Herbst

Der Gemüsegarten im Corona Jahr

Der Gemüsegarten im Corona Jahr

« Salat wächst im Frühjahr und Spätsommer am besten

Das Corona Virus war und ist zweifellos das zentrale Thema des Jahres 2020. Da stellt sich natürlich auch die Frage ob es auch Auswirkungen auf den Garten, in diesem Fall auf den Gemüsegarten hatte. Ich meine, das ist durchaus so. Insgesamt hatten viele Menschen mehr Freizeit (häufig leider ungewollt) als sonst, konnten aber nicht verreisen, viele der sonst üblichen Veranstaltungen im Sommer fielen aus und selbst kleinere private Feiern wurden reduziert. Da war der Garten ein idealer Ort, um neben dem Nutzen (Gemüsegarten) auch den Entspannungsfaktor zu schätzen.

Gartenbaulich war die mittlerweile schon fast normale Trockenheit im Sommer erneut ein Thema, dem man sich stellen musste. Wobei in diesem Jahr zumindest die ergiebigen Niederschläge am Ende des Winters und auch im Frühjahr für ein gutes Wachstum der frühen Kulturen sorgten. Salat, Erbsen, Spinat, Rettich, Radieschen und vieles mehr wuchsen prächtig.

Der Start ins Gemüsegartenjahr war also prächtig und später spielten die lang anhaltenden, relativ angenehmen sommerlichen Temperaturen – extreme Hitzewellen wie in der jüngeren Vergangenheit blieben weitestgehend aus – den klassischen Sommergemüsearten in die Karten. Alles in allem also ein Jahr aus dem man viel machen und ernten konnte, auch wenn es nicht ganz ohne Probleme ablief.

Ungeliebte Gäste im Gemüsegarten

Von den Tierchen, die wir nicht so gerne in unserem Garten haben, gab es diesmal wieder mehr als zuletzt. Die gute Bodenfeuchtigkeit des Frühjahrs gefiel auch den Schnecken. Diese hatte man fast schon vergessen und zugegeben, auch mich überraschten sie in diesem Jahr. Wenn man nicht rechtzeitig reagierte, konnte es durchaus über Nacht Lücken geben auf den Gemüsebeeten. Dass den Schnecken dieser Überraschungsangriff weit verbreitet gut gelungen ist, konnte ich an den vielen Anrufen messen, die mich zu diesem Thema erreichten, sowie an der hohen Nachfrage nach den bestens bewährten Schneckenfallen, die mit Schneckenkorn belegt werden und eine lang anhaltend vorbeugende Wirkung haben, ohne dass das Schneckenkorn in den Boden kommt. In meinem Garten jedenfalls erfreuten sich die Schnecken nur eine kurze Zeit an dem gut gedeckten Tisch.

Neben Schnecken waren Blattläuse und Raupen an verschiedenen Kulturen eine häufige Ursache für Ärgernisse. Gerade bei den Raupen ist so manchem Gartenbesitzer nicht bewusst, dass es außer dem Kohlweißling noch zahlreiche andere Schadschmetterlinge, Falter und Motten gibt, die neben den zahlreichen Gemüsefliegenarten Probleme bei vielen Kulturen auslösen können. Es ist fast nicht möglich, diese ständig alle im Blick zu haben und schon gar nicht bei Bedarf abzusammeln oder gar chemisch so zu reduzieren, dass sie keinen Schaden anrichten. Außerdem will das wohl ohnehin niemand und es muss auch gar nicht sein, denn Schädlingsabwehrnetze mit verschiedenen Maschenweiten sind die einfachste, sicherste, langlebigste, umweltfreundlichste und langfristig preisgünstigste Methode fast alle von außen zufliegenden Schädlinge von Gemüse und Salat fernzuhalten. Besonders häufig sind neben Kohlgemüse, Lauch und Zwiebel betroffen. Aber auch Salat war in diesem Jahr relativ häufig von Gammaeulenraupen oder Minierfliegen befallen. Hingegen sind Blattläuse bei Salat mit lausresistenten Sorten, wie z. B. Ursula oder Mafalda kaum anzutreffen. Hinzu kommen in manchen Gegenden Vögel und Wild, die unsere Gemüse- und Salatpflanzen ebenfalls mögen. Es sieht zwar nicht so schön aus, wenn die Pflanzen mit Netzen zugedeckt sind, der Erfolg entschädigt aber dafür umso mehr und es wird auch nicht erforderlich sein den halben Garten „einzunetzen“, wie manchmal argumentiert wird. Die Vorteile sind also eindeutig in der Überzahl. Notfallmittel sind z.B. Naturen Schädlingsfrei gegen saugende Insekten (z.B. Blattläuse) oder Spruzit Schädlingsfrei gegen saugende und beißende Insekten (z.B. Erdflöhe, Raupen).

Früherer Befall und mehr Schädlingsgenerationen

Durch die sehr milden Winter der letzten Jahre, sowie insgesamt ansteigenden Temperaturen ist sehr deutlich ein Trend zu einem früher beginnenden Schädlingsaufkommen erkennbar. War seither ein Befall beispielsweise mit Gemüsefliegen (Kohlfliege, Möhrenfliege u.a.) ab Ende April / Anfang Mai der Normalfall, hat sich dies deutlich nach vorne verlagert. Zum Teil muss nun schon Ende März damit gerechnet werden. Durch den frühen Schlupf der ersten Generation und die warmen Sommer ergeben sich auch zusätzliche Möglichkeiten zur Bildung von mehr Generationen pro Jahr. Bei den besagten Gemüsefliegenarten sind drei Generationen pro Jahr normal, in diesem Jahr waren es fünf! Wer mit Netzen arbeitet, für den ist dies nicht weiter schlimm. Er muss nur daran denken, seine Kulturen früher und eventuell dauerhafter abzudecken.

Salat besser im Frühjahr und Spätsommer anbauen

Die höhere natürliche Bodenfeuchtigkeit, sowie die Temperaturen von meist um die 20 bis maximal 25 °C im Frühjahr sind für den Anbau von Salat wichtig und von zunehmend immer größerer Bedeutung. Hinzu kommt, dass Salat mit zunehmender Tageslänge von Natur aus ein stärkeres Schoßverhalten zeigt. Ich bin der Meinung, dass Salatanbau mit 0815-Hobbysorten im Sommer heute eigentlich gar nicht mehr funktioniert. Bei guter Kulturführung lassen sich zwar mit Profisorten nach wie vor auch im Sommer gute Ergebnisse erzielen, aber es ist schwieriger geworden und erfordert mehr Aufmerksamkeit des Gärtners. Salat braucht nicht viele Nährstoffe. Im Sommer kann man bei einem guten, humosen Gartenboden auf die Gabe von Düngern fast immer ganz verzichten. Wasser spielt eine zentrale Rolle. Bei Trockenheit sollten alle zwei Tage 15 bis 20 Liter je m² verabreicht werden. Am bestens morgens, sonst nehmen Schnecken die Einladung im nächtlichen feuchten Wohlfühlklima gerne wahr. Auch im Hinblick auf Salatfäule ist dies wichtig.

Eine Alternative zu den kopfbildenden Salatarten können auch im Sommer Schnittsalate sein.

Kleine Mengen, im Abstand von 10 bis 14 Tagen ausgesät, garantieren fast immer eine fortlaufende Ernte ohne Anbauprobleme.

Acr107719084902401415113« Die Gurke 'Zircon' blieb frei von Pilzkrankheiten

Gurken ohne Falschen Mehltau

Zugegeben, es war nicht das beste Jahr, um die Widerstandsfähigkeit von Freiland Gurken gegen Pilzkrankheiten zu testen. Erfreulicherweise gab es Pilzkrankheiten im Gemüsegarten in diesem Jahr insgesamt wenig. Der „Echte Mehltau“ (weißer mehlartiger Belag auf der Blattoberseite) trat nur bei alten, nicht resistenten Sorten auf. Wer dieses Jahr dieses Problem hatte, sollte künftig unbedingt eine andere Sorte anbauen. Fast alle modernen Gurkensorten haben diese Resistenz. Schwieriger ist die Situation beim „Falschen Mehltau“. Hier zeigen sich zunächst gelbe, eckige Flecken auf der Blattoberseite, die sich schnell ausbreiten und Blätter und Pflanze in wenigen Tagen zum Absterben bringen. Hier gibt es keine Sorten mit vollständiger Resistenz, nur mit mehr oder weniger guter Widerstandsfähigkeit. Diese Krankheit tritt jedes Jahr auf, insbesondere bei Temperaturen unter 25 °C in Verbindung mit Feuchtigkeit. 2020 war ein Befall schwaches Jahr. Mit ein bis zwei Behandlungen mit dem Fungizid Alitis Spezial Pilzfrei konnte man bei den meisten Sorten problemlos bis in den Spätsommer hinein ernten. Auch ohne Pflanzenschutz blieben die beiden Sorten 'Diamant' und 'Zircon' gesund. Ergebnisse aus früheren Jahren bestätigten sich hiermit. In Jahren mit geringem Befallsdruck kann man mit diesen Sorten einen perfekten Bioanbau machen, zumal es von 'Diamant' auch Saatgut aus biologischer Vermehrung gibt.

Überhaupt war es ein sehr gutes Gurkenjahr. Traditionell hervorragend war die Freiland Salatgurke 'Mertus'. Aber auch Gewächshausgurken in den verschiedenen Längenabstufungen wie 'Iznik' (kurz), 'Paska' (mittellang) oder 'Bella‘ (lang) brachten Massenerträge.

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« Anbausichere Sorte – Paprika 'Estilo'

Paprika – zuerst zaghaft, am Ende super

Paprika reagiert empfindlich bei kühlen Nächten, insbesondere in der Jugendphase. Dann stockt das Wachstum, das oft bis zum Ende des Sommers nachwirkt. Im Frühjahr und Frühsommer 2020 kam es oft zu relativ kühlen Nächten. Auch wenn es tagsüber schon sommerlich war, sanken die Temperaturen nachts oft auf etwa 10 °C. Das ist Paprika eindeutig zu wenig. In diesem Fall ist der Anbau im Gewächshaus zweifellos von Vorteil.

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 Block Paprika 'Aurelio' »

Als Folge blieben die Pflanzen etwas kleiner, hatten einen späterer Fruchtansatz und eine spätere Fruchtreife als im Optimalfall. Seit Jahren baue ich meine Pflanzen in 15 Liter Pflanzkübeln auf einer überdachten Terrasse an. Erfreulicherweise erholten sich meine anfangs ebenfalls etwas schwächelnden Pflanzen mit steigenden Nachttemperaturen aber sehr schnell und brachten ab etwa Mitte Juli (etwa 14 Tage später als sonst) durchweg ausgezeichnete Erträge. Überragend waren einmal mehr die Sorten 'Aurelio' (blockig), 'Estilo' (lang, spitz) und 'Karpia' (mittellang, spitz).

 

Acr107719084902401415113« Die Gurke 'Zircon' blieb frei von Pilzkrankheiten

Sonnenbrand und Blütenendfäule bei Tomaten

Auch Tomaten kamen bei Pilzkrankheiten glimpflich davon. Ähnlich wie im vergangenen Jahr waren es mehr die physiologischen Störungen, die teilweise den Spaß an der ansonsten sehr guten Tomatensaison etwas trübten. Seit vielen Jahren baue ich meine Tomaten im Freiland mit Überdachung an. Pflanzen, die in Richtung Süd-/Südwest standen und den gesamten Nachmittag der Sonne ausgesetzt waren bekamen gerne Sonnenbrand. Bereits eine Reihe weiter Richtung Osten, trat das Problem überhaupt nicht auf. Da die klassischen, wechselhaften mitteleuropäischen Sommer wohl immer seltener auftreten, scheint mir eine Schattierung nach Südwesten hin eine lohnende Maßnahme zu sein.

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Grün- oder Gelbkragen »

Gut möglich, dass sich damit auch andere Wachstumsstörungen wie Blütenendfäule (Calzuimmangel in den Früchten – schwarze Einsenkungen an der Fruchtspitze) oder Gelb-/Grünkragen (Störung im Kali-/Magnesiumhaushalt –schlecht durchreifende Früchte im oberen Bereich) verhindern lassen. Wichtig ist aber auf alle Fälle auch hier, den Pflanzen viel Wasser zu gönnen, auch wenn sie optisch nicht durstig wirken. Die Pflanzen ziehen daraus ihre Energie und es hält den Saftstrom mit den darin gelösten Nährstoffen aufrecht. Aber trotz dieser kleinen Einschränkungen war es wieder ein tolles Tomatenjahr. Auch der Wintervorrat an Soße und Suppe dürfte gesichert sein.

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« Da kann man nicht meckern

Zusammengefaßt

… war es ein abwechslungsreiches, spannendes und manchmal auch herausforderndes Gemüsegartenjahr. Mit den richtigen Sorten, Materialien und unserem eigenen Zutun war es aber erneut ein äußerst erfolgreiches Jahr, das viel Spaß gemacht hat und Lust auf das Jahr 2021 weckt. Bleiben Sie gesund und freuen wir uns gemeinsam auf ein neues, spannendes Jahr.

 

 

Wolfgang Nixdorf

Quelle:
Diese Artikel sind in den Verbandszeitschriften „Unser Garten“, „Der Hessische Obst- und Gartenbau“ und „Ratgeber für den Gartenliebhaber“ (Dezember 2020) erschienen.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Unser Garten Verlag GmbH, Kulturzentrum Bettinger Mühle, Hüttersdorfer Straße 29, 66389 Schmelz, Telefon 06887 / 90 32 99 9, Telefax 06887 / 90 32 99 8,
www.unsergarten-verlag.de

 

Stammteil Dezember 2020 final 16

 

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Buchtipp

Das Gemüsegarten Handbuch unseres Autors Wolfgang Nixdorf

Ein Praxisbuch für Hobby-Gemüsegärten mit allen Infos zu Bodenvorbereitung, Aussaat, Düngung und Pflege sowie zur Sortenwahl und kulturtechnischer Maßnahmen. Vierte, überarbeitete Auflage 2018, 210 S., DIN A4, Spiralbindung.

 

 

 

 

VGiD Verband der Gartenbauvereine in Deutschland e.V.

Dachorganisation der Obst- und Gartenbauvereine in Deutschland. Der Verband der Gartenbauvereine in Deutschland setzt sich für die Erhaltung der Gartenkultur und die Pflege der Kulturlandschaft ein. Er ist ein wichtiger Fürsprecher des Freizeitgartenbaus und Partner der Freizeitgärtner.

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