Herbst

Pastinaken

Pastinaken

Bereits die Pfahlbauern, die vor mehr als 4.000 Jahren an den Ufern der Schweizer Seen lebten, schätzten die "Moorwurzel", wie sie die Pastinake nannten. Heute erfreut sich das Wurzelgemüse wachsender Beliebtheit.

Pastinaken (Pastinaca sativa), auch als Moor- oder Hammelwurzel bezeichnet, gehören zu den ältesten Wurzelgemüsen und waren in deutschen Küchen – gemäß den Kräuterbüchern des 16. Jh. – ähnlich beliebt wie Möhren. Was sie letztlich vom feldmäßigen Anbau verdrängte, war die schlechte Keimfähigkeit und die ausgesprochen lange Wachstumszeit von bis zu 7 Monaten. Durch die Herauszüchtung neuer Möhrensorten und die immer beliebter werdende Kartoffel gerieten Pastinaken in Deutschland nach und nach in den Hintergrund. Noch 1928 gab es bei uns sechs verschiedene Sorten, die teils für Speisezwecke, teils als Mastfutter für Rinder und Hammel genutzt wurden. In den Statistiken über Freilandgemüse in Deutschland sind Pastinaken seit 1938 nicht mehr aufgeführt. In skandinavischen Ländern, in England, Frankreich und den USA werden die Wurzeln jedoch nach wie vor mit Vorliebe genossen. Man verwendet sie dort in Rohkostsalaten zusammen mit Möhren, gebraten wie Bratkartoffeln, als Beilage zu Gemüsesuppen oder als Grundlage für ausgefallene Gemüseaufläufe.

Besser als Möhren

Pastinaken sind wegen der enthaltenen ätherischen Öle ein aromatisches Gemüse, angenehm süßlich und geschmacklich zwischen Möhre und Sellerie einzuordnen. Ernährungsphysiologisch gesehen können Pastinaken durchaus mit Möhren konkurrieren, allein schon wegen der höheren Mineralstoffgehalte von 22 mg Magnesium, 51 mg Kalzium, 73 mg Phosphor und 340 bis 740 mg Kalium je 100 g Frischmasse. Darüber hinaus verfügen sie über einen beachtlichen Vitamin C Gehalt von 18 mg pro 100 g essbarem Anteil, der mit dem der Kartoffel vergleichbar ist. Da die Rübe zudem vergleichsweise wenig Nitrat enthält, wird sie heute wieder, vornehmlich von Biobauern im Vertragsanbau, zur Herstellung von Babynahrung kultiviert. Ihre Wiederentdeckung verdankt die Pastinake überzeugten Bioköstlern, die bei der Suche nach einer gesunden kulinarischen Abwechslung die Vorzüge derGemüseart für sich entdeckt haben. In der Naturheilkunde werden ausWurzeln, Blättern und Blüten Tees hergestellt, die verdauungsfördernd wirken.

Botanisches

Die als Wurzelgemüse verwendbare Pflanzenart gehört wieMöhre und Sellerie zur Familie der Doldengewächse (Umbelliferae=Apiaceae). Sie ist ebenfalls zweijährig, bildet im ersten Jahr eine aufrecht stehende Blattrosette aus einfach gefiederten Blättern mit eiförmig gelappten, gezähnten Blättchen. Die Rübe ähnelt einer großenWurzelpetersilie, ist außen gelblich-braun mit deutlichen Querrillen und innen weißfleischig. Pastinaken wachsen ganz unter der Erde, werden bis zu 40 cm lang und erreichen einen Durchmesser von 4 bis 12 cm. Sofern die Rübe nicht zum Verzehr geerntet wird, treibt die Pflanze im zweiten Jahr einen bis zu 90 cm hohen, verzweigten Blütenspross mit gelben Dolden. Um eigenes Saatgut zu gewinnen, schneidet man die Dolden nach demVerblühen der Blütenstände ab und legt sie zum Abtrocknen in einen Karton. Dort können die Samen später ungehindert ausfallen.

Interessante Sorten

Die Sorten unterscheiden sich vorwiegend hinsichtlich der Rübenform, die gängigen Sorten sind in der Regel mittellang. Im Handel erhältlich sind ‘Halblange Weiße’ (keilförmig), ‘Bedford Monarch’(keilförmig), ‘Gladiator’ (mittelbreit-keilförmig), ‘Improved Marrow’ (schmal-keilförmig), ‘Javelin’ (schmal-keilförmig), ‘White Diamand’ (breit-keilförmig) und ‘White Gem’ (breit-keilförmig). Die Sorten ‘Gladiator’, ‘White Diamand’ und ‘Javelin’ bilden an der Rübe keine unerwünschten Seitenwurzeln.

Geeignete Standorte

Pastinaken sind imAnbau relativ anspruchslos. Grundsätzlich wachsen sie am besten auf humosen Lehmböden oder moorigen Böden. Sie vertragen keine stauende Nässe, weshalb schwere Tonböden weniger als Standorte geeignet sind. Sie gehören zu den frühesten Gemüsen und können bereits ab März (Bodentemperatur mindestens 4 °C) direkt ins Freiland gesät werden.Die Samen benötigen dann ca. 45Tage bis zumAufgang. Spätere Aussaaten sind bis Ende Mai möglich. Bei Bodentemperaturen um 12 °C verkürzt sich die Zeit bis zumAufgang auf ungefähr 14 Tage. März-Aussaaten bringen jedoch höhere Erträge als Mai-Saaten. Vorsicht ist bei Spätfrösten imApril und Mai geboten: Hier sollte man die Pflanzen nachts abdecken, weil sonst die Gefahr von Schosserbildung besteht. Die Sorte ‘White Diamand’ ist im Sortenvergleich weniger schossempfindlich.

Einfacher Anbau

Da Pastinaken schlecht keimen (oftmals nur 60 %), muss stets neues Saatgut verwendet und zudem breit gesät werden (Saatgutbedarf: 4 bis 6 g/m2). Ein Reihenabstand zwischen 30 und 40 cm ist empfehlenswert, da die ausgewachsenen Pflanzen höher und breiter ausladen als Möhren. Die Saattiefe liegt bei etwa 2 cm. Im 3- bis 4- Blattstadium wird in der Reihe auf 15 bis 20 cm vereinzelt. Pastinaken sind Mittelstarkzehrer. Zu beachten ist allerdings, dass sie auf frische Düngergaben mit unerwünschten Wurzelverzweigungen reagieren. Als einzige Pflegemaßnahme ist zwischen den Reihen das Unkraut zu entfernen. Dies sorgt gleichzeitig für lockeren Boden, was das Wachstum der Pastinaken begünstigt. Krankheiten und Schädlinge sind kaum bekannt. Hautempfindliche Personen sollten beim Abschneiden der Blätter – sie eignen sich zum Würzen von Speisen – sicherheitshalber Handschuhe tragen, da sie Hautreizungen verursachen können. Geerntet wird ab September, solange der Boden nicht gefroren ist. Am besten schmecken nicht zu große Pastinaken mit einem Gewicht um 300 g und einer Länge von 20 cm, die vor dem Verzehr einige Wochen lagerten. Da die Wurzeln frosthart sind, können die Pflanzen über Winter im Boden bleiben (Vorsicht: Mäusefraß!). Alternativ halten sie sich gut in einer Erdmiete oder ganz klassisch im kühlen Kellerraum. Pastinaken sind ein echtes Wintergemüse, das sich bis in den April hinein problemlos frisch hält.

Dr. Susanne Martin,Wolfschlugen

Artikel aus Obst&Garten (4/2003), mit freundlicher Genehmigung Verlag Ulmer, Stuttgart

VGiD Verband der Gartenbauvereine in Deutschland e.V.

Dachorganisation der Obst- und Gartenbauvereine in Deutschland. Der Verband der Gartenbauvereine in Deutschland setzt sich für die Erhaltung der Gartenkultur und die Pflege der Kulturlandschaft ein. Er ist ein wichtiger Fürsprecher des Freizeitgartenbaus und Partner der Freizeitgärtner.

Kontakt

Kulturzentrum Bettinger Mühle
Hüttersdorfer Straße 29
66839 Schmelz

06887/90 32 99 9
sal-rlp@gartenbauvereine.de

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.