Herbst

Robuste Strauchbeeren im Garten

Robuste Strauchbeeren im Garten

Die Vorstellungen, die sich mit dem Stichwort „Beerenobst im Garten“ verbinden, haben sich deutlich gewandelt. Kaum jemand denkt dabei noch an umfangreiche Bevorratung, an stundenlanges Ernten und Einmachen.
Gefragt ist Naschobst, also Arten und Sorten in möglichst großer Vielfalt, aber als Einzelexemplare. Sie sollen einen hohen Zierwert haben, pflegeleicht sein und über einen langen Zeitraum Früchte liefern, die sich beim Gang durch den Garten naschen oder für einen Kuchen verwerten lassen.

Die folgende Palette an robusten Sorten ermöglicht es, von Mitte Juni bis Ende November frische Beeren im Garten zu naschen. Pflanzt man allerdings von den vorgestellten Sorten mehr als nur eine Pflanze, ist es problemlos möglich, so viele Früchte zu ernten, dass sich ein Wintervorrat konservieren lässt, da bei der Auswahl auch Ertragsleistung und Fruchtqualität berücksichtigt wurden.

Weiß, rosa oder rot: Johannisbeeren

Das Sortenangebot an Johannisbeeren hat sich seit den 80er Jahren kaum verändert. Für den Garten zählen unverändert folgende Sorten zu den Favoriten:
P ‘Jonkheer van Tets’, sehr früh reifende alte Sorte mit saftigen aromatischen Beeren, die bei schlechtem Blühwetter leider verrieselt und stark unter dem Rotpustelpilz leidet. Baumschule Josef Kiefer in Ortenberg hat eine neue Frühsorte zum Sortenschutz angemeldet. Diese als ‘Telake’ bezeichnete Kreuzung zwischen ‘Jonkheer van Tets’ und ‘Redlake’ soll im Hinblick auf die gute Fruchtqualität der Standardsorte entsprechen, aber kaum verrieseln und hohe Erträge bringen.
P ‘Red Lake’ reift nur wenig später, ist ertragssicherer, aber anfällig für Mehltau.
P ‘Rolan’ und ‘Rotet’ liefern mittelspät reifend, attraktive Früchte. Die Pflanze zeigt jedoch Anfälligkeit für die Blattfallkrankheit.
P ‘Rovada’ zählt zu den Spätsorten. Die sehr robuste Pflanze liefert hohe Erträge an bis zu 20 cm langen Träubchen.
Aus der Slowakei stammen einige interessante Züchtungen, darunter die früh reife ‘Detvan’, die mittelfrüh reifende ‘Maraton’ und die spät reifende ‘Tatran’. Weniger oder nicht empfehlenswert sind Sorten wie ‘Rondom’, ‘Roodneus’, ‘Augustus’ und ‘Heinemanns Spätlese’, da sie sehr sauer schmecken oder samenreiche, trockene Beeren haben. Eine interessante Alternative für diese geschmacksarmen Spätsorten bietet sich mit ‘Redwing’. Sie kann nach Reifebeginn wochenlang am Stock verbleiben, ohne zu faulen oder abzufallen. Die Beeren verfärben sich zwar zunehmend dunkler rot, was aber den Fruchtgenuss und das extrem ausdehnbare Naschvergnügen nicht schmälert.
Wer hellere Beeren bevorzugt, kann ‘Rosa Sport’ pflanzen: Diese Knospenmutation der bekannten Sorte ‘Heros’ hat bei Vollreife hellrosa Früchte. Die Pflanze neigt allerdings zum Verrieseln und bringt nur mäßige Erträge. Ähnlich rosarote Früchte liefert die Neuheit ‘Rosalinn’.
Unglaublich ertragreich sind dagegen die neuen Weißen Johannisbeersorten ‘Primus’ und ‘Blanka’. Die robusten, frostharten Züchtungen haben fast durchweg bessere Eigenschaften als das bisherige Sortiment: ‘Weiße Holländische’, ‘Weiße Versailler’, ‘Zitavia’, ‘Werdavia’ und ‘Albatros’. Will man die Ernte staffeln, empfiehlt es sich die Mitte Juni reifende ‘Primus’ (ersatzweise ‘Zitavia’) und die Ende Juli pflückbare ‘Blanka’ zu pflanzen. Die bereits 1665 erwähnte Sorte ‘Rote Holländische’ hat nur für extrem raue Lagen noch eine gewisse Berechtigung, da sie äußerst robust und kälteverträglich ist, ansonsten aber sehr sauer und herb schmeckt.
Schnitthinweise: Als Faustregel für den Schnitt von Roten und Weißen Johannisbeeren gilt: möglichst nach der Ernte, spätestens aber im Februar alle Basistriebe entfernen, die älter als 4 Jahre sind.
Für einen Strauch reichen 8 bis maximal 10 Basistriebe, in jeder Altersstufe 2 bis 3. Bei einem so aufgebauten Strauch müssen jährlich also nur die 2 bis 3 ältesten Fruchtäste und bis auf 3 alle einjährigen Triebe aus der Stockbasis weg geschnitten werden. Die Sträucher erreichen auf diese Weise problemlos ein Alter von 20 Jahren.
Bei Stämmchen wird eine Krone mit 6 Leitästen gezogen. Deren Verlängerungstriebe sind jährlich auf 5 Augen und die Seitentriebe der Verlängerungen auf 3 Augen einzukürzen.
Johannisbeer-Stämmchen neigen früh zum Vergreisen, gute Kenntnisse und intensiver Schnitt sind erforderlich, um 10 bis maximal 15 Jahre einen ausreichenden Ertrag zu erzielen.
Starkwachsende Sorten eignen sich gut für Hecken. An einem Gerüst mit drei Drähten in 50, 100 und 160 cm Höhe werden im Abstand von 80 cm Johannisbeer-Sträucher (Kombination mit Stachelbeeren möglich) gepflanzt. Die Seitentriebe der Gerüstäste sind stark einzukürzen. Weitere Basistriebe müssen entfernt werden, sofern sie nicht als Ersatz für alte Gerüstäste dienen sollen. Die einzelnen Sorten haben etwas unterschiedliche Schnittansprüche. Gut gepflegte Hecken können 12 bis 15 Jahre reiche Ernten bringen.
Auch eine Erziehung im Pillar-System ist möglich: pro Johannisbeerpflanze nur ein senkrecht stehender Trieb, der allerdings nicht so tief wie ein Busch sitzen darf.

strauchb2 230Arzneiverdächtig: Schwarze Johannisbeeren

Diese früher als Arzneipflanze katalogisierte Obstart bietet so viele gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe, dass zumindest ein Strauch zum Naschen in jeden Garten gehört. Da die Früchte so geballt viele Vitalstoffe enthalten – beispielsweise das Fünffache der Zitrone an Vitamin C –, genügt es, beim Gang durch den Garten nur wenige Beeren zu essen.
Bei den meisten Sorten fällt es aber auch schwer, größere Mengen zu verzehren, da sie herb-sauer schmecken. Seit kurzem ist die sehr ertragreiche Neuzüchtung ‘Bona’ auf dem Markt. Ihre riesigen Beeren schmecken so mild-fruchtig, dass selbst Kinder gerne zugreifen. Für den Garten eignen sich nur gegen den Amerikanischen Stachelbeermehltau widerstandsfähige Schwarze Johannisbeeren.
Die früheren Standardsorten ‘Wellington XXX’, ‘Roodknop’, ‘Rosenthals’ und ‘Silvergieters’, aber auch die neueren Züchtungen ‘Baldwin’, ‘Otelo’, ‘Phoenix’, ‘Tenah’, ‘Troll’, ‘Tsema’ und ‘Viola’ sind mehltauanfällig.
Zu den besten robusten Sorten zählen die früh reifenden ‘Fertöder’, die mittelfrühe ‘Titania’, die etwas späteren ‘Leandra’ und ‘Ometa’. Einige davon zeigen zudem eine gute Widerstandsfähigkeit gegen Blattkrankheiten und Gallmilben.

strauchb3 230Halbschattenfrucht: Die Stachelbeere

Das aus lichten Wäldern stammende Beerengehölz verträgt noch etwas mehr Schatten als Johannisbeeren und Himbeeren, die gleichfalls im Halbschatten gedeihen, auch wenn ihnen volle Sonne besser bekommt. Das Sortiment hat sich kaum gewandelt seit den 80er Jahren, als die ersten Resistenzzüchtungen auf den Markt kamen. Anfällige Sorten wie ‘Achilles’, ‘Grüne Kugel’, ‘Maiherzog’, ‘Rote Triumph’, ‘Weiße Triumph’ und ‘Weiße Ne-ckartal’ werden so stark von Amerikanischem Stachelbeermehltau befallen, dass sie nur durch mindestens fünfmaliges Spritzen zum exakt richtigen Zeitpunkt befallsfrei bleiben. Verpilzte Sträucher verlieren Zier- und Nutzwert – die Früchte sind ungenießbar – die Sträucher sterben nach einigen Befallsjahren ab.
In der Reihenfolge des Reifebeginns eignen sich im Garten die robusten Sorten ‘Remarka’ (rot), ‘Rokula’ (rot), ‘Invicta’ (grün) und ‘Reflamba’ (grün). Die sehr spät reifende, als robust eingestufte ‘Rolanda’ (rot) zeigt bei starkem Pilzdruck Befall. Neu am Markt sind die rotbeerigen Resistenzzüchtungen ‘Redeva‘, ‘Pax’ und ‘Pixia’. Als Besonderheit gibt es die stachellosen Stachelbeeren ‘Spinefree’ und ‘Captivator’, die ebenfalls wenig Mehltaubefall zeigen.
Stachelbeeren wachsen als Büsche, können aber auch auf stammbildende Unterlagen veredelt werden. Die Goldjohannisbeere (Ribes aureum), meist die Sorte ‘Brechts Erfolg’, ist die bislang häufigste Unterlage. Es gibt aber weitaus bessere Erfahrungen mit Jostabeere als Unterlage. Der Wuchs ist deutlich stärker und die gesamte Pflanze bleibt gesünder als auf Goldjohannisbeere, da Jostabeeren als Unterlagen ein kräftiges, reich verzweigtes Wurzelwerk bilden.
Während Rote Johannisbeeren auch noch an etwas älterem Holz Früchte tragen, muss bei Stachelbeeren wie bei Schwarzen Johannisbeeren altes Holz konsequent ausgeschnitten werden, da die besten Früchte an vorjährigen Seitentrieben wachsen. Beim Schnitt von Büschen sind überzählige Basis- und Seitentriebe jährlich zu entfernen. Dichte Büsche sind anfälliger für Krankheiten, schlecht beerntbar und die Fruchtqualität leidet.
Um die Verzweigung nicht zusätzlich zu fördern, kürzt man Langtriebe nur dann ein, wenn die Triebspitzen Mehltaubefall zeigen. Ansonsten werden wie bei Johannisbeersträuchern 6 bis 7 Gerüstäste aufgebaut und nach maximal 3 bis 4 Jahren durch neu herangezogene Äste ersetzt. Während dies bei Schwarzen Johannisbeeren durch Neutriebe aus dem Boden erfolgt, stammen Jungtriebe zum Aufbau neuer Gerüstäste bei der Stachelbeere aus dem Basisbereich älterer Gerüstäste. Viele Stachelbeersorten haben einen hängenden Wuchs. Stark zur Erde geneigte Triebe müssen auf waagerechte, besser noch auf nach oben strebende Triebe abgeleitet werden. Dem überhängenden Wuchs wirkt auch entgegen, wenn der Rückschnitt nicht auf eine unten liegende, sondern auf eine oben stehende Knospe erfolgt.

Jostabeeren: Sorte beachten

Die Kreuzung aus Schwarzer Johannisbeere und Stachelbeere bereitet außer ihrem vor Vitalität strotzenden Wildwuchs kaum Freude,wenn man beim Kauf nicht darauf achtet, dass es sich um eine ausgewiesene Sorte handelt: entweder die seit den 80er Jahren bewährten, ertragreichen Züchtungen ‘Jogranda’ und ‘Jostine’ oder die ebenfalls in den 70er Jahren gezüchtete, aber jetzt erst im Handel erhältliche ‘Jonova’.
Dr. Rudolf Bauer züchtete diese Arthybriden mit dem Ziel, möglichst robuste Sorten zu erhalten. Aus Kreuzungen zwischen Schwarzen Johannisbeeren, Stachelbeeren und der Wildart Ribes divaricatum entstand dann die „Jostabeere“ (Schwarze Johannisbeere x Stachelbeere), die den botanischen Namen Ribes x nidigrolaria erhielt. ‘Jostine’ wächst stark aufrecht und trägt mittelgroße, hocharomatische Früchte. ‘Jogranda’ hat einen etwas schwächeren und eher flachen Wuchs. Die großen Früchte schmecken süßer, aber weniger aromatisch als ‘Jostine’. Beide Sorten reifen Anfang Juli und sind gegen Rostpilze, Mehltau, Blattfallkrankheit und Johannisbeer-Gallmilben resistent. Prof. Erwin Baur führte schon 1922 die ersten Kreuzungen zwischen verschiedenen Beerenobstarten durch. Aus der mehltauresistenten Wildjohannisbeere (Ribes succirubrum), gekreuzt mit mehltauanfälligen Stachelbeersorten, ging eine stark wachsende Pflanze mit traubigen Fruchtständen hervor. Diese neue Obstart nannte Erwin Baur „Jochelbeere“ (Johannisbeere x Stachelbeere). Viel später wurden in Dresden-Pillnitz weitere Arthybriden zwischen Schwarzen Johannisbeeren und Stachelbeeren gezüchtet, die zu Ehren von Prof. Erwin Baur unter dem Begriff „Jochelbeere“ und den Sortennamen ‘Jochina’ und ‘Jocheline’ 1983 auf den Markt kamen.
‘Jocheline’, eine Kreuzung zwischen ‘Silvergieters’ und ‘Grüne Riesenbeere’, reift Mitte Juli. Die einzelnen Beeren werden etwas gleichmäßiger reif als bei ‘Jochina’. Auch das Aroma ist ausgeprägter. Dafür bringt ‘Jochina’ etwa 15 % höhere Erträge. Beide Sorten sind resistent gegen Säulenrost, Stachelbeerrost und Johannisbeer-Gallmilbe. Die Triebe sind anfällig für Mehltau, beide Sorten leiden unter der Blattfallkrankheit.

Dr. Helga Buchter-Weisbrodt

Mit freundlicher Genehmigung der Unser Garten Verlagsgesellschaft mbH., Kaiserstr. 77, 66133 Saarbrücken-Scheidt, Tel. 0681 / 81 20 40, Fax 0681 / 81 20 25. Erschienen in den Juni-Ausgaben 2003 der Verbandszeitschriften „Unser Garten“, „Der Hess. Obst- und Gartenbau“ und „Ratgeber für den Gartenliebhaber“.

VGiD Verband der Gartenbauvereine in Deutschland e.V.

Dachorganisation der Obst- und Gartenbauvereine in Deutschland. Der Verband der Gartenbauvereine in Deutschland setzt sich für die Erhaltung der Gartenkultur und die Pflege der Kulturlandschaft ein. Er ist ein wichtiger Fürsprecher des Freizeitgartenbaus und Partner der Freizeitgärtner.

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