Herbst

Rhododendron und Azaleen im Garten

Rhododendron und Azaleen im Garten

Rhododendron-Repens-Hybride "Baden-Baden"

Zu den schönsten Blütengehölzen, die wir für unsere Gärten, Parks und andere Grünanlagen haben, gehören zweifellos die Rhododendron und Azaleen. Seit mehr als 300 Jahren sind sie bei uns bekannt und erfreuen sich ständig steigender Beliebtheit. Rhododendron leitet sich vom Griechischen rhodon = Rose und dendron = Baum ab, zu deutsch also Rosenbaum. Ähnlich verhält es sich mit der Bezeichnung Azalee, die vom Griechischen azaleos = dürr, trocken herrührt, weil der berühmte Botaniker Linné irrtümlicherweise annahm, dass Azaleen auf trockenen Standorten gedeihen würden.

Dort wo Rhododendron und ebenso Azaleen die ihrem Wachstum zusagenden Bedingungen finden, fühlen sie sich wohl und gedeihen üppig. Vor allem im Ammerland und im Oldenburger Raum trifft man in zahlreichen Bauern- und Hausgärten gut entwickelte Exemplare von Rhododendron und Azaleen, die ohne große Pflege bestens gedeihen, ein deutliches Anzeichen dafür, dass sie hier die ihnen gemäßen Verhältnisse vorfinden. Doch welche Standortansprüche stellen nun Rhododendron und Azaleen? Diese lassen sich weitgehend von den Standorten in ihren Heimatgebieten ableiten. Dort wachsen die Rhododendron an Berghängen in kühlen und vor allem luftfeuchten Lagen. Ihre Wurzeln sind stets in der obersten Humusschicht zu finden. Demgemäß benötigen sie zum guten Gedeihen ein Klima mit genügend hoher Luftfeuchtigkeit und ziemlich gleichmäßig über das Jahr verteilten Niederschlägen sowie nicht zu langen Kälteperioden. Außerdem ist zu beachten, dass sie eine leicht schattige und vor allem gegen Wintersonne und scharfe, austrocknende Winde geschützte Lage verlangen. Besonders wohl fühlen sie sich im lichten Schatten hoher, lockerkroniger Bäume, so z. B. unter einem Schirm von Kiefern. Ein zu schattiger Standort ist allerdings nicht zu empfehlen, denn hier lässt der Blütenknospenansatz zu wünschen übrig und die Pflanzen neigen zur Verkahlung. Einen freieren, sonnigeren Standort vertragen alpine Arten sowie Catawbiense- und Ponticum-Hybriden. Als Flachwurzler sind sowohl die Rhododendron als auch die Azaleen grundsätzlich empfindlich gegen Wurzelkonkurrenz durch andere Pflanzen. Dies gilt vor allem, wenn es sich um flachwurzelnde Bäume handelt. Ungeeignete Schattenspender für Rhododendron und Azaleen sind Ahornarten, Birken, Erlen, Kastanien, Linden, Rotbuchen (sehr dichtes Blätterdach, Laub alkalisch), Fichten und andere. Dagegen sind außer Eiche und unserer heimischen Kiefer (Pinus sylvestris) auch Lärche und alle hochwachsenden Kiefern als Schattenspender gut geeignet.
Rhododendron verlangen einen humusreichen und lockeren sowie genügend feuchten und sauren Boden, der jedoch keine stauende Nässe aufweisen darf. Als günstiger Bereich hat sich für Rhododendron ein pH-Wert zwischen 4,2-5,5, also ein verhältnismäßig saurer Bereich, erwiesen (der pH-Wert ist ein Maß für den Säuregehalt des Bodens). Bei höheren pH-Werten, das heißt ab 5,8 bis 6,0, lässt das Wachstum aber schon deutlich nach und es kommt zu Schäden. Hier muss versucht werden, den pH-Wert abzusenken. Zur Anpflanzung von Rhododendron eignen sich die meisten Bodenarten. Lediglich schwere Lehm- und Tonböden, die zudem meistens auch noch alkalisch reagieren und deren Wasserführung und Durchlüftung oft zu wünschen übrig lassen, sind in der Regel nicht geeignet. Dasselbe gilt für Böden mit hohem Kalkgehalt.
Beste Pflanzzeiten sind der zeitige Herbst, ab Mitte September bis Mitte November, und das zeitige Frühjahr - Mitte März bis Mitte Mai. Die Pflanzung darf nur bei frostfreiem Wetter erfolgen, wenn der Boden offen ist. In der Zeit von Mitte November bis etwa Ende Februar sollten Rhododendron nicht gepflanzt werden, weil starke Fröste und austrocknende scharfe Winde den Pflanzen sehr schaden können, die ja noch nicht angewurzelt sind.

Es empfiehlt sich, Rhododendron rechtzeitig zu bestellen, den Einkauf also möglichst im Herbst vornehmen. Andernfalls muss man damit rechnen, dass die gewünschten Sorten eventuell vergriffen sind. Sofort nach der Ankunft bzw. dem Auspacken der gelieferten Pflanzen wird kontrolliert, ob der Wurzelballen noch ausreichend feucht ist. In der Regel sind die Ballen zu trocken, deshalb wird durchdringend gewässert oder - besser noch - die Pflanzen so lange in wassergefüllte Behälter gestellt, bis keine Luftblasen mehr aufsteigen.
Anschließend wird gepflanzt; vor der Pflanzung sollte auch auf guten Böden die gesamte Pflanzfläche, zumindest aber die Pflanzgrube, mit organischem Material wie Torfmull, altem abgelagertem Kuhdung oder Super- Manural z. B. verbessert werden. Auf sauren, durchlässigen Böden vermischt man die aus der Pflanzgrube stammende Erde im Verhältnis 1:1 mit Torfmull. Bei fast neutralen (also kalkhaltigen) Böden Erde der Pflanzgrube nicht verwenden, sondern statt dessen eine Mischung aus 10 Raumteilen Torfmull und 1 Raumteil Super-Manural. Torfmull stets nur in gut angefeuchtetem Zustand verwenden, andernfalls schadet dieser mehr als er nutzt. Ferner ist Rhodohum, ein Produkt des Torfstreuverbandes, gut geeignet. Sein Humusgehalt ist höher als der des Weißtorfes. Selbstverständlich können auch Nadelerde, Rindenkompost und sonstige im Handel erhältlichen genügend humushaltigen Substrate zur Bodenverbesserung verwendet werden, sofern der pH-Wert des Substrates nicht zu hoch ist. Außerdem kann man dem Pflanzsubstrat gehäckselte und leicht verrottete Nadelholzabfälle beimischen.
Gepflanzt wird in ein Pflanzloch, das mindestens doppelt so breit ist wie der Durchmesser des Erdballens unter Zugabe von reichlich feuchtem Torfmull oder einem der schon genannten Pflanzsubstrate. Wichtig ist es, darauf zu achten, dass die Pflanzen nicht tiefer zu stehen kommen, als sie vorher in der Baumschule gestanden haben. Jedoch soll der Wurzelballen etwa zwei Fingerbreit mit Pflanzsubstrat abgedeckt werden. Anschließend wird die Erde zum Ballen hin leicht angetreten, um Bodenschluss herzustellen. Nun wird angegossen: Pflanzen von 30-50 cm Höhe erhalten mindestens 5 l und von 60-100 cm Höhe 10 l Wasser, noch größere entsprechend mehr. Ratsam ist es, nach dem Pflanzen den Boden mit einer 5 bis 10 cm hohen Laubschicht als Mulch oder mit einer 2-3 cm dicken Torfschicht abzudecken. Durch diese Maßnahme wird die Verdunstung eingeschränkt und gleichzeitig das Anwachsen gefördert. Außerdem dient die Abde-ckung dazu, die flach verlaufenden Wurzeln der Rhododendron kühl zu halten, was für ein gutes Gedeihen wichtig ist.

azalee 3 230Die Bodenpflege beschränkt sich bei Rhododendron auf das Abdecken des Wurzelbereiches mit organischen Materialien wie Torfmull, altem Kuhdung, Koniferennadeln, Laub, Rasenschnitt usw. Auf keinen Fall darf gegraben oder tief gehackt werden, weil Rhododendron Flachwurzler sind und mit ihren feinen Wurzeln nach oben in die verrottenden Humusmaterialien streben. Der Spaten hat also nach der Pflanzung bei den Rhododendron nichts mehr zu suchen.
Zur Pflege gehört auch das Ausbrechen der abgeblühten Blütenstände, zumindest bei Pflanzen bis etwa 1 m Größe, da diese sehr viel Kraft zu ihrer Entwicklung benötigen. Beim Ausbrechen muss man aber darauf achten, dass die darunter stehenden Triebknospen unbedingt geschont werden.

Rhododendron-Hybride ‘Humboldt’
Fotos: Gerhard Dagner

WALTER SCHMALSCHEIDT
Weitergehende Ausführungen über die Pflanzung und Pflege von Rhododendron sind in der Broschüre "Die Rhododendronpflanze" enthalten.
Diese kann bei der Stadt Westerstede, Rhodo-Arbeitskreis, Helmut Dierks, Am Markt 2, 26655 Westerstede, Telefon 04488/55-107, Fax 04488/5555, kostenlos angefordert werden (solange Vorrat reicht).

Artikel aus "Unser Garten" (Mai 2002), mit freundlicher Genehmigung.

VGiD Verband der Gartenbauvereine in Deutschland e.V.

Dachorganisation der Obst- und Gartenbauvereine in Deutschland. Der Verband der Gartenbauvereine in Deutschland setzt sich für die Erhaltung der Gartenkultur und die Pflege der Kulturlandschaft ein. Er ist ein wichtiger Fürsprecher des Freizeitgartenbaus und Partner der Freizeitgärtner.

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