-Institut (JKI), www.jki.bund.de
Kaktus Muttertagskaktus Deutsche Kakteen-Gesellschaft e. V., www.dkg.eu
Libelle Gefleckte Heidelibelle Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen und Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), www.bund.net
Moos Leuchtmoos Bryologisch-lichenologische Arbeitsgemeinschaft für Mitteleuropa BLAM e.V., www.blam-hp.eu
Orchidee Fleischfarbenes Knabenkraut Arbeitskreis Heimischer Orchideen (AHO), www.europorchid.de
Pilz Becherkoralle Deutsche Gesellschaft für Mykologie (DGfM), www.dgfm-ev.de
Reptil Europäische Sumpfschildkröte Deutsche Gesellschaft für Herpeteologie und Terrarienkunde (DGHT), www.dght.de
Schmetterling Rotes Ordensband BUND NRW Naturschutzstiftung, www.bund-nrw-naturschutzstiftung.de
Spinne Vierfleck-Zartspinne Arachnologische Gesellschaft e.V. (AraGes), www.arages.de
Staude Segge Bund deutscher Staudengärtner (BdS), www.stauden.de

Streuobstsorten

Baden-Württemberg Benjaminler Landesverband für Obstbau, Garten- u. Landschaftsbau Baden-Württemberg e.V., www.logl-bw.de
Hessen Anhalter Landesgruppe Hessen des Pomologenvereins
Pfalz Frühe Rote Meckenheimer Arbeitskreis Historischer Obstsorten Pfalz – Elsass – Kurpfalz
Saarland/Rheinland-Pfalz Köstliche aus Charneu Verband der Gartenbauvereine Saarland / Rheinland-Pfalz e.V., www.gartenbauvereine.de
Vogel Habicht Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU), www.nabu.de
Weichtier Mantelschnecke clock Kuratorium „Weichtier des Jahres“, Deutsche Malakozoologische Gesellschaft, www.mollusca.de
Wildtier Feldhase Schutzgemeinschaft Deutsches Wild (SDWi), www.sdwi.de

Zusammenstellung: Monika Lambert-Debong

Quelle:
Dieser Artikel ist in den Verbandszeitschriften „Unser Garten“, „Der Hessische Obst- und Gartenbau“ und „Ratgeber für den Gartenliebhaber“ (01/2015) erschienen. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Unser Garten Verlag GmbH, Kulturzentrum Bettinger Mühle, Hüttersdorfer Straße 29, 66389 Schmelz, Telefon 06887 / 90 32 99 9, Telefax 06887 / 90 32 99 8,
www.unsergarten-verlag.de

VGiD Verband der Gartenbauvereine in Deutschland e.V.

Dachorganisation der Obst- und Gartenbauvereine in Deutschland. Der Verband der Gartenbauvereine in Deutschland setzt sich für die Erhaltung der Gartenkultur und die Pflege der Kulturlandschaft ein. Er ist ein wichtiger Fürsprecher des Freizeitgartenbaus und Partner der Freizeitgärtner.

Kontakt

Kulturzentrum Bettinger Mühle
Hüttersdorfer Straße 29
66839 Schmelz

06887/90 32 99 9
sal-rlp@gartenbauvereine.de