Sommer

Sommerschnitt an Obstgehölzen

Obstbau

Sommerschnitt an Obstgehölzen

« Bei Spalieren werden Ständertriebe pinziert bzw. auf Stummel geschnitten

Unterschiedliche Schnittzeitpunkte haben unterschiedliche Auswirkungen auf das Wachstum von Obstbäumen und Beerensträucher. Der von den meisten Gärtnern praktizierte Winterschnitt fördert das vegetative Wachstum, während der Eingriff ab Juni das Wachstum eher beruhigt. Dies kann bei starktriebigen Gehölzen vorteilhaft genutzt werden. Außerdem ergänzt der Sommertermin den Winterschnitt: Korrekturen können frühzeitig durchgeführt werden.
Vorteile des Winterschnittes liegen in der längeren Zeitspanne für die Durchführung der Schnittmaßnahmen (günstig: Februar bis Ende März), in der freien Zeit aufgrund fehlender anderweitigen Gartenarbeiten, vor allem aber im besseren Erkennen der Struktur der Gehölze im laublosen Zustand und der bereits erwähnten Wuchsförderung schwacher Gehölze. Dennoch bleibt meist zu viel stehen, da die Gehölze kahl sind. Für beide Zeiträume spricht, dass jeweils kranke Triebe an den Gehölzen abgeschnitten werden können, um Ausbreitung von Schaderregern einzudämmen. Im Winter werden zudem Frucht- und eingetrocknete Blütenmumien entfernt, um Fruchtfäulen vorzubeugen Ab Juni können unerwünschte Reaktionen auf den Winterschnitt, wie beispielsweise starkes Triebwachstum durch intensive Eingriffe, reguliert werden. Gleichzeitig können erste kranke Triebe und Früchte entfernt werden. Entscheidende Vorteile der Sommertermine sind die bessere und schnellere Wundheilung – vor allem bei größeren Schnittstellen oder bei sensiblen Arten wie Kirsche, Aprikose oder Walnuss – sowie ein geringer bis fehlender Neuaustrieb. Zudem wird Belichtung und Durchlüftung der Krone verbessert. Insgesamt wirken sommerliche Schnitteingriffe nachhaltiger. Außerdem ist die Wirkung bei den zunehmend langanhaltenden Trockenperioden und immer höherer Temperaturen positiv. Ein lockerer Habitus kann die Gehölze entlasten: sie verdunsten weniger; sie verbrauchen und benötigen weniger Wasser – ein wichtiger Aspekt, wenn nicht zusätzlich gewässert werden kann. Dies wird ergänzend durch eine Fruchtausdünnung bei Überbehang unterstützt.

Manchen Gärtnern hilft der Sommerschnitt auch visuell. Die Intensität des Schnittes erkennt er sofort an der Auslichtungswirkung.

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Kranke Triebe werden beim Sommerschnitt mit entfernt.
Hier Mehltau an Apfel.

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Mit Mehltau befallene Triebe an Johannisbeere werden entfernt

 Zeitiger Sommerschnitt ab Anfang Juni

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« „Wasserschosse“ sollten bereits (Anfang Juni) im krautigen Zustand ausgerissen werden

Der Neuaustrieb ist erfolgt; nun können überzählige junge, krautige, ins Kroneninnere sowie steil nach oben wachsende (Wasserschosse!) und somit nicht benötigte Neutriebe an ihrem Ansatz ausgerissen werden. Das mag unsanft erscheinen, ist jedoch aus verschiedenen Gründen von Vorteil. Die Wunden verheilen durch den aktiven Stoffwechsel während der Vegetation schnell(er); das Wegreißen geschieht zügiger als ein Schnitt mit der Schere und entfernt zugleich Beiaugen, sodass dort im Gegensatz zum Rückschnitt keine neuen, nicht erwünschte Schösslinge entstehen. Ohne Schere werden auch keine Viren oder Bakterien übertragen. Das zeitige Auslichten entlastet das Gehölz: es muss nicht „Kraft“ (Assimilate) in Triebe stecken, die später im Winter eh eliminiert werden. Assimilate und Nährstoffe kommen den verbleibenden Zweigen und Früchten zugute. In Verbindung mit besserer Belichtung und ausgewogenem Wuchs wird die Blütenbildung für das Folgejahr verbessert. So kann eine ausgeprägte Alternanz – zumindest teilweise – gemildert werden. Zudem hilft eine höhere Blütenquote, mit nachfolgend besserem Fruchtbehang, ein zu starkes Triebwachstum zu bremsen.

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« Diese massive „Wasserschossbildung“ hätte durch Juniriss korrigiert werden können

Bei dem zeitigen Sommerschnitt/ -riss muss damit gerechnet werden, dass noch schlafende Augen zum Austrieb angeregt werden. Diese müssen dann später noch entfernt werden. Da die milden Winter die Vegetation verfrühen, kann der Juniriss durchaus auch schon ab Mitte Mai praktiziert werden.

Bei der Intensität des Sommerschnittes ist der Fruchtbehang zu berücksichtigen. Bei starkem Besatz muss dieser ausgedünnt werden (günstig bis Mitte Juni) und dennoch muss ausreichend – eben passend zum Behang – Blattmasse am Baum verbleiben.

 

 

 

Wuchseingriffe

Im Juni können junge Austriebe mit Astklammern oder Schnüren vorsichtig flach gestellt werden. Das Formieren fördert die Umwandlung von Blatt- zu Blütenknospen und wirkt wuchsbremsend.

Acr7191897480192 1045221Auslichten von dichten Beerensträuchern im Sommer macht Sinn »

Sehr massive Schnitteingriffe durch Umpfropfen Ende April/ Anfang Mai lösen meist einen besonders starken Austrieb unterhalb der Veredlungsstellen aus. Die jungen Triebe müssen rechtzeitig und laufend abgestreift werden, um die Wuchskraft in die Edeltriebe zu lenken.

Spaliere bilden mehrmals Oberseitentriebe. Um daraus Fruchtholz zu generieren, können diese Anfang bis Mitte Juni auf Stummel mit 2 bis 3 Blättern zurückgenommen werden. Wenn diese erneut austreiben, werden die Zuwächse dann Ende Juli bis Mitte August pinziert, d.h. die Spitze mit den jüngsten Blättchen wird abgekniffen.

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« Laubarbeiten sind bei Rebstöcken wichtig

Schnitt im Juli

Johannis-, Stachelbeeren, Süß- und Sauerkirschen werden zur bzw. nach der Ernte im Juli geschnitten. Das hat den Vorteil, dass der Fruchtbehang an zu entfernenden Ästen noch genutzt werden kann und die Sträucher bzw. Bäume durch den anschließenden Schnitt lichte Kronen erhalten. An den verbleibenden Teilen legen sich noch Blüten an.

Sind größere Bäume zu beernten, werden zu hohe – etwa armdicke – Äste aus der Krone rausgenommen. 

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« Bei Kiwi werden Peitschentriebe (linke Reihe) bereits im Juni ausgeschnitten (rechte Reihe)

Die Ernte erfolgt dann bequemerweise am Boden. Bei den genannten Strauchbeeren entnehmen Sie 3 bis 4 der ältesten Triebe direkt über dem Boden (auch hier vor dem Abzupfen der Beeren), sowie überzählige, vor allem schwache oder sehr flache Neuaustriebe. Sauerkirschen und die etwas später reifenden Aprikosen und Pfirsiche sind für den Schnitt nach der Ernte auch deshalb dankbar, da sie vorwiegend am einjährigen Holz blühen. Rebstöcke haben nach dem meist praktizierten Zapfenschnitt neue Fruchtruten gebildet. Pro Zapfen bleibt eine Rute stehen – die weitere(n) werden dort an der Basis (besser schon bereits im Mai) ausgerissen. Die verbliebenen Ruten werden spätestens Anfang Juli auf max. 2 Trauben ausgedünnt und etwa 10 bis 12 Blätter über der oberen Traube abgeschnitten. Dichtes Laub an den jungen Trauben wird entblättert: so können die Beeren besser abhärten und Fruchtfäulen vorbeugen.

Bei den Sommerhimbeeren werden die abgeernteten Ruten über dem Boden komplett abgeschnitten; Neuaustriebe auf 8 bis 10 pro laufenden Meter ausgedünnt und angebunden.

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Konkurrenztriebe können
im Juni ausgebrochen werden

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Durch Ausbrechen von Konkurrenz-
trieben frei gestellter Mitteltrieb

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Neuaustrieb vor …

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… und nach dem Ausreißen

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Mitteltrieb mit unerwünschten Seitentrieben vor …

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… und nach dem Ausreißen

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Kräutige Triebe lassen sich gut wegreißen

Später Sommerschnitt im August…

Auch im August bis Mitte September kann geschnitten werden, das ist insofern günstig, weil anschließend kein Neuaustrieb mehr erfolgt und Kernobst besser ausfärben kann. Beachten Sie, dies erst bei nachfolgend bewölkter Witterung auszuführen, damit die plötzlich der Sonne freigelegten Äpfel und Birnen keinen Sonnenbrand erleiden. Zugleich nehmen Sie beschädigte Früchte raus. Je früher Sie dichte Kronen auslichten, desto mehr Blüten können an den verbleibenden Trieben noch angelegt werden.

Auch Zwetschenbestände können bereits ausgeschnitten werden. Wie bei Kirschen ist es vorteilhaft, bei großen Bäumen zu hohe/ zu starke Fruchtäste in der Krone abzuschneiden und am Boden abzuernten.

An frühreifenden Brombeeren können bereits die abgetragenen Ruten über dem Boden abgeschnitten werden. Überzählige Neutriebe werden auf 4 bis 5 Stück reduziert und Ende August auf 2 bis 2,5 m eingekürzt; ebenso die Geiztriebe auf 2 Augen.

Nach Ende September macht es im Normalfall keinen Sinn, Obst- und Ziergehölze zu schneiden; da selbst die kleinen Wunden kaum noch verheilen. Dann ist ein Verschieben auf nächsten Februar oder März anzuraten.

Übrigens können Sommerschnitt und -riss auch bei stark treibenden Ziersträuchern und -bäumen praktiziert werden. Bei Rosen erfolgt der Rückschnitt nach dem 1. Flor auf eine kräftige Knospe oder das berühmte Fünfer-Blatt, damit die Pflanzen wieder gut durchtreiben und neue Blüten hervorbringen.

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Sauerkirschbaum vor …

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… und nach dem Sommerschnitt

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Kopflastige Triebe sollten noch im Sommer
herausgebrochen werden

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Bei Kirschspindeln sollten die Konkurrenztriebe
zur Mitte entfernt oder flach gestellt werden

 


Hubert Siegler,
Bayerische Gartenakademie LWG Veitshöchheim

Quelle:
Diese Artikel sind in den Verbandszeitschriften „Unser Garten“, „Der Hessische Obst- und Gartenbau“ und „Ratgeber für den Gartenliebhaber“ (Juni 2020) erschienen.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Unser Garten Verlag GmbH, Kulturzentrum Bettinger Mühle, Hüttersdorfer Straße 29, 66389 Schmelz, Telefon 06887 / 90 32 99 9, Telefax 06887 / 90 32 99 8,
www.unsergarten-verlag.de

VGiD Verband der Gartenbauvereine in Deutschland e.V.

Dachorganisation der Obst- und Gartenbauvereine in Deutschland. Der Verband der Gartenbauvereine in Deutschland setzt sich für die Erhaltung der Gartenkultur und die Pflege der Kulturlandschaft ein. Er ist ein wichtiger Fürsprecher des Freizeitgartenbaus und Partner der Freizeitgärtner.

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