Herbst

Veredeln von Fruchtgemüse

Veredeln von Fructgemüse

« Zum Veredeln von Gurken benötigt man eine Rasierklinge oder ein scharfes Messer und Klammern zum Fixieren der Verbindungsstelle

Das Veredeln ist eine sehr alte Form der vegetativen Vermehrung, die bei Gehölzen bereits seit der Antike angewendet wird. Fruchtgemüse wird aber erst seit etwa 100 Jahren veredelt.

Veredelung bietet Schutz vor Schädlingen

Seit 1920 wird das Veredeln von Fruchtgemüse praktiziert. Damals waren in Asien die Anbauflächen von Melonen so stark mit dem Erreger der Melonen-Welke belastet, dass ihre Kultur fast unmöglich geworden war. Auf der Suche nach einer Lösung für das Problem, stellte man fest, dass die Melonen-Welke Kürbisse nicht befällt. Daraufhin wurden erste Versuche gemacht, Wassermelonen durch das Veredeln auf Moschuskürbisse zu schützen. Dieser Schutz ist so effektiv, dass heute in Japan 92 % und in Korea sogar 95 % aller Melonenpflanzen veredelt werden. Durch die Veredelung auf Kürbisse sind auch Gurken vor der Welke sicher. Tomaten werden durch Veredelung auf spezielle Unterlagensorten vor den Erregern der Fusarium- und Verticillium-Welke, vor der Korkwurzelkrankheit und vor Nematoden geschützt.

veredelung_von_gurken_und_Kürbissen« Die Gurken und die Kürbisse werden getrennt ausgesät. Erst zur Veredelung werden jeweils ein Kürbis und eine Gurke zusammen in einen Topf gesetzt (rechts)

Höherer Ertrag

Wie viele Früchte eine Pflanze trägt, hängt stark von ihrer Nährstoff- und Wasserversorgung ab. Die Unterlagen haben ein kräftiges, leistungsstarkes Wurzelwerk. Sie können die Pflanzen optimal versorgen. Dadurch ist es bei veredelten Stabtomaten möglich, neben dem Haupttrieb einen Seitentrieb heranzuziehen und von ihm zu ernten. Veredelte Gurken und Melonen tolerieren niedrigere Bodentemperaturen und setzen darum früher Blüten an als unveredelte Pflanzen. In heißen Sommern können unveredelte Pflanzen in der Mittagshitze kaum so schnell Wasser aufnehmen, wie es verdunstet und sie beginnen zu welken. Bei den veredelten Pflanzen sorgt das Wurzelwerk der Unterlagen für eine gute Wasserversorgung und lässt sie auch in Hitzeperioden weiterwachsen. Zusätzlich sind veredelte Pflanzen auch kräftiger und widerstehen ungünstiger Witterung und Schädlingen besser. Das verlängert ihre Lebensdauer und die Ernteperiode. Bei Melonen können veredelte Pflanzen bis zu 75 % mehr Ertrag haben als unveredelte. Und sie schmecken süßer, weil sie mehr Zucker einlagern können. Veredelte Tomaten bilden mehr und größere Früchte. Dadurch steigt der Ertrag um etwa 25 bis 50 %. Bei Gurken kann sich der Ertrag verdoppeln. Veredelte Auberginen tragen mehr Früchte. Wie stark sich die positiven Effekte auswirken hängt aber von den Kulturbedingungen und der Sorte ab. Bei einer Sorte, die von sich aus bereits einen hohen Ertrag hat, ist keine so große Ertragssteigerung zu erwarten wie bei einer weniger ertragreichen Sorte. Der positive Einfluss durch die Krankheitsresistenzen wirkt sich dann besonders deutlich aus, wenn die entsprechenden Krankheiten am Standort vorkommen und unveredelte Pflanzen schädigen würden. Ebenso verhält es sich mit der besseren Widerstandskraft gegen ungünstige Witterung. Unter optimalen Kulturbedingungen können auch unveredelte Pflanzen sehr gut wachsen und bringen gute Erträge.

Lohnt sich die Veredelung?

Viele neue Sorten haben Resistenzen gegen verschiedene Krankheiten. Einige sind sogar widerstandsfähig gegen Bodenpilze und Nematoden. Es hat aber keine Tomate oder Gurke Resistenzen gegen alle Krankheiten. Durch eine Veredelung werden die Pflanzen vor den Schädlingen geschützt, gegen die sie selbst nicht resistentsind. Außerdem wird ihr Wuchs verbessert und der Ertrag gesteigert. Darum ist das Veredeln besonders bei hochwertigen Spitzenzüchtungen lohnend, die von sich aus schon widerstandsfähig gegen Blattkrankheiten wie Mehltaupilze und Kraut- und Braunfäule sind.

Gurken veredeln

Für die Veredelung von Gurken werden oft Feigenblattkürbisse wie die Sorte 'Triumpf' verwendet, die speziell als Unterlage gezüchtet wurden. Die Kürbissämlinge haben einen sehr kräftigen Stängel. Damit sie zum Zeitpunkt der Veredelung nicht zu dick sind, werden die Kürbisse 4 bis 5 Tage nach der Gurkensorte, die veredelt werden soll, ausgesät. Wenn das erste Laubblatt der Gurke etwa 3 bis 5 cm groß ist, werden je ein Sämling von der Gurke und einer vom Kürbis zusammen in einen Topf gepflanzt. Der Stängel des Kürbissämlings wird dann auf der Seite, an der die Gurke steht mit einem scharfen Messer schräg von oben nach unten bis zur Hälfte eingeschnitten.

veredelung gurken«Die Stängel von Gurke und Kürbis werden schräg eingeschnitten. Der Kürbis von oben. Die Schnitte werden ineinander geschoben (rechts)

Der Stängel der Gurke wird auf gleicher Höhe von unten nach oben eingeschnitten. Dann werden die beiden Schnittflächen vorsichtig ineinandergeschoben. Dieses Verfahren wird als „Gegenzungenveredelung“ bezeichnet. Früher wurde die Veredelungsstelle mit einem Stück Bleiband fixiert. Blei ist aber umweltschädlich. Darum enthält das neue Kiepenkerl-Veredelungsset stattdessen wiederverwendbare Kunststoffklammern. Nach etwa 8 bis 10 Tagen sind die zwei Pflanzen miteinander verwachsen. Nun wird unterhalb der Verbindung der Stängel der Gurke gekappt und oberhalb der Veredelungsstelle der Trieb der Unterlage abgeschnitten.

veredelung feigenblattkuerbis« Die Samen des Feigenblattkürbis sind dunkelbraun bis schwarz

Tomaten veredeln

Tomaten werden durch Aufpfropfen von Kopfstecklingen veredelt. Die Tomaten-Sorte und auch die Unterlagensorte, z. B. 'Estamino' oder 'Vigomax' werden gemäß der Kulturanleitung ausgesät. Wenn die Pflanzen ein oder maximal zwei Blattpaare gebildet haben, wird veredelt. Die Unterlage wird unterhalb der Keimblätter abgeschnitten. Dadurch fehlen ihr die Knospen, die in allen Blattachseln angelegt sind und sie kann nicht neu austreiben. Von der Edelsorte wird oberhalb der Keimblätter ein Kopfsteckling gewonnen, der auf die Unterlage aufgesetzt werden soll. Die zwei zu verbindenden Stängel müssen an der Schnittstelle gleich dick sein. Der Trieb der Edelsorte wird auf die Schnittfläche der Unterlage gesetzt und mit einem Silikonclip fixiert.

veredelung fixieren«Früher wurde zum Fixieren Bleiband genommen (links). Heute werden Kunststoffklammern verwendet

Während die Pflanzen zusammenwachsen bildet sich an der Verbindungsstelle ein wulstiger Kallus, der den Clip auseinanderdrückt und später abspringen lässt.

 

 

veredelung tomaten« Bei der Veredelung von Tomaten werden Kopfstecklinge gewonnen, die auf die Unterlage aufgepfropft werden

Veredelungserfolg

Nicht jeder Kürbis oder jede Wildtomate sind als Veredelungsunterlage geeignet. Es kommen Unverträglichkeiten vor, die zum Absterben der Pflanzen führen oder ihren Ertrag mindern. Deshalb werden Unterlagen sehr sorgfältig getestet. Nur Sorten, die alle oben genannten Eigenschaften mit sich bringen kommen als Unterlagen in Frage. Der Anwachserfolg einer Gurke auf einem Feigenblattkürbis liegt bei durchschnittlich 95 %, der von Melonen bei etwa 90 %. Bei Tomaten liegt die Erfolgsrate bei einer Veredelung auf eine geeignete Unterlage bei 90 bis 100 % und bei Auberginen beträgt sie 80 bis 85 %. Ob die Veredelung erfolgreich verläuft, hängt aber vor allem vom Geschick des Gärtners ab. Es erfordert etwas Fingerspitzengefühl die Stängel richtig zu schneiden und die Pflanzen zu verbinden ohne sie zu quetschen oder abzuknicken. Die veredelten Pflanzen müssen dann unter optimalen Bedingungen zusammenwachsen können. Bei Tomaten sind eine Temperatur von 23 bis 25 °C und eine Luftfeuchtigkeit von ca. 80 % ideal. Gurken und Wassermelonen verbinden sich mit ihrer Unterlage am besten bei Temperaturen von 24 bis 27 °C und einer Luftfeuchtigkeit von 95 %. Es ist sehr wichtig, dass beim Pflanzen die veredelten Pflanzen nicht tiefer in die Erde kommen, als sie vorher im Topf standen. Werden sie zu tief gepflanzt, bilden sich oberhalb der Veredelungsstelle Wurzeln an der Edelsorte und wachsen ins Substrat. Da die Sorten anfällig sind für Bodenpilze und Nematoden, wird auf diese Weise der Schutz aufgehoben, den die Unterlage bieten soll.

Zusammenstellung: Maike Wilstermann-Hildebrand

Quelle:
Dieser Artikel ist in den Verbandszeitschriften „Unser Garten“, „Der Hessische Obst- und Gartenbau“ und „Ratgeber für den Gartenliebhaber“ (03/2016) erschienen. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Unser Garten Verlag GmbH, Kulturzentrum Bettinger Mühle, Hüttersdorfer Straße 29, 66389 Schmelz, Telefon 06887 / 90 32 99 9, Telefax 06887 / 90 32 99 8,
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