Herbst

Schnitt und Erziehung von Beerenobst

Bokashi-Saft

« Brombeerhecke fügt sich idyllisch in diese Gartenszene ein

Strauchbeerenarten müssen ebenso wie Baumobst jedes Jahr geschnitten werden. Nur dadurch sind gute Fruchtqualitäten, ausgeglichene Erträge und ein gut durchlüfteter Bestand zu erreichen. Viele der in den vergangenen Ausgaben erläuterten Schnittregeln können hierbei übertragen werden. Bedeutsam ist, dass Strauchbeeren ein basitonisches Wuchsverhalten besitzen: sie bilden ständig Neutriebe aus der Basis, aus dem Wurzelhalsbereich der Stöcke, die dadurch gut verjüngt werden können.

 

 

Acr7191897480192 2059315« Das Entfernen von flachen, niederliegenden Trieben betont einen straffen Wuchscharakter

Jüngere und ältere Triebe unterscheiden sich u.a. an der Triebfarbe: jüngere sind heller, kaum verzweigt – ältere dunkler, teilweise mit Flechten besetzt und verzweigt.

Straucherziehung von Johannis- und Stachelbeeren …

…ist die früher übliche, heute auch noch überwiegend praktizierte Art der Kultivierung. Eine gute Pflanzqualität besteht aus 5 bis 7 Trieben, die bei wurzelnackter Ware um knapp die Hälfte abgeschnitten werden. Die in Containern angezogenen Jungpflanzen sollten ebenfalls, jedoch nur leicht, eingekürzt werden. Schwache bzw. quer wachsende Triebe werden ganz herausgenommen. Bei Jungpflanzen mit nur 2 bis 3 Trieben empfiehlt es sich, diese auf 3 bzw. 2 Augen stark zurückzunehmen, sodass im folgenden Jahr daraus 6 Triebe entstehen. Eine teurere Jungpflanze mit vielen Trieben bringt somit einen Wachstumsvorsprung von 1 Jahr. Ein weiterer Tipp: auf wuchsschwachen Standorten (leichte, humusarme Böden) sollten Johannis- und Stachelbeeren etwa 5 cm tiefer gepflanzt werden, um die Regeneration aus dem Wurzelbereich zu fördern.

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Schwarze Johannisbeere:
die Anzahl Neutriebe muss drastisch reduziert werden

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Einkürzen anstatt Auslichten –
falsche Schnittmaßnahme!

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In den folgenden Jahren ist jährliches Auslichten nach der Ernte oder ausgangs des Winters angesagt! Es werden 2 bis 3 der ältesten Triebe ebenso direkt über dem Boden abgeschnitten wie zu viele (mehr als 3 bis 4) junge, unverzweigte Bodentriebe, die oft weißlich abschiefernde Rindenfetzen aufweisen. Ab dem 2. Jahr bilden sich Seitentriebe, die nur bei einer größeren Länge als 30 cm auf 10 bis 20 cm eingekürzt werden können. Insgesamt sollten Stachelbeeren aus 6 bis 8, Johannisbeeren aus 8 bis max. 10, nicht eingekürzten 1- bis 4-jährigen Haupttrieben bestehen. Sind diese zu lang, so lassen sie sich durch Ableiten auf eine tiefere, nach außen wachsende Seitenverzweigung reduzieren.

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« … und nach dem Auslichten

Mit dieser Anleitung erhalten Sie einen locker aufgebauten, standfesten Busch. Triebe die quer oder flach über dem Boden wachsen oder auch von Mehltau oder Rotpustel befallene Teile werden entfernt. Generelles Einkürzen der Triebe, was immer noch vielfach durchgeführt wird, löst ein nicht erwünschtes Wachstum aus und führt zu einem dichten Triebende. Auch Jostabeeren können nach diesem Schema behandelt werden, jedoch mit weniger Trieben, da sie stärker wachsen. Schwarze Johannis- und Stachelbeeren tragen schon am einjährigen Holz; hier können bereits 3-jährige Triebe nach der Ernte herausgeschnitten werden. Kulturheidelbeeren wachsen nicht so dicht, was ein Entfernen einzelner Tragruten oft erst nach 5 bis 7 Jahren erfordert.

 

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Stachelbeerstämmchen: eine Auflage schützt vor dem Ausschlitzen der Fruchttriebe

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Ausgelichteter Stachelbeerstrauch

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Eintriebige Spindel der Stachelbeere Invicta in 50 cm Abstand

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Eintriebige Johannisbeeren mit jeweils bereist nachgezogenem Neutrieb zum Austausch nach der Ernte

 Johannis- und Stachelbeerstämmchen

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« Stachelbeerstämmchen: lange, hängende und nach innen wachsende Triebe müssen jährlich entfernt werden

Bei dieser insbesondere bei Stachelbeeren, aber auch bei Roten Johannisbeeren aus Gründen der Ernteerleichterung beliebten Form, handelt es sich um Kronenveredlungen. Sie werden in 40 bis 50 cm (Fußstämmchen) oder standardmäßig 80 bis100 cm auf einer wuchsstarken Unterlage (meist Ribes aureum, Goldjohannisbeere; teilweise auch auf Josta) durchgeführt. Das Stämmchen muss an einem Stützpfahl angebunden werden. Wildtriebe an der Unterlage werden bei Erscheinen aus- bzw. weggerissen. Damit die fruchttragenden Triebe an der sensiblen Veredlungsstelle nicht ausbrechen, erhält die Krone eine sie stützende Auflage (Lattengerüst; Staudenringhalter).

Der Pflanzschnitt erfolgt wie beim Strauch: 5 bis 7 Haupttriebe werden um die Hälfte eingekürzt, was diese stabilisiert und zugleich die Verzweigung fördert. Diese Haupttriebe, die etwa den „Leitästen“ bei der Rundkronenerziehung von Obstbäumen entsprechen, dürfen nie ganz entfernt werden, sondern bei Rückschnittmaßnahmen sollten 10 bis 15 cm verbleiben. Die aus ihnen hervorgehenden Verzweigungen bilden 6 bis 8 Kronentriebe, die analog dem Strauch bereits nach der Ernte ausgetauscht werden. Das Auslichten muss auch hier großzügig erfolgen. Triebe der im Wuchs schwächeren Stachelbeeren dürfen durchaus etwas eingekürzt werden; auftretende graubraune Mehltauspitzen müssen herausgenommen werden.

Da Stämmchen keine neuen Bodentriebe bilden können, vergreisen sie im Vergleich zu Sträuchern schneller, was nur ein konsequenter jährlicher Schnitt verzögern kann.

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« Spindel und Hecken bilden Fruchtwände mit besten Qualitäten

Hecken- oder Spindelerziehung

Bei dieser Erziehungsform von Johannis- und Stachelbeeren, die eintriebig (bevorzugt bei Stachelbeeren) oder als 2- bzw. 3-Asthecke erfolgen kann, wird die ursprünglich mehrtriebige Pflanzware je nach Art auf 1 bis 3 stärkere Äste reduziert. Neben Platzersparnis sind bequeme Ernte, gute Belüftung, bessere Fruchtqualitäten und im Vergleich zu Stämmchen die sortenechte Neutriebbildung aus der Basis entscheidende Vorteile. Allerdings benötigen Hecken ein Drahtgerüst; bei einzelnen Pflanzen gewährleisten Tonkinstäbe die erforderliche Stütze. Bodentriebe müssen schon im Mai ausgerissen werden – außer es verbleiben welche zur Nachzucht neuer Haupttriebe, welche nach 4 Jahren die älteren ablösen.

Die im Abstand von 50 cm gepflanzten Eintrieber werden wie eine pyramidenförmige Spindel erzogen. Um den Wuchs des Mitteltriebes zu fördern, wird er im 1. Jahr mehrmals geheftet, 3 bis 4 Konkurrenzaugen zur Terminalknospe ausgebrochen und die unteren Knospen bis 40 cm Höhe über dem Boden entfernt. Im 2. Jahr werden wieder Konkurrenzknospen an der Spitze ausgebrochen. Außerdem achtet man darauf, dass nur alle 15 bis 20 cm ein Gerüstast verbleibt. Der erste Fruchtansatz sollte zu Gunsten des Höhenwachstums entfernt werden. Im folgenden Jahr werden Seitentriebe auf 20 bis 30 cm eingekürzt und ein Bodentrieb zum Auswechseln nachgezogen. Zwei- und Dreiasthecken haben einen Pflanzabstand von 1 bzw. 1,50 m, sodass zwischen jedem Schenkel 50 cm Abstand eingehalten werden können. Stachelbeeren können auch enger gezogen werden. Nach dem Pflanzen (Hinweis: nicht tiefer, sonst verstärkte Bodentriebbildung!) werden 2 Schenkel an der Basis V-förmig, dann senkrecht hochgeleitet und geheftet. Bei der 3-Asthecke wächst der mittlere Trieb gerade, die beiden äußeren werden zunächst im 45 °-Winkel, ab dem 1. Draht dann senkrecht gezogen. Um vertikal wachsenden „Reitertrieben“ vorzubeugen werden die Knospen an den schräg geleiteten Trieben und der Basis des Mittelastes ausgebrochen.

Zur Förderung der Fruchtqualität werden fruchtende Seitentriebe auf 10 bis 15 cm und zu dicht übereinanderstehende Verzweigungen auf kurze Stummel eingekürzt. Profis belassen nur 8 bis 10 einjährige Seitentriebe pro Schenkel und schneiden diese nach dem Fruchten auf nur 1 cm zurück. So fruchten die im Frühjahr 2019 auf Zapfen geschnittenen und daraus 2019 gebildeten Neutriebe im Sommer 2020. Für regelmäßige Erträge werden die Fruchttriebe die 2019 getragenen haben in 2020 auf 1cm abgeschnitten für den Behang in 2021.

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Johannisbeeren als eintriebige Spindel, 2- und 3-Ast-Hecke

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Bodentriebe – hier bei 3-Asthecke – werden am besten herausgerissen

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3-Asthecke Johannisbeere ‘Rovada‘

Brombeeren und sommertragende Himbeeren

Diese Beerenarten bilden im 1. Jahr neue Ruten, die an einem Drahtrahmen fixiert werden, im folgenden Sommer fruchten, danach absterben und sodann über dem Boden abgeschnitten werden. Der Pflanzabstand beträgt bei Brombeeren mit V-förmig fächerartiger Erziehung etwa 1,5 m, bei Spaliererziehung mit längeren Ranken ca. 3 m. Aus den alle 40 cm gesetzten Himbeerjungpflanzen entstehen in den nächsten Jahren dichte Hecken, bei denen die Tragruten auf 10 bis 12 pro laufendem Meter ausgelichtet und Ausläufer abgestochen werden.

Der Schnitt gestaltet sich somit sehr einfach. Wie bei anderen Obstgehölzen müssen neben zu schwachen stets kranke Ranken herausgenommen werden. Bei Brombeeren achten Sie darauf, dass je 4 bis 5 Trag- und Neuruten verbleiben. Stehen in einem Jahr zu viele, bilden sich im nächsten Jahr wenige, dafür sehr starke neue Ranken, welche anfälliger sind für Risse und Krankheiten. Umgekehrt sollten zu schwache Ruten bevorzugt entnommen werden.

Es empfiehlt sich, an den neuen Brombeerruten Höhenbegrenzungen auf 2 bis 2,25 m und Seitenverzweigungen auf 2 Augen erst ab Anfang September (nicht früher, sonst Neuaustrieb) zurück zu schneiden. Bei den Himbeeren werden zu lange Ruten erst über Winter abgeschnitten.

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Die abgestorbenen Brombeerruten (hier V-förmige Erziehung)
werden bodennah abgeschnitten

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Brombeerfächer im Abstand 1,5 m mit 4 bzw. 5 in der Höhe
und an den Seitentrieben eingekürzte Tragruten

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Sommerhimbeeren, nach der Ernte auf 10 Ruten pro lfm
ausgelichtet

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Im Winter auf ca. 2,25 m abgeschnittene Tragruten
sommertragender Himbeeren

Herbsthimbeeren

Sorten wie 'Autumn Bliss', 'Himbo Top', 'Polka' tragen bereits am Neutrieb und werden bevorzugt einjährig kultiviert. Auch sie werden zunächst in 40 cm Abstand gepflanzt. Daraus entwickelt sich ebenfalls eine Hecke, die für gute Früchte am besten einreihig (maximal als schmales Band) gehalten wird und 12 bis 15 Ruten pro laufendem Meter haben sollte.
Ende Februar wird der Bestand komplett über dem Boden abgeschnitten, auf entsprechende Rutenzahl ausgelichtet und Ausläufer abgestochen. Es bilden sich neue Ruten, deren Früchte ab August reifen. Da die Triebe nicht so stark wachsen, kann ein Drahtgeflecht, das von Querjochen gehalten wird, als einfache Stütze dienen. Bei Herbsthimbeeren in einjähriger Kultur kommen die bei den Sommersorten gefürchteten Rutenkrankheiten nicht vor. Wenn Herbstsorten aber wie Sommerhimbeeren, d. h. zweijährig kultiviert werden, kann dieser Schaderregerkomplex auch die Herbstsorten befallen.
Die neu gezüchteten Herbstbrombeeren werden analog behandelt, dabei werden jedoch weniger Ruten pro laufendem Meter belassen.

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Die gelben abgetragenen Brombeerranken
werden nun bodennah abgeschnitten;
es verbleiben 4 (grüne) Jungruten

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Seitentriebe von Brombeeren können ab September
auf 2 Augen zurückgenommen werden

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Herbsthimbeeren in einjähriger Kulturweise mit Drahtgeflecht
zum Stützen der Ruten

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Herbsthimbeeren in einjähriger Kultur werden ausgangs
des Winter bodennah abgeschnitten

 

 


Hubert Siegler,
Bayerische Gartenakademie LWG Veitshöchheim

Obstgehölzschnitt Spindel: Erziehung und Schnitt

Bokashi-Saft

« Kirschen-Spindel 5. Jahr

Für die Erziehungsform Spindel bieten sich idealerweise Buschbäume mit Stammhöhen von 60 bis 80 cm auf schwachen, ggf. mittelstarken Veredlungsunterlagen an. Im Gegensatz zu Halb- und Hochstämmen mit Rundkronen können Spindelbäume im Garten enger gepflanzt werden. Sie kommen mit Pflanzabständen von 2 bis 3 m bei Kernobst und 3 bis 4 m bei Kirsche oder Zwetsche zurecht und so finden mehrere Bäume einer oder auch verschiedener Obstarten Platz. Auf die Grundfläche einer Rundkrone von 8 m Durchmesser mit ca. 50 m² passen theoretisch 7 als Spindel erzogene Bäume (schwache Unterlagen) mit je 3 m Durchmesser bzw. je 7 m² Grundfläche. Im Erwerbsobstbau werden die Bäume recht dicht, mit sehr engen Distanzen gepflanzt, im Hausgarten sollte mit weiteren Abständen gearbeitet werden, damit der Schnitt auf Grund der pyramidalen Wuchsform nicht allzu intensiv ausfallen muss. Außerdem sorgt eine gute Belichtung und Belüftung für weniger Schattenfrüchte und geringeren Pilzbefall.

Tabelle

Seit ca. 25 bis 30 Jahren finden auch schwachwuchsinduzierende Unterlagen aller Baumobstarten stärkeren Einzug in die Haus- und Kleingärten. Diese sorgen in Kombination mit der Spindelerziehung („dem Profi-Obstbauer nachgemacht“) für kleine Baumformen. Sie kommen früh in den Ertrag, liefern gute Fruchtqualitäten, lassen sich leichter, v.a. bequemer ernten und schneiden oder auch mit Netzen schützen. Diese Vorteile überwiegen gegenüber den Nachteilen wie begrenzter Lebensdauer, ausreichender Bewässerung bei Trockenheit, lebenslanger Stützpfahl für Apfel, Birne und den empfehlenswerten Einsatz von Drahtkörben gegen Wühlmäuse (v.a. beim Apfel).

Spindelerziehung hält Buschbäume klein

Von der Spindel gibt es viele Variationen. Gute Erfahrungen liegen in der Lehranstalt Veitshöchheim mit dem „Central-leader“-system vor, das der ehemalige Kreisfachberater für Obstbau am Landratsamt Forchheim, Tobias Vogel, entwickelt hatte und das besonders bei Steinobst von der Obstpraxis übernommen wurde. Diese Form, die sich auf alle Baumobstarten übertragen lässt, bedeutet sinngemäß, dass die Mittelachse des Baumes (der Stamm) dominiert – die Seitenäste jedoch schwach im Wuchs und somit untergeordnet sein sollen. Dies erreicht man, indem man die Seitenäste formiert, d.h. waagerecht stellt im Astabgangswinkel von ca. 75 bis 80° (90° muss nicht sein, denn der Fruchtbehang drückt nach unten. Außerdem geht die Wuchskraft bei 75 bis 80° nicht gegen null). Entgegen früher üblicher Praxis werden die flach gestellten Seitenäste nicht eingekürzt, was wiederum die Blütenknospenbildung anregt. Dadurch vermindert sich zugleich das vegetative (Trieb-) Wachstum. Außerdem schlitzen flache – im Gegensatz zu steil abgehenden Ästen – nicht aus und die Gefahr der Gummiflussbildung bei Steinobst wird ebenfalls deutlich reduziert. Die Seiten-(Frucht-)äste zeigen „wie eine Tanne“ in alle Richtungen. Typisch für diese Central-leader-Form ist auch eine etagenförmige Astserie in pyramidal aufgebauter Krone, welche eine gute Belichtung – und somit Vitalität – der basalen Äste gewährleistet. Eine Überbauung der Spitze gilt es durch Ableiten zu hoher bzw. zu langer Triebe zu vermeiden. Durch den etagenweisen Aufbau gelangt Licht und Luft bis zur Mitte des Baumes.

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Spindel vor dem Anschnitt

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Spindel nach dem Anschnitt

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Mitteltrieb einer junger
Spindel mit ausgebrochenen
Konkurrenzknospen
und formierter junger
Seitentriebe

Grafik1

Grafik2

Behandlung je nach Baumqualität

Topazspindel auf M9 im 3. Standjahr »Siegler 3

Für die Spindelerziehung gut geeignet sind zweijährige, bereits gut verzweigte Veredlungen auf den aufgeführten Unterlagen (Veredlungsstelle ca. 15 bis 20 cm über dem Wurzelhals). 3 bis 4 nicht zu starke Seitentriebe, die sich möglichst in 60 bis 80 cm Höhe befinden sollten, werden flach gestellt. Dies kann mit kleinen Gewichten, Schnüren oder Astklammern erfolgen. Astklammern hat man früher selbst aus Draht gebogen. Heute gibt es diese aus Kunststoff (z.B. Astfix) im Handel. Schnüre befestigt man am äußeren Drittel des Seitenzweiges und das andere Ende am Stamm. Hinweis: wegen der Gefahr des Einwachsens die Knoten nicht zu eng zurren bzw. die Schnur nach 1 Jahr entfernen. Der Konkurrenztrieb muss stets weggeschnitten werden. Der Mitteltrieb wird nur eingekürzt, wenn seine Länge mehr als 70 bis 80 cm über dem obersten der flach gestellten Seitentriebe misst. Ansonsten bleibt er wie die flach gestellten Verzweigungen ungeschnitten. Damit keine steil und stark wachsenden Neutriebe an der Mittelachse entstehen, werden dort ca. 4 bis 5 Konkurrenzknospen unterhalb der Mittelknospe mit dem Finger ausgebrochen (unabhängig davon, ob ein Anschnitt der Mitte erforderlich war oder nicht). Dies geschieht ca. Mitte bis Ende März, wenn die Knospen angeschwollen sind.
Haben Sie einen Jungbaum ohne bzw. mit nur 1 bis 2 Seitentrieben erworben, so gehen Sie wie folgt vor: Die 1 bis 2 Seitentriebe werden bis auf einen kleinen Stummel, der nur auf der Unterseite ein nach außen zeigendes Auge aufweist, abgeschnitten. An diesem Auge entsteht im 1. Standjahr in der Regel ein flacher Seitentrieb. Die Mitte wird in ca. 1 bis 1,25 m Höhe angeschnitten; 3 bis 4 der obersten Knospe folgende Augen werden weggebrochen, so dass neue Seitentriebe in 70 bis 90 cm Höhe entstehen können.

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« Zwetsche 'Toptaste' , Spindelerziehung im 4. Standjahr

Trick: Wäscheklammermethode

Dem Ziel, flach wachsende Seitentriebe zu erhalten, muss nachgeholfen werden. Am einfachsten geschieht dies, wenn der Neuaustrieb 5 bis max. 7 cm („so lang wie eine Wäscheklammer“) gewachsen ist. Dann wird über diesem jungen Seitentrieb vorsichtig eine Wäscheklammer waagrecht angebracht. Diese drückt den krautigen Neutrieb flach, so dass dieser im ca. 90°-Winkel abgeht, was dessen Wuchskraft bremst. Längere Seitentriebe können von den Wäscheklammern nicht mehr nach unten gedrückt werden – hier müssten Schnüre oder Astklammern vorsichtig angebracht werden. Wäscheklammern haben den Vorteil, dass sie Unterschlupf für Ohrwürmer bieten, die dann zugleich Blattläuse an den Jungtrieben verzehren. Nach 4 Wochen kann die Wäscheklammer entfernt und als kleines Gewicht an die Seitenzweigspitze gehängt werden.

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Durch Ableiten klein und schmal gehaltene Süßkirschenspindel »

Behandlung nach dem 1. Standjahr

Der Neuzuwachs der Mitte wird angeschnitten, wenn dieser mehr als 60 bis 70 cm beträgt. 3 bis 4 nach unten folgende Augen werden wieder ausgangs des Winters weggebrochen. Die verbleibenden Knospen des Mitteltriebes treiben aus und werden im Mai wiederum „geklammert“. Entfernen sie spätestens jetzt auch die Schnüre des Vorjahres!
Die nächstfolgende, 1 Jahr jüngere Triebetage ist schmaler als die im Vorjahr gewachsene. So entsteht ein pyramidenförmiger Aufbau. Seitentriebe bleiben weiterhin ungeschnitten.
In den nächsten 2 Jahren verfährt man am besten noch ebenso. Dann ist die Jugendphase abgeschlossen.

Rückschnitt

Sobald der Baum nach einigen Jahren doch zu hoch geworden ist (z.B. 3,50 m), wird der Mitteltrieb über einem flachen Seitentrieb abgenommen (abgeleitet). Wenn dies bei Steinobst bereits zur Ernte erfolgt, entsteht im Folgejahr ein moderater Neuaustrieb an der Mittelachse. Nach der Ernte können auch zu lange und hoch wachsende Seitentriebe zurück genommen werden. Achten Sie stets auf stark wachsende Seitenäste, da sie in der Wuchskraft gefördert werden, sich stärker verzweigen und die Krone verdichten: Nach Fritz Zahn, dem ehemaligen Obstbau- fachberater an der Niederelbe, dürfen sie maximal halb so stark sein wie der Durchmesser der Mittelachse an der Stelle, an der die Verzweigung entstanden ist. Keine Angst, wenn Sie dadurch einen „schönen Ast“ opfern müssen! Durch die bessere Belichtung im Kroneninneren können schlafende Augen am Stamm zum Neuaustrieb angeregt werden. Entfernen Sie nicht zu viel Holz auf einmal – verteilen Sie stärkere Schnitteingriffe auf mehrere Jahre! Dadurch bleibt der Baum im Gleichgewicht. Achten Sie stets darauf, dass keine überbauten Kronen entstehen und halten Sie die Pyramidenform ein (unten breit – oben schmal). Dann werden Sie viel Spaß mit den kleine(re)n Obstbäumen auch in Ihrem Garten haben, vor allem dann, wenn Sie bei der Sortenwahl berücksichtigen, dass frühreifende Süßkirschen wie 'Burlat', 'Johanna', 'Merchant', 'Celeste' (= zudem selbstfruchtbar) madenfrei bleiben bzw. bei Äpfeln auf schorftolerante Sorten zurückgreifen!

Hubert Siegler,
Bayerische Gartenakademie LWG Veitshöchheim

Natur des Jahres 2020

Vogel des Jahres 2019: Feldlerche

Giftpflanze des Jahres

Die Tollkirsche

Die sehr giftige krautige Pflanze Schwarze Tollkirsche (Atropa bella-donna) ist im Wald relativ häufig zu finden. Sie zählt in einer Hitliste der giftigsten Pflanzen mit zu den Top-Ten. Diese oft etwa 1,50 m hohe Pflanze gehört zu den Nachtschattengewächsen und ist daher schon allein von ihrer Größe her augenfällig.

Die Blüten erscheinen zwischen Juni und August. Sie entwickeln sich zu Beeren, die im unreifen Zustand grün sind und sich bei Reife auffallend schwarz-glänzend verfärben. Die eigentlichen Früchte sind kleine Samen in der Beere. Vögel nehmen die Beeren auf und scheiden sie nach dem Passieren des Verdauungstraktes an anderer Stelle wieder aus – eine häufige Vermehrungs- und Verbreitungsstrategie von Pflanzen. Die Tollkirsche kommt in ganz Europa auf besser nährstoffversorgten Standorten an lichten Stellen bzw. in Waldlichtungen oder an Waldrändern vor.

Wie so oft liegen Giftigkeit und Heilwirkung eng beieinander bzw. es ist eine Frage der Dosis: der Wirkstoff Atropin ist in der Augenheilkunde bekannt als pupillenerweiterndes Medikament.

Obstgehölzschnitt Rundkronen bei Hoch- und Halbstämmen

Bokashi-Saft

« Eine gute Hochstammstammqualität bietet optimale Leitäste (Foto: Siegler)

Obstbäume werden ganz unterschiedlich geschnitten und können zu verschiedenen Baumformen erzogen werden. Allerdings kristallisieren sich je nach Unterlage zweckmäßige Schnittformen heraus.

Rundkronen bieten sich für Halb- und Hochstämme auf starkwachsenden Unterlagen (Sämlinge aller Obstbaumarten, bei Apfel auch die Unterlagen M25 und A2; bei Pflaumen/Zwetschen auch Myrobalane) an. Denkbar sind auch Spalierformen und, eher theoretisch, kommen auch Spindelformen in Frage. Wer sich bei stark wachsenden Unterlagen aber dafür entscheidet, muss sich aber darüber im Klaren sein, dass durch die starke Wuchskraft der Unterlagen ein erheblichen Schnitt-, Formier- und Bindeaufwand betrieben werden muss.

Für Buschbäume auf schwachen Veredlungsunterlagen hingegen ist die Spindelerziehung prädestiniert. Spalierformen wären möglich, jedoch dann mit begrenzter Lebensdauer. Für längere Standzeiten der oft mit viel Aufwand erzogenen Spaliere sind mittelstarke Unterlagen von Vorteil.

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Pflanzschnitt mit 4 Leitästen. Die 2 verbliebenen dünneren Trieben fungieren als Fruchtäste und  könnten ebenfalls entfernt werden (Foto: Siegler) »

Pflanzschnitt für die Rundkronenerziehung

Ohne Pflanzschnitt bilden die oft starken, vielfach steil stehenden Triebe des Jungbaums eine dichte Krone mit langen, dünnen Ästen und nur verminderter Verzweigung: ausreichendes Fruchtholz fehlt. Außerdem vergreist der Baum; die dichte Krone fördert (Pilz-) Krankheiten und Schattenfrüchte. Die daraus resultierende ungünstige Grundstruktur lässt sich auch später kaum oder nur mit viel Aufwand verbessern. Steile Äste neigen darüber hinaus zum Ausschlitzen und bei Steinobst zu stärkerer Bildung von Gummifluss.

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5. Standjahr vor dem Schnitt
(Foto: H. J. Bannier)

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5. Standjahr nach dem Schnitt
(Foto: H. J. Bannier)

Der Anschnitt der Kronentriebe zur Pflanzung ist aus mehreren Gründen wichtig. Er stellt wieder ein Gleichgewicht zwischen oberirdischen Baumteilen und dem Wurzelkörper her, da durch das Roden wurzelnackter Gehölze ein Großteil der Wurzeln entfernt wurde. Auch bei der Anzucht in (Groß-) Containern besteht ein Missverhältnis. Besonders wichtig ist, dass durch Pflanzschnitt und Erziehung die Kronenform des Baumes festgelegt wird: neben dem Mitteltrieb mit drei oder vier Leitästen, die im 45 °-Winkel eine breitere Krone ausbilden im Vergleich zu einer Astabgangsstellung von 30 bis 35 °.

Siegler 2« Drei in Position gebrachte Leitäste auf Saftwaage angeschnitten; die Mitte eine Scherenlänge darüber (Foto: Siegler)

Bei stark wachsenden Obstarten bzw. Sorten und wüchsigen Standortbedingungen ist eine Krone aus 3 Leitästen, die als „Mercedes-Stern“ gleichmäßig verteilt angeordnet werden, zweckmäßig. Belichtung und Belüftung werden begünstigt und später das Anlegen der Leiter für Schnitt und Ernte vereinfacht. Rundkronen müssen das Gewicht größerer Mengen an Früchten tragen. Entsprechend starke Leitäste können nur durch mehrjähriges Anschneiden erzielt werden. Da beim Pflanzschnitt der Konkurrenz- und unpassende Seitentriebe entfernt werden, sollte eine gute Baumqualität aus mindestens 5, besser 6 bis 7 Verzweigungen bestehen. Die ausgewählten Leitäste, die möglichst nicht einem Quirl, sondern höhenversetzt entspringen, werden vor jeglichem Anschnitt erst in „Position“, also in gleiche Astabgangswinkel gebracht, um gleichmäßige Wuchskraft zu generieren. Dabei werden flachere Seitenäste hochgebunden, steile Seitenäste werden durch Abspreizen/Abbinden in die günstige 45 °- Position gebracht. Nun kann der berühmte Schnitt auf „Saftwaage“ erfolgen: um einen gleichmäßig starken Neuaustrieb zu erzielen, werden alle Leitäste auf derselben horizontalen Höhe auf ein nach außen zeigendes Auge angeschnitten.

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Ohne weiteren Erziehungsschnitt hat dieser Hochstamm lange, unstabile, mit überreichem Fruchtholz besetzte Triebe in dichter Krone ausgebildet (Foto: Siegler) »

Beim Abschneiden orientiert man sich am schwächsten Seitenast, der ca. ein Drittel zurückgenommen wird – bei schwach wachsenden Sorten bis zur Hälfte. Als weiteres Maß für den Rückschnitt kann man vom Stamm aus bis zur zehnten gut entwickelten Knospe zählen. Wichtiger als mit einer „visuellen Wasserwaagen“-Anschnitthöhe ist das nach außen gerichtete Auge. Dort darf wegen möglichen Eintrocknens nicht zu knapp und nicht zu schräg über der Knospe abgeschnitten werden. Der Mitteltrieb wird etwa eine Scherenlänge über den Seitenästen, die dann einen 120 °-Winkel bilden, eingekürzt. Bleibt die Stammverlängerung zu lang, wachsen die Leitäste auf Grund der einsetzenden Spitzenförderung der Mitte schwächer.

 

 

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« Eine locker aufgebaute Krone sichert gute Erträge. Hier ein ̕Topaz̕-Halbstamm im 7. Standjahr (Foto: Siegler)

Erziehungsschnitt in den Folgejahren

Auch wenn der Anschnitt auf Saftwaage fachgerecht durchgeführt wurde, kann der Neuaustrieb von Leitästen und Mitte ungleich erfolgen. Daher werden auch im 2., 3. und 4. Standjahr die Leitäste in eine 45 °-Position gebracht, auf gleicher Höhe eingekürzt und deren Konkurrenztriebe sowie nach innen wachsende Schösslinge am Astring entfernt. Nur tiefer stehende, nach außen gerichtete Zweige, bleiben. Sie werden jedoch nicht eingekürzt und ggf. durch Herunterbinden flach gestellt, sodass sie im laufenden und in den kommenden Jahren Fruchtholz bilden können. Fruchtäste dürfen Leitäste nicht überragen! Die jährlich analoge Behandlung mit Anschnitt der Leitastverlängerungen (auf „Saftwaage“) und des Mitteltriebes wird solange fortgesetzt, bis eine gleichmäßig ausgebildete, ausreichend stabile, dennoch durch Entfernen von Wasserschossen und der nach innen wachsenden Triebe „luftige“ Krone entstanden ist.

Inzwischen sollte genügend Fruchtholz entstanden sein: guter Ertrag bremst das vegetative Wachstum zusätzlich. Nun beginnt die Phase des „ruhigeren“ Baumes.

Früher wurde zum Teil auch eine zweite Leitast-Ebene angelegt, deren Hauptäste kürzer und in Lücke zur unteren Partie angeordnet sein mussten. Dies führte zwangsläufig zu dichteren, schlecht belichteten Kronen und erhöhtem Schnittaufwand. Da die Nachteile überwiegen, kann auf diese zweite Etage verzichtet werden.

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Bei dieser Birne wurde nicht
formiert, sie wächst zu steil
(Foto: Buchter-Weisbrodt)

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Ständiges Einkürzen der Triebe führt zu
dichten Kronen. Früchte bleiben meist
aus (Foto: H. J. Bannier)

Eine abgewandelte Erziehungsmöglichkeit von rundkronigen Halb- und Hochstämmen ist die Hohlkrone, bei welcher der Mitteltrieb herausgenommen wurde. Die Leitäste bilden eine „schüsselförmige“, in der Natur nicht vorkommende und somit atypische Kronenform, die höchstens bei lichtbedürftigen Obstarten wie Pfirsich und Aprikose eine gewisse Berechtigung hat. Bei Apfel, Birne, Zwetschen und Kirsche wirkt die Hohlkrone doch sehr fremd. Außerdem neigen die Seitenäste dazu, nach innen zu wachsen und die Lücke der fehlenden Mitte zu schließen.

Überwachungs- und Pflegeschnitt

Der Baumaufbau ist abgeschlossen; die Ertragsphase hat bereits eingesetzt. Triebe werden jetzt kaum noch angeschnitten. Es gilt, sich überlappende oder kreuzende, sowie kranke und nach innen wachsende Teile zu entfernen. Hängendes Fruchtholz, welches am Scheitelpunkt neue Verzweigungen auslöst, wird an diesen Stellen abgenommen („aufgeleitet“). Dies fördert neben der Qualität des Obstes die Belichtung und Durchlüftung.

Ein wichtiges Augenmerk ist auf eine oft vorhandene Überbauung der Baumspitze zu legen. Außerdem dürfen am Mitteltrieb nicht zu viele Verzweigungen verbleiben. Diese sollten locker angeordnet sein, bei möglichst flachem Astabgang. Wird die Krone zu hoch und zu breit, kann ihr Ausmaß durch Ableiten bereits rechtzeitig – mit dann noch kleinen und besser verheilenden Schnittwunden – reduziert werden. Das oft durchgeführte Einkürzen („schnippeln“) muss ebenso unterbleiben wie Schnitte auf Stummel. Beides führt nur zu dichten, wüchsigen Kronen, die wiederum mit erheblichem Zeitaufwand korrigiert werden müssen.

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70-jähriger Boskoop: lockere Krone nach
fachgerechtem Schnitt (Foto: Siegler)

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Im Sommer nach fachgerechtem Schnitt:
Vollbehang und keine Wasserschosse!
(Foto: Siegler)

Ein gutes Motto lautet: Triebe entweder ganz entfernen oder lang lassen (nicht einkürzen!). Sinnvoll ist es, jährlich nur die notwendige Auslichtung vorzunehmen, was den Baum in seinem Gleichgewicht hält, als alle 5 bis 6 Jahre „Hauruck“-Aktionen durchzuführen, welche dann stärkere Eingriffe erfordern.


Gute Informationen liefert die Video- Schnittserie der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), 53179 Bonn: https://www.youtube.com/watch?v=I4hOfziM-Rs.


Neben den Grundlagen werden in weiteren Beiträgen Pflanz- und Erziehungsschnitt, Maßnahmen zur Erhaltung und Verjüngung älterer Bäume, sowie der Sommerschnitt praxisnah vorgeführt.

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In der Ertragsphase werden die Triebe nicht mehr
angeschnitten, überlappende oder kreuzende und
nach innen wachsende Äste werden entfernt
(Foto: Siegler)

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Auch hängendes Furchtholz wird am
Scheitelpunkt abgenommen, Licht und Luft
muss in die Baumkrone (Foto: Siegler)

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Dieser Apfelhochstamm hat einen optimalen
Baumaufbau (Foto: H. J. Bannier)

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Sinnvolle Überwachungs- und Pflegeschnitte
sichern nun einen regelmäßigen Ertrag
(Foto: H. J. Bannier)

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« Alter Birnbaum ein Jahr nachdem ein fachgerechter Schnitt
ausgeführt wurde (Foto: Siegler)

Verjüngungsschnitt

Wurden Bäume nicht regelmäßig oder fehlerhaft geschnitten oder sogar falsch erzogen, ist die Struktur des Baumes kaum mehr sichtbar. Kronen sind dann oft ungleich ausgebildet, vor allem aber zu hoch, zu dicht, überbaut, mit beginnender Verkahlung und hängendem Holz. Die allgemeine Vitalität des Baumes lässt ebenso nach wie die Fruchtqualität durch altes, vergreistes Fruchtholz mit schwachen, unterernährten Blütenknospen. Nun müssen gezielte Schnitteingriffe für Abhilfe sorgen.

Siegler 11« Zu dichte Krone: Nach starkem Schnitt darf die Nachbehandlung, bestenfalls gleich im Sommer, nicht vernachlässigt werden (Foto: Siegler)

Für die Wiederherstellung einer intakten Baumform sollten Sie dabei mehrere Jahre einplanen. Sägen Sie zunächst im Spitzenbereich einige sehr lange, ausladende sowie senkrecht wachsende, etwa gut armstarke Triebe an ihren Ansätzen oder über einer basisnahen Verzweigung ab. Dies kann bei Kirschen, Mirabellen, Frühzwetschen, Aprikosen und Pfirsichen bereits zur Ernte erfolgen, wo praktischerweise die Leiter bereits angelegt ist. So kann das Pflücken der Früchte bequemerweise am Boden erfolgen. Bei guter Schnittführung und ggf. Nachbehandlung (z.B. Schnittränder mit Messer/Hippe glätten) verheilen die Wunden bei dieser Sommeraktion besser und beruhigen das Wachstum. Dabei gilt es, sehr große Schnitt- und Sägestellen z.B. durch Ableiten zu verhindern, gezielt zu arbeiten und einen starken Rückschnitt großer Kronen nicht in einem Mal durchzuführen. „Mit wenigen Schnitten – viel erreichen“ lautet die Devise!

Siegler 12Kappschnitt ohne Nachbehandlungen in den Folgejahren führt wieder zu hohen
und dichten Kronen (Foto: Siegler) »

Beim notwendigen Auslichten werden hängende, überlappende wie auch kranke Triebe entfernt. Weitere größere Eingriffe erfolgen dann in den nächsten Jahren. So treibt der Baum jeweils moderat, bleibt in seiner Form und seinem physiologischen Gleichgewicht –zumindest weitgehend.

Der Verjüngungsschnitt soll das vegetative Wachstum anregen. Wasserschosse wie auch unerwünschte, nach innen strebende Triebe empfiehlt es sich, bereits im Juni auszureißen. Stehen bleiben nach außen gerichtete Jungtriebe, an denen sich später neues Fruchtholz bildet. Somit wird auch die Ertragszone in tiefere Kronenpartien verlagert.

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Alles richtig gemacht! Man darf sich auf
die Ernte freuen (Foto: H. J. Bannier)

Hubert Siegler,
Bayerische Gartenakademie LWG Veitshöchheim

Obstgehölze jetzt pflanzen

Bokashi-Saft

« Die beste Pflanzzeit für Obstgehölze ist der November (Foto: Buchter-Weisbrodt)

Der beste Zeitpunkt Obstgehölze zu pflanzen ist November. Meist bleiben die (Boden) Temperaturen bis Januar über dem Gefrierpunkt. Und so können die im November neu gepflanzten Obstgehölze gut einwurzeln, wenn kein Dauerfrost im Boden herrscht. Solange die Bodentemperaturen im Wurzelbereich noch über 5 bis 6 °C liegen, bilden die Bäume neue Faserwurzeln. Dadurch gehen die Bäume gestärkt ins kommende Frühjahr. Außerdem ist über Winter meist ausreichend Bodenfeuchte vorhanden, sodass die Obstbäume auch ausreichend mit Wasser versorgt sind. Bei Frühjahrspflanzungen hingegen ist die Wasserversorgung meist eine Herausforderung. Gerade in den letzten Jahren zeichnet es sich immer mehr ab, dass schon die Monate April und Mai sehr trocken und ungewöhnlich heiß waren.

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Für Obstbäume oder Beerenobst, wie hier die Heidelbeere, in Containern ebenfalls ein ausreichend großes Pflanzloch ausheben, Wurzelballen entfilzen, Erde locker einfüllen, antreten und angießen (Fotos: Buchter-Weisbrodt) »

Neu gepflanzte Obstbäume müssen im Frühjahr und über Sommer gegossen werden. Der Gießbedarf ist aber bei im Frühjahr gepflanzten Bäumen ungleich höher.

Die Herbstpflanzung ist vor allem für wurzelnackte Gehölze vorteilhaft. Früher galt es, erst spät, nach dem natürlichen Blattfall der Bäume und Sträucher, wurzelnackte Gehölze in den Anzuchtquartieren in den Baumschulen zu roden und dann erst im November zu pflanzen. Durch diesen späten Rodetermin konnten aktive Blätter noch lange Zeit Reservestoffe in die Knospen der Obstgehölze einlagern und diese somit stärken. Gute Baumschulen halten sich auch heute noch an diese Regel. Für die Herbstpflanzung spricht auch, dass dann die Auswahl an Obstsorten am größten ist und man sich die beste Qualität aussuchen kann. Außerdem kann wurzelnackte Ware, die zudem preisgünstiger angeboten wird, besser transportiert werden.

Für empfindliche bzw. wärmeliebende Obstarten wie Tafeltrauben, Kiwibeeren oder Aprikosen empfiehlt sich die Frühjahrspflanzung, besonders in Regionen mit strengeren Wintern. Der Standort für alle Obstgehölze soll sonnig sein, nicht direkt neben Hecken (Wurzel-, somit Wasser- und Nährstoffkonkurrenz) und auch nicht zu nah an Mauern und befestigten Gehwegen (eingeschränkter Wurzelraum).

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«  Das Pflanzloch muss ausreichend groß sein. Bei Wühlmausgefahr die Wurzel mit einem Drahtgeflecht schützen. (Foto: Buchter-Weisbrodt)

So wird gepflanzt

  • Das Pflanzloch muss ausreichend groß und tief sein, am besten doppelter Durchmesser des Wurzel- bzw. Containerballens. Dies hat den Vorteil, dass in diesem größeren Pflanzbereich der Boden locker ist und durch Zuschlagsstoffe verbessert werden kann. Standen an der Pflanzstelle bereits Obstbäume, sollte der Aushub nicht wieder verwendet, sondern von der Gemüse-, Blumen- oder Rasenfläche entnommen werden. Dieser wird mit etwa 1/3 gut verrottetem Kompost vermischt. Vorteilhaft ist es insbesondere bei schweren und verdichteten Böden, die Sohle der Pflanzgrube weiter mit dem Spaten zu lockern.

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«  Erde, zur Verbesserung mit Kompost gemischt, locker einfüllen und antreten. (Foto: Buchter-Weisbrodt)

  • Pflanztiefe: Die Veredlungsstelle der Obstbäume muss deutlich, etwa ein bis zwei Handbreiten, über dem Bodenniveau bleiben. Containergehölze werden so tief gepflanzt wie die Substratoberfläche war; bei wurzelnackter Ware kommt der Wurzelansatz gut unterhalb der Oberfläche in den Boden. Oft kann man den Übergang an der Rindenfarbe erkennen, wie tief wurzelnackte Gehölze in der Baumschule standen. Hinweis: etwas tiefer pflanzen als „gewohnt“ ist ratsam auf leichten, humusarmen Böden und bei Nachbau. Auch bei der ein-, zwei- oder dreitriebigen Spindelerziehung von Johannisbeeren und besonders von Stachelbeere führt dies zu einer stärkeren Wuchskraft. Bild 3

Baumpfahl nicht vergessen, Baum gut anbinden und die Baumscheibe frei halten (Foto: Buchter-Weisbrodt) »

  • Bei Obstbäumen den Pfahl vor dem Einpflanzen des Gehölzes in der Hauptwindrichtung etwa 10 bis 15 cm vom Stamm entfernt 40 bis 50 cm tief einschlagen.
  • In wühlmausgefährdeten Gärten wird das Pflanzloch von Obstbäumen, vor allem bei Apfelbäumen, mit einem Draht geflecht ausgekleidet. Nach der Pflanzung muss auch die Oberfläche damit bis zum Stamm abgedeckt werden.
  • Trockene Container bzw. wurzelnackte Gehölze werden vor dem Pflanzen in einen großen Eimer Wasser gestellt, damit sich Ballen bzw. Wurzeln mit Wasser vollsaugen.

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« Gut entwickelte, gesunde Wurzeln: einjährige Veredelungen auf Unterlage M9, Apfel-Sämling, Quitte und Birne-Sämling (Foto: Siegler)

  •  Wurzelschnitt: Wurzelnackte Ware hat beim Roden einen Großteil seiner Wurzelmasse verloren. Diese muss geschont werden: nur beschädigte, gequetschte oder aber überlange Wurzeln werden (leicht) eingekürzt, die feinen Faserwurzeln bleiben ungeschnitten. Bei Containerware entfällt meist der Wurzelschnitt. Handelt es sich um einen total durchwurzelten, verfilzten Ballen, so wird dieser am Rand an 3 bis 4 Stellen mit Messer oder Schere keilförmig angeritzt. Auch bei Ringelwurzelbildung werden lange Wurzelzöpfe eingekürzt. Durch diese Maßnahmen können sich neue Faserwurzeln bilden.Bild 7Buchter Weisbrodt 8

« Nur beschädigte oder überlange Wurzeln werden abgeschnitten bzw. eingekürzt (Fotos: links Siegler, rechts Buchter-Weisbrodt)

 

 

H. J. Bannier

3 bis 4 Leitäste verbleiben am Baum, der Mitteltrieb wird in 1 bis 1,5-facher Scherenlänge darüber eingekürzt (Foto: H. J. Bannier) »

  • Der Pflanzvorgang ist zu zweit einfacher. Eine Person hält das Gehölz mittig über der Pflanzsohle in entsprechender Höhe zum Bodenniveau. Die andere Person schaufelt den vermischten Aushub locker in die Grube. Während des Verfüllens das Gehölz immer wieder rütteln, damit die Erde gut zwischen die Wurzeln gelangt. Am Ende dann gut andrücken bzw. leicht festtreten, jedoch nicht „einbetonieren“. Ein Gießwall am Rand der Baumscheibe verhindert das Wegschwemmen von Wasser. Das Angießen (10 bis 20 Liter, leicht einschlämmen) erfolgt auch bei feuchtem Boden und sorgt für guten Bodenkontakt der Wurzeln. Nach dem Einsickern kann noch eine dünne Erdschicht über die Baumscheibe gestreut werden.
  • Baumscheibe bewuchsfrei halten! Die Baumscheibe sollte wegen Mäusegefahr von Mitte September bis April mulchfrei bleiben, danach mit organischem Material, wie angewelktem Rasenschnitt dünn abgedeckt sein, um Bodenfeuchte und Bodengare im Wurzelbereich zu erhalten.
  • Obstbäume gut anbinden, die Schnur am besten in Form einer „Acht“ zwischen Stamm und Pfahl binden.

Pflanzschnitt

Außer den speziellen Säulenobstbäumen, deren Mitteltrieb nicht eingekürzt werden darf, erfolgt bei den anderen Erziehungsarten von Obstbäumen wie Rundkrone, Spindel und Spalieren ein entsprechender Pflanzschnitt.

Dieser kann bei der Herbst- bzw. Frühwinterpflanzung erst im März durchgeführt werden. Er ist v.a. bei wurzelnackten Gehölzen zwingend, da diese beim Roden erhebliche Wurzelmasse verloren haben und mit dem Rückschnitt nun ein ausgewogenes Verhältnis von unter- und oberirdischen Gehölzteilen hergestellt wird.

Bei allen Baumformen wird der Konkurrenztrieb ganz entfernt. Bei der Rundkrone verbleiben 3 bis 4 Leitäste, die zu 50 bis 70 % abgeschnitten werden, sowie der Mitteltrieb, der in 1 bis 1,5-facher Scherenlänge über dem obersten Leitast eingekürzt wird.

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Bei Jungbäumen werden die Äste mittels Gewichten, Schnüren oder Astklammern formiert (Foto: Buchter-Weisbrodt) »

Bei der Spindelerziehung werden außer dem Konkurrenz- und Mitteltrieb alle Seitenäste mit Schnüren, Astklammern oder Gewichten flach bis leicht aufsteigend (ca. 20 °-Winkel) angeordnet. Die formierten Äste werden nicht eingekürzt, was das Triebwachstum bremst und die Blütenbildung im ersten Standjahr fördert. Der Mitteltrieb wird 50 bis 60 cm über dem obersten flachen Seitentrieb abgeschnitten.

 

Hubert Siegler,
Bayerische Gartenakademie LWG Veitshöchheim

VGiD Verband der Gartenbauvereine in Deutschland e.V.

Dachorganisation der Obst- und Gartenbauvereine in Deutschland. Der Verband der Gartenbauvereine in Deutschland setzt sich für die Erhaltung der Gartenkultur und die Pflege der Kulturlandschaft ein. Er ist ein wichtiger Fürsprecher des Freizeitgartenbaus und Partner der Freizeitgärtner.

Kontakt

Kulturzentrum Bettinger Mühle
Hüttersdorfer Straße 29
66839 Schmelz

06887/90 32 99 9
sal-rlp@gartenbauvereine.de

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