Herbst

Obstgehölze jetzt pflanzen

Obstbau

Bokashi-Saft

« Die beste Pflanzzeit für Obstgehölze ist der November (Foto: Buchter-Weisbrodt)

Der beste Zeitpunkt Obstgehölze zu pflanzen ist November. Meist bleiben die (Boden) Temperaturen bis Januar über dem Gefrierpunkt. Und so können die im November neu gepflanzten Obstgehölze gut einwurzeln, wenn kein Dauerfrost im Boden herrscht. Solange die Bodentemperaturen im Wurzelbereich noch über 5 bis 6 °C liegen, bilden die Bäume neue Faserwurzeln. Dadurch gehen die Bäume gestärkt ins kommende Frühjahr. Außerdem ist über Winter meist ausreichend Bodenfeuchte vorhanden, sodass die Obstbäume auch ausreichend mit Wasser versorgt sind. Bei Frühjahrspflanzungen hingegen ist die Wasserversorgung meist eine Herausforderung. Gerade in den letzten Jahren zeichnet es sich immer mehr ab, dass schon die Monate April und Mai sehr trocken und ungewöhnlich heiß waren.

Buchter Weisbrodt 3Buchter Weisbrodt 3Buchter Weisbrodt 3Buchter Weisbrodt

 

 

 

 

Für Obstbäume oder Beerenobst, wie hier die Heidelbeere, in Containern ebenfalls ein ausreichend großes Pflanzloch ausheben, Wurzelballen entfilzen, Erde locker einfüllen, antreten und angießen (Fotos: Buchter-Weisbrodt) »

Neu gepflanzte Obstbäume müssen im Frühjahr und über Sommer gegossen werden. Der Gießbedarf ist aber bei im Frühjahr gepflanzten Bäumen ungleich höher.

Die Herbstpflanzung ist vor allem für wurzelnackte Gehölze vorteilhaft. Früher galt es, erst spät, nach dem natürlichen Blattfall der Bäume und Sträucher, wurzelnackte Gehölze in den Anzuchtquartieren in den Baumschulen zu roden und dann erst im November zu pflanzen. Durch diesen späten Rodetermin konnten aktive Blätter noch lange Zeit Reservestoffe in die Knospen der Obstgehölze einlagern und diese somit stärken. Gute Baumschulen halten sich auch heute noch an diese Regel. Für die Herbstpflanzung spricht auch, dass dann die Auswahl an Obstsorten am größten ist und man sich die beste Qualität aussuchen kann. Außerdem kann wurzelnackte Ware, die zudem preisgünstiger angeboten wird, besser transportiert werden.

Für empfindliche bzw. wärmeliebende Obstarten wie Tafeltrauben, Kiwibeeren oder Aprikosen empfiehlt sich die Frühjahrspflanzung, besonders in Regionen mit strengeren Wintern. Der Standort für alle Obstgehölze soll sonnig sein, nicht direkt neben Hecken (Wurzel-, somit Wasser- und Nährstoffkonkurrenz) und auch nicht zu nah an Mauern und befestigten Gehwegen (eingeschränkter Wurzelraum).

Bild 2

«  Das Pflanzloch muss ausreichend groß sein. Bei Wühlmausgefahr die Wurzel mit einem Drahtgeflecht schützen. (Foto: Buchter-Weisbrodt)

So wird gepflanzt

  • Das Pflanzloch muss ausreichend groß und tief sein, am besten doppelter Durchmesser des Wurzel- bzw. Containerballens. Dies hat den Vorteil, dass in diesem größeren Pflanzbereich der Boden locker ist und durch Zuschlagsstoffe verbessert werden kann. Standen an der Pflanzstelle bereits Obstbäume, sollte der Aushub nicht wieder verwendet, sondern von der Gemüse-, Blumen- oder Rasenfläche entnommen werden. Dieser wird mit etwa 1/3 gut verrottetem Kompost vermischt. Vorteilhaft ist es insbesondere bei schweren und verdichteten Böden, die Sohle der Pflanzgrube weiter mit dem Spaten zu lockern.

Bild 4

«  Erde, zur Verbesserung mit Kompost gemischt, locker einfüllen und antreten. (Foto: Buchter-Weisbrodt)

  • Pflanztiefe: Die Veredlungsstelle der Obstbäume muss deutlich, etwa ein bis zwei Handbreiten, über dem Bodenniveau bleiben. Containergehölze werden so tief gepflanzt wie die Substratoberfläche war; bei wurzelnackter Ware kommt der Wurzelansatz gut unterhalb der Oberfläche in den Boden. Oft kann man den Übergang an der Rindenfarbe erkennen, wie tief wurzelnackte Gehölze in der Baumschule standen. Hinweis: etwas tiefer pflanzen als „gewohnt“ ist ratsam auf leichten, humusarmen Böden und bei Nachbau. Auch bei der ein-, zwei- oder dreitriebigen Spindelerziehung von Johannisbeeren und besonders von Stachelbeere führt dies zu einer stärkeren Wuchskraft. Bild 3

Baumpfahl nicht vergessen, Baum gut anbinden und die Baumscheibe frei halten (Foto: Buchter-Weisbrodt) »

  • Bei Obstbäumen den Pfahl vor dem Einpflanzen des Gehölzes in der Hauptwindrichtung etwa 10 bis 15 cm vom Stamm entfernt 40 bis 50 cm tief einschlagen.
  • In wühlmausgefährdeten Gärten wird das Pflanzloch von Obstbäumen, vor allem bei Apfelbäumen, mit einem Draht geflecht ausgekleidet. Nach der Pflanzung muss auch die Oberfläche damit bis zum Stamm abgedeckt werden.
  • Trockene Container bzw. wurzelnackte Gehölze werden vor dem Pflanzen in einen großen Eimer Wasser gestellt, damit sich Ballen bzw. Wurzeln mit Wasser vollsaugen.

Bild 6

« Gut entwickelte, gesunde Wurzeln: einjährige Veredelungen auf Unterlage M9, Apfel-Sämling, Quitte und Birne-Sämling (Foto: Siegler)

  •  Wurzelschnitt: Wurzelnackte Ware hat beim Roden einen Großteil seiner Wurzelmasse verloren. Diese muss geschont werden: nur beschädigte, gequetschte oder aber überlange Wurzeln werden (leicht) eingekürzt, die feinen Faserwurzeln bleiben ungeschnitten. Bei Containerware entfällt meist der Wurzelschnitt. Handelt es sich um einen total durchwurzelten, verfilzten Ballen, so wird dieser am Rand an 3 bis 4 Stellen mit Messer oder Schere keilförmig angeritzt. Auch bei Ringelwurzelbildung werden lange Wurzelzöpfe eingekürzt. Durch diese Maßnahmen können sich neue Faserwurzeln bilden.Bild 7Buchter Weisbrodt 8

« Nur beschädigte oder überlange Wurzeln werden abgeschnitten bzw. eingekürzt (Fotos: links Siegler, rechts Buchter-Weisbrodt)

 

 

H. J. Bannier

3 bis 4 Leitäste verbleiben am Baum, der Mitteltrieb wird in 1 bis 1,5-facher Scherenlänge darüber eingekürzt (Foto: H. J. Bannier) »

  • Der Pflanzvorgang ist zu zweit einfacher. Eine Person hält das Gehölz mittig über der Pflanzsohle in entsprechender Höhe zum Bodenniveau. Die andere Person schaufelt den vermischten Aushub locker in die Grube. Während des Verfüllens das Gehölz immer wieder rütteln, damit die Erde gut zwischen die Wurzeln gelangt. Am Ende dann gut andrücken bzw. leicht festtreten, jedoch nicht „einbetonieren“. Ein Gießwall am Rand der Baumscheibe verhindert das Wegschwemmen von Wasser. Das Angießen (10 bis 20 Liter, leicht einschlämmen) erfolgt auch bei feuchtem Boden und sorgt für guten Bodenkontakt der Wurzeln. Nach dem Einsickern kann noch eine dünne Erdschicht über die Baumscheibe gestreut werden.
  • Baumscheibe bewuchsfrei halten! Die Baumscheibe sollte wegen Mäusegefahr von Mitte September bis April mulchfrei bleiben, danach mit organischem Material, wie angewelktem Rasenschnitt dünn abgedeckt sein, um Bodenfeuchte und Bodengare im Wurzelbereich zu erhalten.
  • Obstbäume gut anbinden, die Schnur am besten in Form einer „Acht“ zwischen Stamm und Pfahl binden.

Pflanzschnitt

Außer den speziellen Säulenobstbäumen, deren Mitteltrieb nicht eingekürzt werden darf, erfolgt bei den anderen Erziehungsarten von Obstbäumen wie Rundkrone, Spindel und Spalieren ein entsprechender Pflanzschnitt.

Dieser kann bei der Herbst- bzw. Frühwinterpflanzung erst im März durchgeführt werden. Er ist v.a. bei wurzelnackten Gehölzen zwingend, da diese beim Roden erhebliche Wurzelmasse verloren haben und mit dem Rückschnitt nun ein ausgewogenes Verhältnis von unter- und oberirdischen Gehölzteilen hergestellt wird.

Bei allen Baumformen wird der Konkurrenztrieb ganz entfernt. Bei der Rundkrone verbleiben 3 bis 4 Leitäste, die zu 50 bis 70 % abgeschnitten werden, sowie der Mitteltrieb, der in 1 bis 1,5-facher Scherenlänge über dem obersten Leitast eingekürzt wird.

Bild 5

Bei Jungbäumen werden die Äste mittels Gewichten, Schnüren oder Astklammern formiert (Foto: Buchter-Weisbrodt) »

Bei der Spindelerziehung werden außer dem Konkurrenz- und Mitteltrieb alle Seitenäste mit Schnüren, Astklammern oder Gewichten flach bis leicht aufsteigend (ca. 20 °-Winkel) angeordnet. Die formierten Äste werden nicht eingekürzt, was das Triebwachstum bremst und die Blütenbildung im ersten Standjahr fördert. Der Mitteltrieb wird 50 bis 60 cm über dem obersten flachen Seitentrieb abgeschnitten.

 

Hubert Siegler,
Bayerische Gartenakademie LWG Veitshöchheim

Quelle:
Diese Artikel sind in den Verbandszeitschriften „Unser Garten“, „Der Hessische Obst- und Gartenbau“ und „Ratgeber für den Gartenliebhaber“ (November 2019) erschienen.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Unser Garten Verlag GmbH, Kulturzentrum Bettinger Mühle, Hüttersdorfer Straße 29, 66389 Schmelz, Telefon 06887 / 90 32 99 9, Telefax 06887 / 90 32 99 8,
www.unsergarten-verlag.de

VGiD Verband der Gartenbauvereine in Deutschland e.V.

Dachorganisation der Obst- und Gartenbauvereine in Deutschland. Der Verband der Gartenbauvereine in Deutschland setzt sich für die Erhaltung der Gartenkultur und die Pflege der Kulturlandschaft ein. Er ist ein wichtiger Fürsprecher des Freizeitgartenbaus und Partner der Freizeitgärtner.

Kontakt

Kulturzentrum Bettinger Mühle
Hüttersdorfer Straße 29
66839 Schmelz

06887/90 32 99 9
sal-rlp@gartenbauvereine.de

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.