Sommer

Gibt es giftige Zucchini?

Gibt es giftige Zucchini?

« Aus eigenen Samen gezogene Zucchini können bitter sein, wenn die Blüten der Mutterfrucht von Zierkürbissen befruchtet wurde

Auch wenn vier Jahre vergangen sind, seit ein Rentner sich mit einem Zucchini-Gericht vergiftete, geistert in manch einem Kopf noch die Angst vor Zucchini aus Nachbars Garten herum. Kann man dieses gesunde Kürbisgewächs jederzeit bedenkenlos essen, fragen sich Hobbygärtner wie Gemüsekunden. Man kann: Einfach probieren und bei Bitternote kompostieren statt kochen.

 

Immer noch bereiten die Schlagzeilen vom Sommer 2015 über todesbringende Killer-Zucchini Gartenbesitzern wie Konsumenten Unbehagen. Gerade bei geschenkten Früchten von Nachbarn und Verwandten meint manch einer, nicht beherzt zugreifen zu können. Dabei gibt es einen einfachen Test: nur wenn Zucchini deutlich bitter schmecken, stimmt etwas nicht – und das kommt nur sehr selten vor. Pflanzen können Giftstoffe enthalten und es ist teils schon seit über tausend Jahren dokumentiert, was welche Art bewirken kann. Die meisten kennen denn auch die Pflanzen, die tödliche Vergiftungen hervorrufen können, etwa Eibennadeln, Fingerhut, Eisenhut, Narzissenzwiebeln, die Samen von Goldregen, Blauregen und Rizinus. Auch die große Familie der Kürbisgewächse (Cucurbitaceae) ist nicht frei von Giftstoffen. Zu den Kürbisgewächsen gehören Melonen, Gurken, Flaschenkürbisse und Gemüse- oder Speisekürbisse. Bei den Gemüsekürbissen finden sich verschiedene Untergruppen. Am bekanntesten sind hier die drei Arten Gartenkürbis (Cucurbita pepo), Riesenkürbis (C. maxima) und Moschuskürbis (C. moschata). Bei den Garten- oder Pepo-Kürbissen reihen sich nebeneinander Zucchini, Rondini, Squash, Spaghetti-, Halloween- und Ölkürbisse ein. Zucchini und andere Speisekürbissorten gehören also derselben Art an, damit müsste sich die Angst vor möglicherweise giftigen Zucchini folgerichtig auch auf die übrigen Kürbissorten erstrecken. Die Vertreter der drei genannten Kürbisarten, zu denen unsere Speisekürbisse bzw. Zucchini zählen, enthalten keine Giftstoffe; auch aus den Gurken wurden die Bitterstoffe heraus gezüchtet. Anders verhält es sich bei den in Europa heimischen Arten aus der Kürbisfamilie: Zaunrübe und Zierkürbisse. Sie enthalten den giftigen Inhaltsstoff Cucurbitacin. Er ruft Übelkeit, Erbrechen und Durchfall hervor. Dabei wirkt er als Zellgift und reizt die Schleimhäute im Verdauungstrakt. Zaunrüben enthalten besonders viele dieser Bitterstoffe, es kann auch zu Lungen-, Herz- und Nierenproblemen kommen.

 

Bitterstoffe in Zucchini

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« Die Kletterzucchini 'Black Fores' zeigt erst im Spätsommer ersten Mehltau

Aber wie können dann in seltenen Fällen Speisekürbisse und Zucchini plötzlich giftiges Cucurbitacin enthalten? Es ist nur denkbar, dass Zierkürbisse oder Zaunrüben ihre Bitterstoff-Gene auf die bitterstofffreien Sorten übertragen haben – was wiederum nur vorkommen kann, wenn man selber Saatgut gewinnt, die Jungpflanzen also nicht von zertifizierten Samen stammen. Wächst eine Zucchini im eigenen Garten und wird von einer in der Nähe stehenden Zierkürbispflanze befruchtet, können die aus den daraus gewonnenen Samen wachsenden Zucchinifrüchte die Zierkürbisbitterstoffe enthalten, die Früchte aus der aktuellen Ernte sind aber noch bitterstofffrei. Im Fall des 2015 verstorbenen 79-jährigen aus Baden-Württemberg könnte erschwerend hinzugekommen sein, dass Trockenheit, der extrem heiße Sommer oder weitere Stressbedingungen den Cucurbitacingehalt noch zusätzlich erhöht haben. Nach Auskunft seiner Frau schmeckte der Zucchini-Auflauf sehr bitter, hätte also auf keinem Fall verzehrt werden dürfen.

 

Gesunde Bitterstoffe

Wenn Kürbisse oder Zucchini bitter schmecken, keinesfalls essen. Das gilt aber nicht generell für alle Gemüsearten, denn nicht alles, was bitter schmeckt, ist auch giftig. Im Gegenteil, es kann sogar höchst gesundheitsförderlich sein. Das gilt für die Inhaltsstoffe, die bewirken, dass Zichoriensalate wie Chicoree, Endivie, Radicchio und Zuckerhut bitter schmecken. Das dafür verantwortliche Intybin ist ein ausgezeichneter Verdauungshelfer: es regt den Galle- und Speichelfluss wie auch die Magensekretion an. Der herb-bittere Geschmack dieser im Milchsaft der Pflanze gelösten Wirksubstanz lässt sich mit Mandarinen- oder Apfelstückchen oder aber mit einer kleinen Zucker- oder Steviazugabe in der Salatsoße mildern. Bei der verbreiteten Unsitte, die essfertig zerteilten Blätter in warmem Wasser einzulegen, wird nicht nur das gesundheitsförderliche Intybin ausgeschwemmt, auch wertvolle wasserlösliche Vitamine gehen verloren. Deshalb ist es wichtig, die Blätter als Ganzes zu waschen und dann erst in feine Streifen oder größere Blattstücke zu schneiden.

 

Kürbis- und Zucchiniblüten

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« Kürbisblüten lassen sich genauso zubereiten wie Zucchiniblüten

Etliche unserer Gemüsekürbisse gehören derselben Art wie Zucchini an: Cucurbita pepo. Genau genommen sind Zucchini unreif geerntete Speisekürbisse, deshalb sehen sich auch die Blüten so ähnlich: handgroß, knallgelb, fünfzipfelig, trichterförmig. Sie haben dieselben Inhaltsstoffe und Eigenschaften. Kürbisblüten lassen sich also genau gleich verwenden wie Zucchiniblüten: fein geschnitten roh über Salate oder Suppen streuen, kochen, gratinieren, füllen und dann in der Pfanne braten.
Werden nur männliche Blüten geerntet – daran erkennbar, dass sie keinen runden oder länglichen Fruchtansatz unter dem Blütenboden haben – gibt es keinen Ertragsverlust. Die Blüten von Zierkürbissen sollte man allerdings meiden, da alle Pflanzenteile das bittere Cucurbitacin enthalten können.

 

Dr. Helga Buchter-Weisbroth

Quelle:
Diese Artikel sind in den Verbandszeitschriften „Unser Garten“, „Der Hessische Obst- und Gartenbau“ und „Ratgeber für den Gartenliebhaber“ (August 2020) erschienen.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Unser Garten Verlag GmbH, Kulturzentrum Bettinger Mühle, Hüttersdorfer Straße 29, 66389 Schmelz, Telefon 06887 / 90 32 99 9, Telefax 06887 / 90 32 99 8,
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