Herbst

Sommerhimbeeren

Sommerhimbeeren

Haben Sommerhimbeeren nach dem Siegeszug der Herbstsorten noch einen Stellenwert im Garten?

Remontierende oder Herbsthimbeeren gibt es schon ähnlich lange wie einmaltragende oder Sommerhimbeeren. Kaum ein Jahrzehnt, nachdem die Herbstsorte 'Autumn Bliss' in den Handel kam, überrundeten Herbsthimbeeren die bis dahin zu über 95 % vertretenen Sommerhimbeersorten, weil die Vorteile unschlagbar waren: einfache Erziehung, keine Rutenkrankheiten, hoher Ertrag bis Frostbeginn und bei geschickter Kulturführung auch Naschfrüchte ab Anfang Juni. Gerade die kompakt wachsende, überaus robuste 'Autumn Bliss' machte es leicht, den sensibleren und arbeitsintensiven Sommerhimbeeren den Rücken zu kehren. Im Windschatten dieser erfolgreichen Herbstsorten kamen bald zahlreiche Neuzüchtungen, zunächst 'Himbo-Top' (2000), die größere, hellere Früchte liefert als 'Autumn Bliss', danach folgten Sorten wie 'Polana', 'Polka' und 'Ruby'.

 

Sommerhimbeerbestand nach Austrieb, Jungruten sind noch nicht da

Sommerhimbeerbestand nach Austrieb, Jungruten sind noch nicht da

Sommerhimbeerbestand zur Reifezeit mit deutlich entwickelten Jungruten

Sommerhimbeerbestand zur Reifezeit mit deutlich entwickelten Jungruten

Sommerhimbeerbestand nach Entfernen der Altruten, gut entwickelte Jungruten sind fixiert

Sommerhimbeerbestand nach Entfernen der Altruten, gut entwickelte Jungruten sind fixiert

 

Lohnende Sommersorten

Dass sich im Garten dennoch Sommersorten finden, liegt an den heute robusteren Sorten und der höheren Erntemenge im Juni/Juli; manchmal ist es auch erwünscht, einen überschaubaren, kompakten Erntezeitraum zu haben, gerade wenn man einmachen will. Im Hinblick auf die Kirschessigfliege können frühe Sommerhimbeeren ebenfalls interessant sein, wenn sich das Schadinsekt wie 2013 erst im August bemerkbar macht.

Bei Sommersorten ist die Sortenwahl besonders wichtig. Sind die Züchtungen nicht blattlausresistent bzw. virustolerant, bauen die Bestände rasch ab: schwacher Neuaustrieb, geringe Erträge, kleine und teilweise verkrüppelte Früchte sind die Folge.

Zudem bietet das kränkliche Erscheinungsbild keinen erbaulichen Anblick. Ursache sind Virosen, die durch Blattläuse, Zikaden oder Pollen aus verseuchten Beständen in der Umgebung übertragen werden. Inzwischen gibt es aber widerstandsfähige Sorten, die gut 20 Jahre vital bleiben: neben den Züchtungen von Dr. Rudolf Bauer aus der 1970er-Jahren (u. a. 'Rutrago', 'Rusilva', 'Rumiloba') gibt es weitere Resistenzzüchtungen aus Kanada, darunter die im Erwerbsanbau verbreitete, aber vom Wuchsverhalten her schwierige ‚Tulameen‘. Im Garten hat sich die virustolerante, aromatische, sehr wüchsige, trockenverträgliche und ertragreiche Sommerhimbeere 'Meeker' am besten bewährt. Sie hat diesen Platz seit über 25 Jahren unangefochten inne.

Erfolgreicher Anbau

An das Klima stellen sommertragende Himbeeren geringe Ansprüche. Gut ausgereifte Ruten sind frosthart. Wildformen wachsen auch in hohen Berglagen und nördlichen Regionen. Von Natur aus schätzt die Himbeere luftfeuchte, nicht übermäßig heiße Lagen, kommt im Garten also auch mit Halbschatten zurecht. Da Himbeeren spät blühen, treten kaum Schäden durch Frühjahrsfröste auf. Da die Himbeere aus lichten Wäldern stammt, bevorzugt sie gut durchlüftete, frische, humose Böden mit leicht saurem pH-Wert um 5,5 bis 6,5. Die Wurzeln reagieren sehr empfindlich auf Luftmangel im Boden – nasse, verdichtete, tonhaltige und humusarme Standorte eignen sich nicht.

Während sich die Früchte entwickeln, ist der Wasserbedarf hoch – 'Meeker' kommt vergleichsweise gut mit trockeneren Phasen zurecht. Da Himbeeren zu den Flachwurzlern zählen, leiden besonders die nicht mit Kompost abgedeckten Bestände rasch unter Wassermangel. Himbeeren benötigen deshalb regelmäßige, aber nicht zu reichliche Wassergaben, eine Mulchschicht ist unerlässlich. „Nasse Füße“ vertragen Himbeerpflanzen grundsätzlich nicht. Erziehungsformen für Sommerhimbeeren unterscheiden sich vor allem in Bezug auf die Gerüstform. Das aufwändige V-Gerüst hat sich wenig bewährt. Effektiver ist ein Gerüst mit zwei Doppeldrähten oder drei Einzeldrähten. Im ersten Jahr sollten nicht mehr als drei neuausgetriebene Ruten je Pflanze verbleiben. Sie tragen im Folgejahr Früchte und werden unmittelbar nach der Ernte dicht über dem Boden abgeschnitten. Ab dem 3. Jahr wählt man pro Pflanze 7 gesunde Ruten aus, wenn sie etwa 30 cm hoch sind, und schneidet alle weiteren Neutriebe bodennah ab. Von diesen 7 Ruten werden nach dem Abschneiden der abgeernteten Altruten je nach Erziehungssystem und Vitalität die 4 bis maximal 6 besten im Sommer am Gerüst befestigt. Als Faustregel gilt: 10 Ruten je Meter Himbeerreihe. Ruten, die über 2 m lang sind, sollten erst ausgangs Winter auf eine Länge von 20 cm über dem obersten Gerüstdraht gekürzt werden.

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Doppelernte

Bei Herbsthimbeeren ist zusätzlich eine kleine Sommerernte möglich, hierfür müssen Sie aber nach dem Blattfall anders schneiden: die Ruten werden nicht bodennah entfernt, sondern nur die oberen, abgetragenen Teile der Jahresruten abgeschnitten – das ist der Bereich, der Fruchtstände bzw. Seitentriebe hatte. Der untere Teil verbleibt für die Frühsommerernte im kommenden Jahr, die aber nur etwa zwei Wochen dauert und keine sehr hohen Erträge liefert. Nach dieser Zweiternte im Frühsommer sterben sie ab und werden unverzüglich bodeneben abgeschnitten. Dieser zweite Ertrag im unteren Bereich der Vorjahresruten schwächt jedoch die Pflanzen, es treiben weniger und dünnere Jahresruten aus und somit gibt es eine kleinere und kürzere Herbsternte. Ein Kompromiss, der schon im Juni Himbeernaschen ermöglicht ohne den Bestand zu schwächen, besteht darin, nur an einem bis maximal an zwei Trieben je Pflanze die abgetragene Ertragszone einzukürzen und alle übrigen bodennah abzuschneiden. Der Rest der eingekürzten Rute bringt dann einige Naschfrüchte im neuen Jahr und wird danach sofort entfernt. Zeigt der Bestand Rutenkrankheiten, sollten Sie unbedingt im Spätherbst alle Triebe entfernen.

Dr. Helga Buchter-Weisbrodt

 

Quelle:
Dieser Artikel ist in den Verbandszeitschriften „Obst & Garten“ (Juni/2017) erschienen. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Verlages Eugen Ulmer, Wollgrasweg 41, 70599 Stuttgart, www.ulmer.de / www.oug.de.

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Dachorganisation der Obst- und Gartenbauvereine in Deutschland. Der Verband der Gartenbauvereine in Deutschland setzt sich für die Erhaltung der Gartenkultur und die Pflege der Kulturlandschaft ein. Er ist ein wichtiger Fürsprecher des Freizeitgartenbaus und Partner der Freizeitgärtner.

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