Herbst

Insektenlfreundliche Gärten: Totholzhauf

Zu einem Bauerngarten passen Tatholzstrukturen gut. Hier wurden sie nur an der windexponierten Seite verwendet, sonst tut es ein Staketenzaun

« Zu einem Bauerngarten passen Tatholzstrukturen gut. Hier wurden sie nur an der windexponierten Seite verwendet, sonst tut es ein Staketenzaun

Der Lebensraum Holz ist für Insekten ein wahrer Hotspot – daher widmen wir dem Totholz eine eigene Geschichte. Gibt es etwas Lebendigeres als Totholz?.

Morsches Holz ist ein fantastischer Lebensraum für so viele Insektenarten, dass man sich fragt, wie man ohne diese vielen, vielen Tierchen in unseren aufgeräumten Gärten eigentlich auskommen kann. Vor allem für Käfer, die artenreichste Gruppe der Insekten, ist totes Holz lebensnotwendig.
Es braucht nicht viel im Garten, eigentlich nur einen Quadratmeter, wo ein wilder, unaufgeräumter Asthaufen nicht stört. Weder optisch von der Zeit her. Denn da Zerfallsprozesse langsam ablaufen, sollte ein Totholzhaufen, eine Benjeshecke oder ein Käferbeet auch Zeit haben dürfen. Anders ausgedrückt: legen Sie sie nur dort an, wo sie auch bleiben können, zumindest ein paar Jahre.

 

VGiD Gartenthema Juni 2021 02

Ein Totholzhaufen entwickelt sich mit der Zeit zu einem Hotspot in Sachen Artenvielfalt, mit Brennnesseln, heimischen Blüten usw. »

Totholzhaufen

Sozusagen das Starter-Kit in Sachen Totholz im Garten. Einfacher geht's nicht: einfach Äste, Zweige, Baumstämme irgendwo liegen lassen. Aber natürlich kann man es auch fundierter angehen, im wahrsten Sinn. Als Basis eine flache Grube, da hinein Äste und Laub, sodass dieses Fundament auch grabbar bleibt und Igeln oder Amphibien als Quartier diene kann. Dann einfach Äste, Wurzelteile in stabiler Weise aufhäufen und immer wieder nach oben ergänzen.

 

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« Im zivilisierten Mitteleuropa ist Totholz nicht alltäglich. Man muss schon in Naturschutzgebiete gehen, um seine Dimension und Wichtigkeit in Ökosystemen erahnen zu können

Benjeshecke

Von den Brüdern Benjes nicht erfunden, aber aufgegriffen und propagiert ist diese Heckenform seit den 1980ern in vielen Gärten ausprobiert worden. Sie löst nicht nur das Problem Grünschnitt (zumindest teilweise), sondern ist auch ein großartiges kleines Ökosystem und ein wertvoller Windschutz. Zwischen zwei Reihen senkrechter Holzpfähle (etwa mit Abstand von 50 cm), die 30 bis besser SO cm in den Boden eingeschlagen werden, schichtet man tote Äste und frischen Grünschnitt auf. Ganz wichtig ist auch das Festtreten des Materials - es macht allen Spaß auf den Ästen herumzuspringen. Der Abstand der Pfosten zueinander in der Reihe und ihre Höhe richtet sich ganz nach dem Material und den Wünschen nach Sichtschutz usw. Sackt das Material mit der Zeit zusammen, so schichtet man einfach Neues darauf, Schnitt fällt ja ohnehin immer wieder an. Werden Holzpfähle morsch, ersetzt man sie durch Neue. Die Hecke ist vom Boden auf dicht, daher bietet sie dem Wind einen feste Widerstand. Um Gemüsegärten oder an Grundstücksgrenzen sind sie daher besonders willkommen und können auch als Wall gestaltet werden. Auch Erde oder Laub kann immer wieder zwischen den Lagen eingebracht werden, muss aber nicht. Der Wind bringt Samen heran, Tiere schleppen andere herbei, sodass aus dem Haufen schließlich eine Hecke wird. Die Totholzhecke wird also auch sichtbar lebendig. Igel, Eidechse, Erdkröte, Spitzmaus und Singvögel ziehen ein. Insekten sind schon da.

 

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Spechte bauen vor, Meisen, Stare und Fledermäuse ziehen nach. Nur in alten Bäumen sind Höhlen möglich »

Käferbeet

Tragen Sie dicke Äste oder ganze oder halbierte Baumstämme an einem geeigneten Ort zusammen. In einem Käferbeet kommen Äste nicht in ganzer Länge wie bei Tot-holzhaufen oder Benjeshecke, sondern in kompakten kürzeren Stücken zum Einsatz. Das kann SO cm sein oder auch einen Meter Länge, je nachdem, wie das Käferbeet gestaltet werden soll. Die Idee ist, die Teile aufzustellen oder auch hinzulegen, aber so, dass sie sich nicht mehr bewegen können. Also zum Beispiel bis zu einem Drittel ihrer Länge oder ihres Durchmessers eingraben und nicht bloß lose aufhäufen. Die Stämme können ganz eng stehen oder mit Zwischenraum, der mit Holzhäcksel aufgefüllt wird. Was zerfällt bleibt, neues Holz kann aber immer ergänzt werden. Um die Prozesse wie Zerfall und Besiedelung gut beobachten zu können, kann so ein Käferbeet auch durch einen Weg geteilt werden. So kann man links und rechts bequem die Wunder, die sich hier bieten, verfolgen. Auch in Kindergärten, Gemeinschaftsgärten oder Schulgärten eine wunderbare Sache, die auch gemeinsam mit den Kindern gebaut werden kann (siehe Links).

 

Acr107719084902401415113 « Moose, Flechten und Algen und mehr als 1500 Pilze besiedeln Totholz

Totholz am Baum

Haufen, Hecken und Beete sind super, aber vielleicht nicht überall möglich oder gewünscht. Bevor ein Ast oder Zweig zu einem Haufen wird oder in Hecke oder Beet wandert, wächst er auf dem Baum. Der Mindestbeitrag in Sachen Totholz heißt also: totes Holz einfach am Baum belassen. Dort natürlich, wo es möglich ist und kein Sicherheitsrisiko etwa bei Ernte- oder Schneidearbeiten darstellt. Alte Obstbäume wurden gerodet, heute werden sie wieder gepflanzt oder alte Anlagen wieder genutzt und erhalten. Streuobstwiesen mit locker stehenden, alten Bäumen gehören zu den besonders wertvollen Flächen. Familien tun sich zusammen und ernten gemeinsam die Äpfel und Birnen, um sie bei Landwirten pressen zu lassen und dann - abgefüllt - ein Jahr lang zu trinken bis zur nächsten fröhlichen Ernteaktion. So rücken alte Obstgärten wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Und Bilche, Fledermäuse, Spechte, Singvögel und hunderte Insektenarten können weiterleben.

 

Wolfgang Nixdorf

Was kann man im Garten tun?

• Benjeshecke anlegen, wo genügend Platz ist
• Totholzhaufen aufschichten, wenn wenig Platz ist
• Käferbeet anlegen
• Oder einfach nur Äste unter Hecken liegen lassen
• Alte Obstbäume stehen lassen
• Tote Äste an Bäumen belassen
• Alte Obstgärten und Streuobstwiesen in der Gegend erhalten helfen
• Gemeinsam mit Kindern bauen und beobachten

Hilfreiche Links und Downloads:</h3

Broschüre Insekten im Fokus:
https://www.kinder-garten.de/fileadmin/kiga/kiga-documents/workshop/kiga_ws_totholz_anleitung.pdf
https://www.naturverbindet.at/files/NATUR%20VERBINDET/KaeferbeetUndTotholzhaufen.pdf

Quelle:
Diese Artikel sind in den Verbandszeitschriften „Unser Garten“, „Der Hessische Obst- und Gartenbau“ und „Ratgeber für den Gartenliebhaber“ (Juni 2021) erschienen.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Unser Garten Verlag GmbH, Kulturzentrum Bettinger Mühle, Hüttersdorfer Straße 29, 66389 Schmelz, Telefon 06887 / 90 32 99 9, Telefax 06887 / 90 32 99 8,
www.unsergarten-verlag.de

VGiD Verband der Gartenbauvereine in Deutschland e.V.

Dachorganisation der Obst- und Gartenbauvereine in Deutschland. Der Verband der Gartenbauvereine in Deutschland setzt sich für die Erhaltung der Gartenkultur und die Pflege der Kulturlandschaft ein. Er ist ein wichtiger Fürsprecher des Freizeitgartenbaus und Partner der Freizeitgärtner.

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