Herbst

Kaiser des Gartens: Der Kürbis

Kaiser des Gartens: Der Kürbis

Handliche, dekorative Speisekürbisse
– besonders apart schmeckt der winzige ‘Jack be Little’
(vorne links).

Gemüsekürbisse finden sich in nahezu jedem Garten – zumindest in Form von Zucchini. Dieses buschig wachsende, anspruchslose Sommergemüse gehört derselben Art an wie etliche der lagerfähigen Kürbissorten. Ein Blick auf die Familienverhältnisse erklärt alles: Die große Einheit der Cucurbitaceae beherbergt nebeneinander Melonen, Gurken, Flaschenkürbisse und Gemüse oder Speisekürbisse. Bei den Gemüsekürbissen finden sich verschiedene Untergruppen. Am bekanntesten sind dabei die drei Arten Gartenkürbis (C. pepo), Riesenkürbis (C. maxima) und Moschuskürbis (C. moschata). Bei den Garten oder PepoKürbissen reihen sich nebeneinander Zucchini, Rondini, Squash, Acom-Sorten, Spaghetti, Halloween und Ölkürbisse ein. In Bezug auf den richtigen Umgang mit Gemüsekürbissen sind die Verwandtschaftsverhältnisse weniger wichtig als die Praxiseinteilung in Sommer und Winterkürbisse. Als Winterkürbisse gelten alle Sorten, die vollreif geerntet werden und sich dann einige Monate lagern lassen. Zu den Sommerkürbissen zählen alle Sorten, die man lange vor der Vollreife isst. Sie bleiben, gut gekühlt, bestenfalls 10 Tage frisch. Natürlich kann man Sommerkürbisse bis zur Vollreife an der Pflanze belassen, sie sind dann strohigfaserig und im besten Fall nur fad, teils haben sie sogar einen richtig unangenehmen Geschmack. Sie haben vollreif eine genauso harte Schale wie die bekannten Lagersorten und lassen sich entsprechend lange aufbewahren. Nach dieser Definition zählen Zucchini, Rondini, Squash (Patisson) und Runder aus Nizza (Tondo di Nizza) zu den Sommerkürbissen.

Erfolgserlebnis

Eigentlich ist der Kürbis, bei den Chinesen als „Kaiser des Gartens“ bezeichnet, ein ideales Gewächs, um Kinder für den Garten zu begeistern: Einfache Aussaat dank großer Samen, rasches Auflaufen in wenigen Tagen, in kurzer Zeit viel Blattmasse, intensiv farbige Riesenblüten, kaum Pflegeaufwand bis zur Ernte und unzählige Verwendungsmöglichkeiten. Aber auch für den erwachsenen Müßiggänger im Garten ist der Kürbis genau das Richtige: Hoher Zierwert, vielseitiger Nutzen und kaum Arbeit. Rankende Sorten bedecken in kürzester Zeit große Flächen und ersparen das Jäten. Auch Hacken erübrigt sich. Mauern, Zäune und Gerüste las sen sich auf effektvolle Weise begrünen. Wer eine große Wandfläche oder einen abgestorbenen Baum mit einem besonderen Gewächs überziehen will, wählt am besten einen Flaschenkürbis. Seine samtigweichen, intensiv dunkelgrünen Blätter, die bis zum Frost erscheinenden weißen Blüten und die aparten Früchte bieten einen außergewöhnlichen Anblick.

Von der Aussaat ...

Frost vertragen die wärmeliebenden Pflanzen nicht. Sie dürfen also erst nach den letzten Frostnächten ins Freie. In milden Klimaten kann das bereits Mitte/ Ende April sein. Dementsprechend beginnt die Anzucht etwa 3 Wochen vorher. Wird der Garten von Schnecken heimgesucht, sollte die Kürbispflanze mindestens 8 gut entwickelte Blätter tragen, um diesen Kürbisliebhabern davonwachsen zu können. Sommerkürbisse mit ihrer kurzen Entwicklungszeit zwischen Blüte und Ernte kann man bis Anfang Juli aussäen. Die meisten Winterkürbisse benötigen über 100 Tage bis zur Erntereife, sollten also spätestens Ende Mai ausgesät werden, falls der erste AussaatVersuch erfolglos blieb. Die wichtigsten Zahlenangaben: Saattiefe entsprechend der Samengröße 1 bis 2 cm. Pflanzabstand in Abhängigkeit von der Wuchsform 1 m in der Reihe und 1 m zwischen den Reihen bei buschig wachsenden Kürbissen; 3 m in der Reihe, 1 m zwischen den Reihen bei rankenden Sorten.

Wenn man bedenkt, dass die Ranken bei einzelnen Sorten problemlos 12 m lang werden, empfiehlt es sich, die Pflanzstelle mit einem absolut verlustsicheren Namensschild zu versehen, um die Sorte zur Erntezeit entlang der Ranken zurückverfolgend an ihrem Ursprung identifizieren zu können, falls man sie nicht an ihren Früchten erkennt.

... über die Pflege

Wurden die Jungpflanzen mit einem Eimer Kompost versehen, erübrigt sich weiteres Düngen. Zuviel Stickstoff fördert die Blattmasse zulasten des Blütenansatzes, das entsprechend weiche Blattgewebe bietet auch dem Mehltaupilz weniger Widerstand. Bei ZucchiniPflanzen lohnt es sich, vergleichsweise mehltaufeste Sorten wie ‘Afrodite’ oder ‘Black Forest’ zu wählen, da befallene Pflanzen keine weiteren Früchte nachliefern. Lagerkürbisse dagegen reifen meist trotz verpilzter Blätter noch gut aus. Bei ausreichend Wärme bildet das rasch wuchernde Grün in kurzer Zeit eine geschlossene Decke, so dass Hack- oder Jätarbeiten entfallen. Da der Wasseranspruch vergleichsweise gering ist, halten sich auch die Gießzeiten in Grenzen. Um die Lagerkürbisse muss man sich erst zur Ernte wieder kümmern, bei Sommerkürbissen beschränkt sich der Einsatz auf das Ernten. Hier empfiehlt es sich, ein oder zweimal mit Brennesseljauche oder einem vergleichbaren Stickstoff Lieferanten nachzudüngen, damit die Pflanzen willig weitere Früchte ansetzen. Blüten ergeben feingeschnitten eine delikate Soßen, Suppen oder Salatkräuter-Beigabe. Sie lassen sich auch rasch füllen und anbraten. Dazu eignen sich Zucchini und andere Speisekürbisblüten gleichermaßen. Kürbisblüten halten sich nur einen Tag. Man muss sie also am Tag der Aufblüte nutzen. Männliche und weibliche Blüten lassen sich dabei ganz leicht unterscheiden: die männlichen sitzen auf einem dünnen, bis zu 30 cm langen Stiel, die weiblichen tragen direkt unter der Blüte bereits den Fruchtansatz in Form einer kleine Kugel oder länglichen Walze. Will man die Blüten nicht nutzen, kann man sich auch nur an ihrem schönen Anblick erfreuen: Knallgelb und meist mindestens 20 cm im Durchmesser leuchten sie von weitem. Im Näherkommen betört ihr süßschwerer Duft.

... bis zur Ernte

Zucchini sind erntereif, wenn sie 20, maximal 30 cm Länge erreicht haben. Bei Lagerkürbissen fällt es schwer, den rechten Zeitpunkt zu erkennen. Ein wichtiges Merkmal ist der Stielansatz: er muss hol zig verkorkt sein. Die Schale muss ausgehärtet und der Klang beim Anklopfen hell sein. Für das Langzeitlager bestimmte Früchte erntet man in jedem Fall mit möglichst langem Stielansatz, damit an dieser Stelle keine Fäulnispilze eindringen. Am besten gewährt man ihnen 2 bis 3 Wochen einen trockenen Platz an der Sonne, dann härtet die Schale nochmals nach. Je nach Sorte halten sich Winterkürbisse 3 bis 12, teilweise sogar 24 Monate. Dazu müssen aber nicht nur die Reife und Erntekriterien erfüllt sein, auch das Lager muss stimmen. Die sonnenhungrigen Kürbisse wollen nicht nur im Garten den wärmsten Platz, auch im Winter mögen sie es warm. Ideal sind trockenwarme Heizräume oder gar die gute Stube. Temperaturen unter 15 °C schränken die Haltbarkeit deutlich ein. Viele Sorten sehen so hübsch aus, dass die Lagerzeit als Dekorationszeit genutzt werden kann. Die inzwischen verbreiteten kleinfrüchtigen Delikatess-Sorten übertreffen problemlos den Dekorationswert von Zierkürbissen - sie dienen somit als essbare Zierde, die sich irgendwann genussvoll über den Kochtopf entsorgen lässt.

Die Sorte macht's

Es gibt weit über 1000 Kürbissorten, in Deutschland sind über 300 verfügbar. Die Fruchtgewichte reichen von 100 g bis weit über 100 kg der Weltrekordkürbis 2000 brachte 497 kg auf die Waage. Genauso vielfältig wie Form und Farbe präsentiert sich das Aroma: von faserigfad, neutral, mildwürzig, karottenartig, nussig, maronenähnlich bis muskat-würzig. Efreulich ist, dass die Sorten mit den höchsten Karoten-Gehalten (vergleichbar mit Karotten) erkennbar am dunkelorangen Fruchtfleisch, fast durchweg hocharomatisch schmecken. Viele dieser Sorten haben nicht nur handliche Größen von 500 bis 2000 g, sie sehen auch sehr dekorativ aus (Tabelle). Zu den Favoriten bezüglich Geschmack, Inhaltsstoffen, Aussehen und Handhabbarkeit zählen ‘Sweet Dumpling’, ‘Jack be Little’, ‘Olive, Roter’ und ‘Grüner Hokkaido’, ‘Butternut’ und ‘Futsu Black Rinded’. Langweiligfad schmecken ‘Gelber Zentner’ (der bislang in Deutschland am meisten verbreitete Kürbis), Halloween und Spaghetti-Kürbisse.

Woher nehmen?

Bis vor kurzem waren Beziehungen zu Experten oder Kontakte ins Ausland nötig, um an Kürbis-Saatgut zu kommen. Außer ‘Gelber Zentner’ und bestenfalls ‘Hokkaido’, daneben natürlich Zucchini und Squash, fand sich kaum eine Sorte in den Samenregalen. Inzwischen bietet jedes gut sortierte Gartencenter mindestens 10 Sorten an. Spezielle Versender können 50, 100 oder wie Samen Jansen sogar 250 Sorten liefern. Saatgut aus eigener Nachzucht hat seine Tücken. Standen mehrere Sorten im Garten, ist eine Vermischung nicht ausgeschlossen. Die Samen aus einer sortentypischen Hokkaido-Frucht können ganz anders aussehende, vielleicht aber hoch interessante Früchte liefern, wenn die Blüten mit Pollen einer anderen Sorte bestäubt wurden. Wuchsen Zierkürbisse in der Nähe, kann das Ergebnis ein ungenießbares Etwas sein - ein weiterer Grund, anstelle von Zierkürbissen dekorative Mini-Speisekürbis-Sorten auszusäen.

Dr. Helga Buchterweisbrodt

Bezugsquellen im örtlichen Fachhandel oder bei: Sainte Marthe, Ulla Grall, Eulenweg 3, 55288 Armsheim, Tel. 06734/960 379, Fax 014 (60 Kürbissorten, BioSaatgut) Jansen, Postfach 300115, 46399 Bocholt, Tel. 0031 315/651235, Fax 4706, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! (250 Kürbissorten) Kürbiserie Vogler, Falltorstr. 19, 35440 Linden, Tel. 0640371278, Fax 940881, www.kuerbiserie.de (50 Sorten /Samen, Pflanzen, Früchte) Syringa, Bachstr. 7, 78247 HilzingenBinningen, Tel. 077391452, Fax 677, www.syringasaatgut.de (20 Kürbissorten)

Mit freundlicher Genehmigung der Unser Garten Verlagsgesellschaft mbH., Kaiserstr. 77, 66133 Saarbrücken-Scheidt, Tel. 0681-812040, Fax 0681-812040. Erschienen in den April-Ausgaben 2001der Verbandszeitschriften "Unser Garten", "Der Hess. Obst- und Gartenbau" und "Ratgeber für den Gartenliebhaber".

VGiD Verband der Gartenbauvereine in Deutschland e.V.

Dachorganisation der Obst- und Gartenbauvereine in Deutschland. Der Verband der Gartenbauvereine in Deutschland setzt sich für die Erhaltung der Gartenkultur und die Pflege der Kulturlandschaft ein. Er ist ein wichtiger Fürsprecher des Freizeitgartenbaus und Partner der Freizeitgärtner.

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Kulturzentrum Bettinger Mühle
Hüttersdorfer Straße 29
66839 Schmelz

06887/90 32 99 9
sal-rlp@gartenbauvereine.de

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