Herbst

Herbsthimbeeren

Herbsthimbeeren

Seit die Himbeersorte 'Autumn Bliss' auf dem Markt ist, hat sich der Anbau der Herbstkulturen schlagartig vervielfacht, eine weitere Züchtung ist gefolgt. Einfache Erziehung, robuste Ruten, hoher Ertrag bis Frostbeginn - aufgrund der vielen Vorzüge eignen sich die neuen Herbsthimbeersorten für Erwerb und Garten gleichermaßen.
Neben den einmaltragenden Himbeersorten, die im Frühsommer reifen, gibt es mehrere Sorten, die an einer Rute zweimal tragen. Sie werden als remontierende oder Herbsthimbeeren bezeichnet. Sie fruchten bereits im Herbst an den einjährigen Ruten und bringen im nächsten Frühsommer an denselben Ruten eine zweite Ernte. Sollen die Erträge der Herbsternte möglichst hoch ausfallen, müssen nach Abschluss der Ernte, meist Ende Oktober, die abgeernteten Ruten bodennah abgeschnitten werden; die Frühsommerernte entfällt dadurch.

Mit Herbsthimbeeren können alle diejenigen zum Himbeeren-Essen bekehrt werden, die diese Frucht nur aus einem Grund meiden: die Angst vor "Würmern", also dem Befall mit den Maden des Himbeerkäfers. Während der Blüte der Herbstsorten ist die Ablegezeit des Himbeerkäfers bereits vorüber, es gibt also keine wurmigen Früchte. In den letzten Jahren hat sich der Reifebeginn der remontierenden Sorten immer mehr in den Sommer verschoben.
'Autumn Bliss' zeigte im Jahr 2000 bereits Mitte Juli reife Beeren, in diesem Jahr gab es Ende Juni – also gleichzeitig mit den Sommersorten – an den frisch aufgewachsenen Ruten erste Früchte.

Remontierende Sorten

Das frühere Sortiment an Herbsthimbeeren wurde bis zum 2. Weltkrieg von 'Lloyd George' dominiert. Dann folgten 'Zefa Herbsternte', eine Züchtung aus der Schweiz und 'Korbfüller' (Himbaba) aus Deutschland. In Nordamerika werden 'Amity', 'Scepter', 'Southland' und 'Redwing' angepflanzt. In Frankreich sind 'September' und 'Heritage' verbreitet. Inzwischen löst die englische Züchtung 'Autumn Bliss' weltweit die meisten anderen Sorten ab. Vielfach kam der Anbau von Herbsthimbeeren überhaupt erst mit dieser Sorte in Schwung.
In der Schweiz gibt es bereits mehr Anbauflächen mit 'Autumn Bliss' als mit allen anderen sommertragenden Sorten zusammen. Der kometenhafte Aufstieg hat mehrere Gründe: die einfache Erziehungsform, die nur wenige Handgriffe erfordert, der hohe Ertrag und die überdurchschnittlich hohe Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten.
Im Frühjahr 2000 kam mit 'Himbo-Top' eine weitere Herbsthimbeere auf den Markt. Sie reift Ende August und besticht durch ihre großen, leuchtend roten, aromatischen und im Gegensatz zu 'Autumn Bliss' gut lösenden Früchte.
Aufgrund der hohen Nachfrage ist Pflanzmaterial erst ab Frühjahr 2002 wieder erhältlich (Promo-Fruit, Telefax 004118791188, www.promo-fruit.ch).
Es gibt auch Besonderheiten unter den herbstreifenden Himbeeren, die sich durch ihre Fruchtfarbe von den herkömmlichen Sorten abheben:
'Fallgold' hat mittelgroße, mittelfeste, aromatisch-süße, bei Vollreife leuchtend gelb gefärbt Früchte.
'Golden Bliss' ist eine gelbfrüchtige Mutante der Sorte 'Autumn Bliss', alle übrigen Eigenschaften entsprechen der Muttersorte.
'Bababerry' wurde 1973 in Kalifornien gefunden. Die mittelgroßen, relativ festen Früchte sind tief dunkelrot gefärbt und haben ein ausgeprägtes Wildbeerenaroma. Die Herbsternte setzt im September ein, die Sommerernte bereits Anfang Juni. Die Pflanzen sind anfällig für Spinnmilben und Botrytis, die Winterfrosthärte ist gering.

Erziehung

Im Gegensatz zu anderen Himbeersorten lässt sich die Herbsthimbeere 'Autumn Bliss' mit einem einfachen Hilfsgerüst ohne Bindearbeiten erziehen. Als Gerüst genügt ein 60 cm breites, waagerecht angebrachtes Knotengitter in 80 bis 90 cm Höhe. Die Jungruten wachsen durch das Gitter und finden ausreichend Halt für die etwa 140 cm langen Ruten.
Die Früchte setzen größtenteils oberhalb des waagerechten Drahtgitters an. Der Schnitt besteht lediglich im Abschneiden sämtlicher Ruten nach Ernteabschluss Anfang November bis spätestens Mitte Dezember direkt über dem Boden.
Im Erwerbsanbau werden vielfach Motorsensen oder Mähbalken eingesetzt. Im Frühjahr treiben neue Ruten aus und wachsen durch das Maschengitter.
Die Reihen sollten nicht breiter als 60 cm sein, da sonst die Fruchtqualität im Reiheninnern leidet.

Autumn Bliss

Die sortengeschützte Mehrfachkreuzung aus 'East Malling', England/GB ist seit 1983 im Handel und bei zahlreichen Obstbaumschulen und Gartencentern erhältlich.
Die Früchte sind groß, fest, mittel- bis dunkelrot und leicht bereift, also nur schwach glänzend. Mittelspäter Austrieb, starker Wuchs und zahlreiche mittelstark bewehrte, bereifte Jungruten kennzeichnen die Pflanze. Aufgrund der hohen Widerstandsfähigkeit gegen Phytophthora-Wurzelfäule und weil sie nicht von Blattläusen befallen werden, die Himbeermosaik-Viren übertragen, eignet sich 'Autumn Bliss' auch für den Garten.
Die positiven Eigenschaften bezüglich Pflanzengesundheit und Erziehung werden ergänzt durch die Fruchtqualität, vor allem aber durch die Ertragsleistung. In Leistungsversuchen mit anderen Herbstsorten liefert 'Autumn Bliss' meist doppelt so hohe Erträge.
Im Vergleich zu vielen Sommer-sorten hat 'Autumn Bliss' allerdings ein weniger ausgeprägtes Aroma bei leicht säuerlichem Geschmack und nur mittlerer Pflückbarkeit.

Dr. Helga Buchter-Weisbrodt
Mit freundlicher Genehmigung der Unser Garten Verlagsgesellschaft mbH., Kaiserstr. 77, 66133 Saarbrücken-Scheidt, Tel. 0681-812040, Fax 0681-812040. Erschienen in den Sptember-Ausgaben 2001 der Verbandszeitschriften "Unser Garten", "Der Hess. Obst- und Gartenbau" und "Ratgeber für den Gartenliebhaber".

VGiD Verband der Gartenbauvereine in Deutschland e.V.

Dachorganisation der Obst- und Gartenbauvereine in Deutschland. Der Verband der Gartenbauvereine in Deutschland setzt sich für die Erhaltung der Gartenkultur und die Pflege der Kulturlandschaft ein. Er ist ein wichtiger Fürsprecher des Freizeitgartenbaus und Partner der Freizeitgärtner.

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