Herbst

Heidegarten planen, anlegen und pflegen

Zu einem Bauerngarten passen Tatholzstrukturen gut. Hier wurden sie nur an der windexponierten Seite verwendet, sonst tut es ein Staketenzaun

« Die Kombi­nation mit höheren Gehölzen bringt Struk­tur in den Heidegarten

Mit einer geschickten Kombi­nation der Heidekraut-Arten Calluna und Erica lässt sich rund ums Jahr eine aparte Blütenpracht in den Garten zaubern. Vorausge­setzt der Heidegarten wird richtig geplant, angelegt und gepflegt. Die Besen- und auch die Winter­heide bleiben zwar in der Regel relativ klein, zeichnen sich aber durch Robustheit, Vielfältigkeit und Flexibilität aus. Damit die Planung und Anlage eines Heide­gartens erfolgreich wird, gilt es einige Kriterien zu beachten.

 

Planen

Bevor ein Heidegarten angelegt wird, muss erst abgeklärt werden, wie viel Fläche dafür genutzt wer­den kann. Sie sollte nicht zu klein sein, weil sich sonst nur schwer eine gewisse Weitläufigkeit erzie­len lässt. Empfehlenswert wären etwa 100 qm. Natürlich geht es auch kleiner. Dann gilt es weitere Fragen zu klären. Zum Beispiel, welche Blickachsen sollen sich für den späteren Betrachter er­geben? Ist das geplante Gelände geeignet oder entstehen durch Gebäude und Bäume zu viel Schat­ten? Das ist deshalb wichtig, weil Heidepflanzen einen vollsonnigen Standort bevorzugen. Eignet sich der Boden oder muss er vorher noch aufwändig bearbeitet oder gar ausgetauscht werden?

Auch an weitere Elemente, die später das Gesamtbild des Hei­degartens abrunden, sollten ge­dacht werden. Das können größe­re Steine, Statuen, Bäume, Gräser oder Koniferen sein. Um einen zu starken Schattenwurf zu vermeiden, bekommen hohe Elemente einen Platz am nördlichen oder östlichen Rand des künftigen Hei­degartens.

Damit keine größeren Bereiche in bestimmten Zeiten ohne Blü­ten sind, werden jeweils die im Sommer blühenden Sorten neben den im Winter blühenden ange­ordnet. Planen Sie auch einen kleinen Pfad ein, der sich durch die Beete zieht. Dieser kann aus Rindenmulch, Kies oder Sand auf­geschüttet werden. Ein solcher Pfad hat gleich mehrere Vorteile. Der eine wäre der leichtere Zuweg für die späteren Pflegearbeiten. Der andere, so kann der Garten­besucher regelrecht in den Hei­degarten „eintauchen". Und nicht zuletzt bekommt der Heidegarten so auch noch ein wenig Struktur. Noch mehr Schwung bekommt der Heidegarten durch Höhen­unterschiede, die sich durch Auf­schüttungen realisieren lassen.

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Erica carnea verträgt Fröste von über -10°C und blüht sogar im Schnee »

Vorbereitungsarbeiten

Bevor es ans Einpflanzen geht sollte die Fläche nicht nur gründ­lich von jeglichen Wildkräutern be­freit, sondern auch sonst entspre­chend vorbereitet werden. Denn nicht jede Gegend hat den pas­senden Boden für Heidepflanzen. Wie viel Zeit für die Vorbereitung der Fläche benötigt wird, hängt stark von der Art und Beschaffen­heit Ihres Bodens ab. Prinzipiell kann eigentlich jede sonnige Flä­che in einen Heidegarten verwan­delt werden. Sinnvoll ist es mit einer Bodenprobe den pH-Wert zu bestimmen. Alle Heidepflanzen mögen einen sauren Boden mit einem pH-Wert von 4,0 bis 5,0. Dort wo der Boden sehr kalkhaltig ist – mit einem pH-Wert höher als 7,0 – vergilben die Heidekräuter und sterben ab. Sandiger Boden ist für eine Vorbereitung zum Heidegarten besser geeignet als lehmiger. Denn bei letzterem wird zusätzlich eine Drainage aus kalk­freiem Kies benötigt, um Stau näs­se zu verhindern. Insgesamt ist es wichtig, die Fläche gründlich von Beikräutern zu befreien. Ist der Boden nur leicht kalkhaltig, kann er durch das Einarbeiten von Torf angesäuert werden. Allerdings wird heutzutage aus ökologischen Gründen gern auf Torf verzichtet. Dazu gibt es auch Alternativen. Zum ansäuern eignet sich Rin­denkompost von Nadelhölzern oder anderer Naturfaser-Mulch. Selbst bisherige Blumenrabatten sollten so bearbeitet werden, es sei denn sie wurden schon vorher als Moorbeete angelegt. Selbst in bereits vorhandene Moorböden sollte zur Auflockerung kalkfreier Sand eingearbeitet werden. Auch ehemalige Rasenflächen können umgearbeitet werden. Dazu wer­den die Grassoden entweder zwei Spaten tief unter gegraben oder ausgehoben. Sie können dann zur Modellierung des Moorbeetes verwendet werden.

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Der vorher gut getauchte Wurzel­ballen darf beim Einpflanzen gerne einen halben Zentimeter mit Gartenerde bedeckt werden »

Pflanzen auswählen und einsetzen

Wird der Heidegarten neu ange­legt, rechnet man pro Quadrat­meter mit ungefähr acht bis zwölf Pflanzen. Bevor diese aber ein­gepflanzt werden, kommen erst noch die Begleitpflanzen hinein. Dafür passen säulenförmige und klein bleibende Gehölze oder Koniferen, wie etwa Azaleen, Hortensien, Rhododendren oder Skimmien. Denn auch sie gedei­hen prächtig im sauren Boden. Hochwachsende Exemplare wer­den stets am nördlichen oder östlichen Rand eingepflanzt. Wie der Name schon sagt bilden die Heidekräuter, wie die Besenheide (Calluna vulgaris) und die Winter­heide (Erica carnea) die Hauptkul­turen im Heidegarten. Daneben eignen sich als weitere Begleiter auch noch andere Moorbeetpflan­zen, wie zum Beispiel Wald-Hei­delbeeren {Vaccinium myrtillus), Preiselbeeren (Vaccinium vitis idaea), Cranberries (Vaccinium macrocarpon), Maiglöckchen­heide (Cassiope) oder Rebhuhn­beere (Gaultheria procumbens). Des Weiteren passen in den Hei­degarten ebenfalls alle Arten von Gräsern, Nadelgehölzen, wie etwa Wacholder, Eibe und Zwergkie­fer sowie Laubgehölze wie Birke, Ginster oder Scheinhasel.

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Die einzelnen Pflanzen auf dem Beet verteilen. Dabei die Pflanzen­größe beachten, damit sie sich nicht ge­genseitig verdecken »

Pflanzzeit und Pflanzabstand

Die passenden Jahreszeiten, um einen Heidegarten zu Bepflanzen, sind der Herbst und das Frühjahr. Dazu werden die gleichen Pflan­zen jeweils in Gruppen von bis zu drei Stück nebeneinander ein­gepflanzt. So bekommt der Hei­degarten seinen typischen Cha­rakter. Vor dem Einpflanzen den Wurzelballen gut wässern und mit den Händen vorsichtig ein wenig lockern. Die Pflanzen dürfen gerne auch ein kleines bisschen tiefer als sie im Pflanztopf gewachsen sind eingepflanzt werden. So be­kommen sie einen besseren Halt im Beet und wachsen gut an. Die Wurzelballen sollten nicht aus der Erde ragen. Was den Pflanz­abstand betrifft, hängt dieser ent­scheidend von der Wuchsstärke der Art und Sorte ab. Bei kleineren Sorten genügt ein Abstand von 15 bis 20 Zentimeter, bei mittelstarken 30 bis 40 Zentimeter und bei stark wüchsigen 40 bis 60 Zentimeter. Damit die Pflanzen direkt für den Start neue Kraft bekommen, beim Einpflanzen etwas Hornspäne zugeben.

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Heidekraut lässt sich gut mit Nadelgehölzen kombinieren »

Notwendige Pflegemaßnahmen

Wenn alle Pflanzen im Heidegarten eingesetzt wurden, sollte der Boden mit Rindenmulch (von Nadelgehölzen) abgedeckt werden. So haben unerwünschte Beikräuter weniger Chancen aufzukeimen. Wildkräuter die trotzdem hervorsprießen sollten regelmäßig manuell gejätet werden. Denn mit einem Grubber reißt man sonst die flach wurzelnden Heidekräuter ebenfalls mit aus. Mit einem Rückschnitt sollen die Pflanzen auch in den kommenden Jahren zu einer üppigen Blüte angeregt werden. Bei stark wachsenden Heidepflanzen einfach die Blütenrispen vom Vorjahr entfernen. Genau wie beim Lavendel keinesfalls zu tief ins alte Holz schneiden. Auch länger gewordene Zweige abschneiden. Wer nur niedrig wachsende Heidekräuter hat, braucht gar nichts oder nur wenig zurückschneiden. Denn wenn die Schere zu radikal angesetzt wird kann es passieren, dass die Pflanzen spärlicher blü­hen. Dann macht der Gärtner das was in der freien Natur die Heid­schnucken tun. Hilfreich ist diese Faustregel: Was üppig wächst wird stark und was schwach wächst wird spärlich zurückgeschnitten. Heidekräuter die hierzulande be­heimatet sind, brauchen keinen Winterschutz. Nicht so die Arten, die ursprünglich aus milderen Ge­bieten Europas stammen. Dazu gehören unter anderem die Irische Heide (Daboecia cantabrica), die Baumheide (Erica arborea), die Grauheide (Erica cinerea), Corn­wall-Heide (E. vagans) und E. cilia­ris. Sie alle brauchen etwas Schutz vor zu starker Kälte und vor dem Austrocknen im Winter und sind daher in der Tabelle unten nicht vertreten. Als Schutz eignet sich eine Decke aus Nadelzweigen. Die nachfolgenden Beispiele sind ein Vorschlag für einen Heidegarten, der nahezu das ganze Jahr hin­durch blüht.

Mehr zu verschiedenen Heide­arten unter https://www.heide­trends.de/tl_files/download/Hei­de_Arten_Sorten.pdf

Christine Schonschek

 
Larve eines Marienkäfers

Quelle:
Diese Artikel sind in den Verbandszeitschriften „Unser Garten“, „Der Hessische Obst- und Gartenbau“ und „Ratgeber für den Gartenliebhaber“ (Oktober 2021) erschienen.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Unser Garten Verlag GmbH, Kulturzentrum Bettinger Mühle, Hüttersdorfer Straße 29, 66389 Schmelz, Telefon 06887 / 90 32 99 9, Telefax 06887 / 90 32 99 8,
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VGiD Verband der Gartenbauvereine in Deutschland e.V.

Dachorganisation der Obst- und Gartenbauvereine in Deutschland. Der Verband der Gartenbauvereine in Deutschland setzt sich für die Erhaltung der Gartenkultur und die Pflege der Kulturlandschaft ein. Er ist ein wichtiger Fürsprecher des Freizeitgartenbaus und Partner der Freizeitgärtner.

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